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Balingen-Coach Isik beschwört den Optimismus: "So wahr ich hier stehe"

kicker

Leidenschaftlich aufgetreten, auch mit den besten Teams der Regionalliga Südwest meist auf Augenhöhe, spielerisch teilweise sogar besser - aber am Ende an eigenen Fehlern, Schwächen im Abschluss oder schlicht der Kaltschnäuzigkeit des Gegners gescheitert: Hörte man Murat Isik in den vergangenen Wochen über die Leistungen seiner Amateurfußballer sprechen, vernahm man im Grunde immer die gleiche Botschaft. Und man kann es dem Trainer der TSG Balingen nicht mal übelnehmen, weil Isiks Analysen zwar mit dem Optimismus der Vereinsbrille gesprochen, aber unterm Strich zutreffend sind.

Vor allem aber wurden sie in steter Regelmäßigkeit von jenen bestätigt, die es naturgemäß nicht immer ganz so eng nehmen mit der Objektivität: den gegnerischen Trainern. Die attestierten den Balingern, die mit nur drei Punkten aus sechs Spielen weiterhin Tabellenletzte der Südwest-Staffel sind, zuverlässig mutige Auftritte, allerhand Moral und wie zuletzt Tim Görner, eine "klare spielerische Idee", so der Coach des FSV Frankfurt nach dem 2:0-Erfolg der Bornheimer auf der Schwäbischen Alb. "Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, mit der Art und Weise nicht", sagte Görner, dessen Truppe mittlerweile auf Platz 3 vorgerückt ist. "Die Balinger haben uns deutlich, deutlich, deutlich mehr abverlangt als viele andere Gegner." Und dann prophezeite der FSV-Coach der TSG den Klassenerhalt, sofern die Schwaben ihre Leistungen auch fortan bestätigen sollten. Den Balingern kamen die Schmeicheleien bekannt vor.

Lehrgeld bezahlt

Isik, der die Balinger nach einer Oberliga-Saison direkt wieder in die vierte Liga führte, ließ sich hiernach selbst zu einer mutigen Aussage hinreißen, für die es fortan Fakten zu schaffen gilt. "So wahr ich hier stehe: Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass wir die Liga halten werden", sagte der frühere Reutlinger. Er wolle das weder als Schönrederei noch als Zweckoptimismus verstanden wissen, so der frühere Jugendtrainer des VfB Stuttgart weiter: "Ich bin mir schlichtweg sicher." Die TSG habe Frankfurt, "eine gestandene Regionalliga-Mannschaft", gerade im zweiten Durchgang "in deren Hälfte eingeschnürt" und sich zig Chancen erspielt, erinnerte Isik. "Wir zahlen einfach noch jede Menge Lehrgeld."

Stimmt, doch indirekt wies der 50-Jährige damit auch auf die Schwächen des Aufsteigers hin: vor allem jene nach ruhenden Bällen. Denn erneut kassierte die TSG das 0:2 nach einer Ecke - es war im sechsten Saisonspiel das neunte Gegentor nach einem Standard. Und während der FSV dreieinhalb Möglichkeiten für zwei Treffer brauchte, versemmelten die Gastgeber sechs Hochkaräter und schritten, anstatt mit Punkten, mit hängenden Köpfen vom Platz der Bizerba-Arena.

Zwei Last-Minute-Transfers

Auf der Gegenseite lassen die Schwaben genau diese Standardsituationen regelmäßig verpuffen. Auch deshalb legten sie vergangene Woche nochmal personell nach und holten Mittelfeldmann Görkem Zeki Koca, der zuletzt beim Tabellenführer SGV Freiberg unter Vertrag stand und von dem sich Isik mehr Qualität bei ruhenden Bällen erhofft. Gegen Frankfurt durfte der unter anderem bei Carl Zeiss Jena und dem 1. FC Kaiserslautern ausgebildete Berliner schon für ein paar Minuten ran. Nicht im Aufgebot stand der zweite Last-Minute-Transfer, nämlich Keeper Elvin Kovac, zuletzt beim 1. CfR Pforzheim aktiv. Ist der Wechsel des 1,96-Meter-Manns eine Reaktion auf die Patzer der etatmäßigen Nummer 1 Dennis Klose, die den Württembergern im Saisonverlauf ebenfalls einige Zähler kosteten? Das nicht, antworte Isik. "Wir waren schon eine Weile auf der Suche nach einem dritten Torwart, den braucht es in der Regionalliga einfach." Gegen Frankfurt stand dennoch erneut Louis Potye zwischen den Pfosten - und damit die Nummer 2.

Isik jedenfalls wiegelt ab und hält Personaldiskussionen für fehl am Platz. Es gelte nun, die Abläufe zu schärfen, dann glaube er fest daran, dass die Erfolgserlebnisse zurückkommen würden. Was ihm Hoffnung machen dürfte: Mit Freiberg, dem TSV Steinbach Haiger, den Bornheimern und der SG Sonnenhof Großaspach haben die Balinger es bislang mit den Top 4 der Südwest-Regionalliga zu tun gehabt, sich dabei stets gut verkauft und reichlich Lobeshymnen erhalten. Isik aber weiß: "Von Komplimenten können wir uns leider nichts kaufen, wir brauchen jetzt Punkte."