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Championship-Maschine Weimann: "Englands Fußball und ich passen zusammen"

kicker

Am 5. August wird Andreas Weimann 34 Jahre alt. Mit 16 zog er aus seiner Heimatstadt Wien alleine hinaus in die große Fußballwelt. Aus der Akademie von Aston Villa schaffte es der damals pfeilschnelle Youngster in die Premier League und brachte es für den Traditionsklub aus Birmingham auf 113 Spiele (17 Tore) im englischen Oberhaus.

Seit 2015 spielt der 26-fache ÖFB-Internationale in der für ihre Intensität legendären Championship - mit 46 Runden, Play-offs und zwei nationalen Cup-Bewerben. Für Watford, Wolverhampton, Bristol City, West Bromwich, Blackburn und nun (zum dritten Mal) Derby County bestritt Weimann bisher 368 Zweitliga-Partien und erzielte insgesamt 74 Tore.

Wie es ihm nach seiner langen Verletzungspause geht, warum Derby für ihn der perfekte Platz für den Neustart ist und er die Insel seiner Fußballträume nie verlassen hat, ob er sich ein Karriereende in Österreich vorstellen kann und wie er auf sein letztes und vielleicht größtes Ziel in seiner Karriere hinarbeitet, erzählt Weimann im Gespräch mit dem kicker.

Wie ist es Ihnen seit Ihrer Meniskus-Operation Anfang März und in den viereinhalb Monaten Rehabilitation ergangen?

Es wird immer besser. Ich trainiere wieder mit der Mannschaft und werde ab dieser Woche auch bei den Testspielen im Kader sein (erster Einsatz beim 4:2 gegen Fünftligist Solihull Moors am Dienstag/Anm.). Parallel mache ich auch noch mit dem individuellen Aufbautraining weiter. Es wird schon wieder.

War es auch mental eine harte Zeit für Sie? Wie sind Sie mit dieser Phase allgemein zurechtgekommen?

Am Anfang war es schon sehr schwierig, weil ich ja gewusst habe, dass mein Vertrag in Blackburn ausläuft - und das war mit der Verletzung natürlich keine leichte Situation für mich. Aber dann haben mir die Rovers zum Glück einen neuen Vertrag angeboten und das Angebot von Derby ist auch gekommen. Ab dann war es im Kopf viel einfacher, weil ich gewusst habe, dass ich auf jeden Fall etwas habe für die nächste Saison.

Nach Ihren ersten beiden Engagements bei Derby - zwischen Juli 2015 und Jänner 2017 sowie Juni 2017 bis Juli 2018 - war es für Sie wie ein Heimkommen?

Was das Trainingsgelände betrifft, den Zeugwart, die Leute in der Kantine usw. war es sehr schön, sie wiederzusehen. Aber die Spieler und der Trainer sind natürlich fast alle neu. Der Trainer (John Eustace/Anm.) hatte einen großen Anteil daran, dass ich wieder zu Derby gegangen bin. Ich habe letztes Jahr in Blackburn mit ihm zusammengearbeitet und vor 14 Jahren bei Aston Villa mit ihm zusammen gespielt. Wir kennen uns also schon sehr lange und es ist schön, dass es für uns jetzt auch zusammen weitergeht.

Was für ein Typ Manager und Mensch ist John Eustace?

Er ist ein emotionaler Trainer und auch ein sehr akribischer, harter Arbeiter. Er ist jeden Tag von 7 Uhr Früh bis 8 Uhr Abends auf dem Trainingsgelände - schaut sich unglaublich viele Spiele an. Er ist ja auch noch ein sehr junger Manager, und trotzdem kann man schon sehr viel von ihm lernen. Auch als Mensch ist er sehr angenehm, er bringt eine super Stimmung ins Team.

„46 Runden, zwei Cup-Bewerbe und vielleicht Play-offs - es geht das ganze Jahr Samstag - Dienstag - Samstag.“ (Andreas Weimann über die Intensität in der englischen Championship.)

Planen Sie ebenfalls eine Trainerlaufbahn nach der aktiven Karriere?

