Beim TSV Aubstadt läuft es derzeit "wie geschmiert", wie man im 700-Einwohner-Dorf im nördlichen Unterfranken sagt - und das, obwohl damit nach der vergangenen Saison kaum zu rechnen war. Im Mai gelang erst in letzter Minute mit einem 3:0-Sieg in Bamberg der Klassenerhalt. Anschließend verließ erneut eine Reihe von Stamm- und Ergänzungsspielern den Verein - wie schon im Jahr zuvor. Ob die Neuzugänge die entstehenden Lücken würden schließen können, wurde vielerorts bezweifelt. Trainer Julian Grell wurde ins zweite Glied zurückversetzt und betreut nun die Bezirksliga-Mannschaft, mit der er aktuell aussichtsreich die direkte Rückkehr in die Landesliga anpeilt.
Sein Nachfolger als Cheftrainer der Ersten wurde der in Unterfranken bekannte Deutsch-Rumäne Claudiu Bozesan. Er brachte 23 Jahre Beschäftigung als Spieler und Trainer bei den Würzburger Kickers mit, aber keine Regionalliga-Erfahrung. Das nachvollziehbare Ziel: Klassenerhalt - und zwar eher als in der vergangenen Saison.
„Es war ein goldener August.“ (Claudiu Bozesan)
Der Fehlstart mit der 0:1-Heimniederlage am ersten Spieltag gegen Wacker Burghausen bestätigte die Zweifler - zunächst. Dem folgten aber vier Siege und zwei Unentschieden plus zwei Siege im Verbandspokal. "Es war ein goldener August", bemerkte Bozesan, was bei seiner demütigen Herangehensweise schon dick aufgetragen wirkt. Um aber sofort hinzuzufügen, welche Monsteraufgaben im September auf seine Truppe warten.
Brocken vor der Brust
Gegen den FC Augsburg II feierte der TSV Aubstadt einen souveränen 2:0-Sieg. Nun wartet ein anspruchsvolles Programm: Am Freitag (19 Uhr) geht es zum Tabellenführer SpVgg Unterhaching, danach zum Zweiten 1. FC Nürnberg II, gefolgt von den Pokalhelden aus Illertissen und einem Auswärtsspiel bei der Heim-Macht TSV Buchbach.
Bis Dienstag stand Aubstadt auf dem dritten Tabellenplatz - angesichts der Vorgeschichte eine echte Überraschung. Keine Überraschung hingegen ist die Reaktion von Trainer Bozesan, der wie schon nach dem sechsten Platz eine Woche zuvor erneut von einer "Momentaufnahme" spricht. "Nach wie vor müssen wir uns jeden Punkt mit hoher Disziplin, Leidenschaft und Konzentration hart erarbeiten." Und gebetsmühlenartig ergänzt er, "dass wir immer bis zum Schlusspfiff an uns glauben müssen."
Das wiederum haben seine "Jungs", wie sie der 59-Jährige gern nennt, nachhaltig verinnerlicht. Was in der vergangenen Saison oft in der Nachspielzeit den Bach herunterging, schaffen sie zurzeit mit späten, siegbringenden Treffern. In Vilzing half ihnen der Glaube bis zum Abpfiff, trotz doppelter Unterzahl in der 98. Minute ,von 3:2 auf 4:2 zu erhöhen. Was neben dem Glauben gewiss auch an der physischen Verfassung liegen mag.
Personeller Engpass
Zuletzt schlug allerdings das Verletzungspech (Kapitän Steffen Behr, Julian Brätz, Jens Trunk, Marcel Volkmuth) erheblich zu, und die zwei Platzverweise von Vilzing (Timo Pitter und Marco Nickel) kamen obendrauf. Doch Jammern gilt nicht bei Bozesan. Er vertraut jenen, die bisher unter dem Schirm liefen wie Severo Sturm, Maximilian Stahl, Maximilian Eckstein oder Pascal Moll und aus tieferen Klassen Gekommenen wie Radzivon Hushcha, Marcel Fischer oder Egor Zelenskiy.
Platz 3 vor dem "härtesten Brocken bisher" in Unterhaching lässt Bozesan höchstens "zur Festigung des Selbstvertrauens" gelten, "mit dem man Berge versetzen kann." Aber: "Wir können unsere Situation realistisch einschätzen und wissen, dass es auch noch andere Phasen geben wird."