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Bono und Mané: Zwei Größen und ihre Großtaten

kicker

Vom Afrika-Cup in Marokko berichtet Michael Postl

Ein Privatduell zwischen den beiden war es nicht. Und doch war direkt vom Anpfiff des Afrika-Cup-Finals zwischen dem Senegal und Marokko klar: Sowohl Sadio Mané auf der einen Seite als auch Bono auf der anderen haben an diesem Sonntagabend eine Form, die eines Endspiels würdig ist.

Mané, der mit seinem 1:0-Siegtreffer im Halbfinale gegen Ägypten überhaupt erst für den Finaleinzug gesorgt hatte, avancierte von Beginn an zu einem der wichtigsten Faktoren im Spiel mit und gegen den Ball. Sicher, die gesamte senegalesische Mannschaft unterstrich einmal mehr ihren Status in Afrika, verband im Gegensatz zu den übrigen marokkanischen Gegnern eine offensive Idee mit defensiver Power.

Mané verkörperte gerade in der ersten Hälfte beides. Fleißig gegen den Ball, kreativ und technisch herausragend mit dem Ball verlieh der 33-Jährige seinem Team eine Komponente, die beispielsweise Nigeria im Halbfinale gegen Marokko abgegangen war: der Wille und vor allem die Qualität, den Gastgebern das eigene Spiel aufzuzwingen.

Nicht über die gesamte Spielzeit, sondern punktuell, klug eingesetzt, eben dann, wenn es möglich war. Mané glänzte nicht nur als Spieler auf dem Platz, sondern auch als Kopf einer Mannschaft, die zwischenzeitlich taumelte. Nämlich dann, als das Spiel wegen der Ausschreitungen nach dem Elfmeterpfiff über 20 Minuten lang unterbrochen war.

Seine Teamkameraden wollten zweimal das Spielfeld verlassen, aus Protest gegen einen aus ihrer Sicht falschen Pfiff. Mané, zuvor im Gespräch mit der französischen Trainerlegende Claude le Roy, hielt sie davon ab, wusste, dass die Senegalesen nun mit dieser Situation umgehen mussten.

Sicher, trotz der Niederlage im Finale ist Marokko allein vom Kader her die beste Mannschaft Afrikas. Kein Spielertyp fehlt in dieser Mannschaft, das wurde nicht zuletzt im Finale deutlich. Sie verfügt über Tempo, Finesse, Körperlichkeit, Cleverness, Erfahrung, Mentalität, kurzum: die Bausteine für einen Turniersieg. Und den haben sich die Marokkaner zwar nicht geholt, das lag aber nur an der überheblichen Aktion von Brahim Diaz, der in einer Phase völliger Ekstase einen fragwürdigen Elfmeter viel zu lässig in die Tormitte chippte.

Bono zeigt seine ganze Bandbreite

Entscheidend daran beteiligt, dass es überhaupt in die Verlängerung ging, war aber einmal mehr Bono. Der Keeper hatte bereits den Sieg im Elfmeterschießen gegen Nigeria festgehalten, avancierte gegen den Senegal jedoch bereits nach kaum sechs Minuten zum entscheidenden Mann. Eckensituation, der Ball fliegt über die vor dem Tor versammelten Spieler, dreht sich gefährlich zum langen Pfosten. Dort wartet Pape Gueye. Ein Kopfball, Bono macht sich groß, wehrt den Ball großartig ab. Getreten hat den Eckball, klar, Sadio Mané.

Die zweite Szene zeigt die Bandbreite von Bonos Können: Denn als nach 38 Minuten Iliman Ndiaye von Nicolas Jackson auf der rechten Seite freigespielt wird, stand der Torhüter exakt im richtigen Winkel, breitete die Arme aus, reagierte dann klasse mit dem Fuß.

Und dann auch noch das: In der 111. Minute stand Cherif Ndiaye frei vor dem marokkanischen Tor, bekam einen perfekten Pass auf den rechten Fuß, musste nur noch einschieben - und Bono war derart schnell unten, dass es den Eindruck macht, als habe er bereits auf einen zentralen Flachschuss spekuliert. Dann hechtete er dem Ball noch einmal nach, verhinderte so das 0:2 im Nachschuss, riss die Arme hoch, feierte sich und seine Parade. Drei Chancen, drei Fehlschüsse - und jeweils war Bono schuld.

Der mittlerweile 34-Jährige kickt "nur" noch in Saudi-Arabien, bei Al-Hilal, wird dort nicht mehr so sehr herausgefordert wie einst in Sevilla. Und doch ragte er im Finale des Afrika-Cups heraus. Einer seiner Gegenspieler in der Saudi Pro League: Sadio Mané. Auch bei dem Ex-Münchner lag es einst nahe, dass er seine Karriere in der Wüste ausklingen lässt. Ähnlich wie bei Bono ist das nur ein Teil der Wahrheit.