Die Trainer-B-Lizenz habe ich schon gemacht - und sollte sich irgendwann einmal etwas ergeben, will ich das jetzt nicht ausschließen. Aber dass ich es als großes Ziel verfolge und unbedingt einmal Trainer sein will, würde ich eher nicht sagen.

Wie lauten die Saisonziele für Derby County?

Mit dem Aufstieg wird es sicher sehr schwer, weil die drei Absteiger aus der Premier League, Ipswich, Leicester und Southampton, sehr stark sein werden und gleich wieder rauf wollen. Aus der League One sind mit Birmingham, Charlton und Wrexham auch drei ambitionierte Aufsteiger dazugekommen. Wir wollen natürlich so hoch wie möglich kommen, uns zumindest im Mittelfeld etablieren - und dann kann in der Championship alles passieren. Man wird sehen, ob die Play-offs ein Ziel sind, das wir erreichen können.

Was macht die Championship so herausfordernd?

46 Runden, zwei Cup-Bewerbe und vielleicht noch die Play-offs - es geht das ganze Jahr Samstag - Dienstag - Samstag. Da körperlich und mental fit zu bleiben, ist nicht leicht. Jede Mannschaft kann jede andere in jedem Spiel schlagen - es gibt keine leichten Partien, man muss immer 100 Prozent geben. Aber ich bin zehn Jahre in der Liga und weiß Bescheid.

Passen Sie und der englische Fußball perfekt zusammen?

Ich glaube schon, dass man das sagen kann - ich spiele jetzt schon 15 Jahre in England. Ein Wechsel in ein anderes Land hat sich einfach nie ergeben. Ich hätte nicht grundsätzlich nein dazu gesagt, auch woanders zu spielen. Es war aber nie etwas Konkretes dabei.

Wenn man den 16-jährigen Andreas Weimann mit dem heutigen vergleicht, was sind die größten Unterschiede?

Als ich mit 16 Jahren alleine hierher nach England gekommen bin, habe ich natürlich unglaublich viel lernen müssen - zum Beispiel Auto fahren und viele andere Dinge, die mich auch als Mensch weiterentwickelt haben. Heute habe ich meine eigene Familie und bin generell als Mensch sehr gewachsen in dieser langen Zeit. Was Fußball betrifft, bin ich vielleicht nicht mehr ganz so schnell und spritzig wie vor 15 Jahren, aber dafür habe ich natürlich viel mehr Erfahrung als damals.

Mit welchen persönlichen Zielen gehen Sie in die neue Saison?

Ich habe mir nie konkrete Zahlen an Toren oder Assists zum Ziel gesetzt. Was ich mir vor jeder Saison vornehme, ist, so viel wie möglich zu spielen, dafür bereit und fit zu sein. Wenn ich spiele, bekomme ich auch meine Chancen auf Tore. Ich werde 34 und da muss man hart arbeiten, um fit zu bleiben. Aber ich fühle mich nach wie vor sehr gut.

Am Horizont liegt die WM 2026 in Nordamerika…

Die WM mit Österreich nächstes Jahr spielen zu können, wäre natürlich das i-Tüpfelchen für meine Karriere, ein absoluter Traum. Dafür muss ich bei Derby regelmäßig spielen und gute Leistungen bringen. Ich weiß, dass mich der Teamchef schätzt - und ich werde alles dafür tun, dass ich bei der Weltmeisterschaft dabei sein kann.

Den Hype um Rapid und Marko Arnautovic haben Sie sicher mitbekommen. Können Sie sich vorstellen, Ihre Karriere in Österreich zu beenden, nachdem Sie als Profi nie in Österreich gespielt haben?

Rapid und Marko, das habe ich natürlich gelesen. Ich würde das niemals grundsätzlich ausschließen, aber es hat sich bisher nie ergeben und jetzt müsste es für mich natürlich auch passen. Ich habe drei Kinder, die hier in England aufwachsen. Es müsste einen Sinn haben, aber im Fußball weiß man ja nie, was passieren kann.