UEFA vergibt nächste Chance auf Glaubwürdigkeit
Wann, wenn nicht bei einer Europameisterschaft der U-21-Nationalteams, sollten Kinder, Jugendliche und generell Familien die Zielgruppe Nummer eins sein? Abgesehen vom Eröffnungsspiel zwischen dem Gastgeberland Slowakei und Spanien, das sowieso ausverkauft gewesen wäre, begannen alle Partien am ersten Vorrundentag erst um 21 Uhr - an einem Mittwoch in einer regulären Schulwoche. Die UEFA bedient TV-Märkte und Werbepartner, aber nicht die jungen Fans.
Knapp über 2.000 Zuschauer fanden sich in der 20.000 Fans fassenden Arena von Spartak Trnava ein, um Italiens knappen 1:0-Sieg über Rumänien zu sehen. Wäre die rumänische Community in der Slowakei zahlenmäßig nicht so stark, hätte man über weite Strecken des Spiels unter Garantie eine Stecknadel fallen hören. Sicher, wenn die Slowakei um 18 Uhr in Bratislava gegen Spanien spielt, ist die Hütte voll. Ansonsten waren zum Start der U-21-EM 2025 neben den Gruppenspielen der Gastgeber aber nur das Finale und die Vorrunden-Auftritte der Ukraine ganz im Osten des Landes bereits ausverkauft gewesen.
Auch beim 2:1 der Georgier über Polen in Zilina waren viele Plätze frei. Und die Mehrheit der Besucher war aus Polen angereist. Familien, junge Fußballer oder Schulklassen aus der Host City selbst waren wie in Trnava schon im Bett oder fanden keine Begleitpersonen. "Die UEFA will Geld machen, fertig", sagte ein Vater beim Italien-Spiel - seinen eingeschlafenen Sohn im Arm. Hunderte Ordner, Security-Leute und Polizisten umschwärmten das Stadion. Drinnen war es still und leer - wobei der UEFA-Event-DJ alles tat, um den paar Anwesenden statt Fußballstimmung zumindest einen Gehörschaden zu verpassen.
Es ist unmodern geworden, die Geschäftspraktiken von UEFA und FIFA kritisch zu hinterfragen - money makes the world go around, wer zahlt schafft an, die Zahlen geben ihnen recht, die Leute kommen trotzdem und so weiter und so weiter. Dass WM-Stadien für hunderte Millionen Euro in Südafrika (2010) oder Brasilien (2014) seit Jahren ungenutzt verfallen, ist längst Normalität.
Der Wanderzirkus UEFA oder FIFA zieht mit Säcken voller Sponsoren-Geld weiter. Aber hört sich nicht bei einer Nachwuchs-Endrunde der Spaß auf? Warum lädt man keine Schulen und Kindergärten ins Stadion ein? 15 Euro in der Vorrunde und 20 Euro in der K.-o.-Phase sind nicht die Welt, aber warum muss man bei einer U-21-EM Eintritt verlangen? Reichen Fernsehgelder und Werbepartner nicht wenigstens bei den Youngsters aus? Naiv gefragt vielleicht - aber auch höchste Zeit. Der Fußball gehört den Fans - selten so gelacht.