Souverän - das ist wohl die Beschreibung, wenn man die Meisterschaft des FC Coburg in der Landesliga Nordwest mit einem Wort zusammenfassen muss. Schon nach der Hinrunde war der Vorsprung auf eine zweistellige Zahl an Punkten angewachsen - selbst drei Niederlagen nach dem Winter brachten die Oberfranken zu keiner Zeit ins Wanken. Zwar war Platz 1 "erst" im drittletzten Spiel final gesichert - gefühlt war die Meisterschaft schon seit Herbst 2024 aber nur noch eine Frage der Zeit.
Dass in der Bayernliga nun ein anderer Wind weht, mussten die Vestestädter dann gleich zum Auftakt erfahren: Gegen den Absteiger und Top-Favoriten vom FC Eintracht Bamberg setzte es ein verdientes 1:3 - auch, wenn Trainer Calle Schiebel einschränkt: "Dass wir gegen Bamberg nicht spielbestimmend sein werden, war klar. Dennoch haben wir es bis zur gelb-roten Karte gegen uns richtig gut gemacht." 0:1 stand es zum Zeitpunkt der Ampelkarte für Sven Wieczorek nach wiederholtem Foulspiel kurz vor Ablauf der Stundenmarke - erst im Anschluss sei wiederholt "die Klasse des Gegners aufgeblitzt".
Dreckiger Sieg im Aufsteigerduell
Dafür gelang eine Woche später beim Mitaufsteiger aus Großschwarzenlohe die Rehabilitation - zumindest hinsichtlich des Punktekontos. Denn der 1:0-Erfolg in Mittelfranken war durchaus glücklich. "In den ersten 20 Minuten sind wir geschwommen und unser Keeper hat uns im Spiel gehalten. Kurz darauf machen wir nach einem wunderschönen Spielzug überraschend das 1:0 und haben im Anschluss nicht mehr viel zugelassen, ohne selbst Chancen zu haben. In Summe war es ein dreckiger Sieg", sieht auch der Coach seine Truppe mit Fortuna im Bunde.
So stehen nach zwei Spieltagen ordentliche drei Punkte in der Bilanz - spielerisch hapert es aus Sicht der Coburger allerdings noch ordentlich. Ganz aus dem Nichts kommen die Probleme für den FCC jedoch keineswegs, wie Schiebel ausführt: "Wir hatten zuletzt aus dem 27-Mann-Kader nur 14 Jungs zur Verfügung - uns hat es mit krankheits- und berufsbedingten Ausfällen richtig erwischt." Denn die Liste der Verletzten war nicht nur lang, sondern umfasste zugleich tragende Säulen wie Jason Geißendörfer, Fabian Carl, Ricardo König, Sven Wieczorek, Adrian Guhling oder René Knie. "Alle Spieler, die ihre Qualitäten im Herrenbereich schon gezeigt haben. Wir mussten somit einige Umstellungen vornehmen - das tut in dem Maß keiner Mannschaft gut", urteilt Schiebel. Man sei sich somit bewusst gewesen, dass südlich von Nürnberg ein ekliges Spiel warten würde. Folglich war der Dreier kaum zu erwarten, wurde "unter den Voraussetzungen aber gerne mitgenommen".
Gewachsener Kern als Trumpf in der Bayernliga
Ohnehin ist man beim FCC trotz des überlegenen Aufstiegs keineswegs so vermessen, die Bayernliga zu unterschätzen, viel eher treten die Oberfranken "mit dem wohl kleinsten Etat der ganzen Liga und vielen Eigengewächsen" an. Wohltuend ist für die Truppe daher eine gewisse Konsistenz im Kern des Kaders: Der umfasste im Aufstiegsjahr etwa 15 Spieler, die bis auf eine Ausnahme allesamt geblieben sind. Lediglich Davide Dilauro ist nach Passau verzogen und konnte somit den neuerlichen Weg des FCC in der Bayernliga nicht mit antreten. Nachdem jener Kern im letzten Spiel allerdings ebenso eingedämmt war, mussten die Oberfranken ihren "Fußballstil anpassen". Mit dem Fokus auf Mentalität und Laufbereitschaft gelangen immerhin drei Punkte - als reine Kämpfertruppe will die Schiebel-Elf jedoch nicht wahrgenommen werden.
Glücklicherweise lichtet sich die Reihe der Ausfälle in den kommenden Wochen. "Dann werden wir auch fußballerisch wieder zulegen", ist sich der 34-Jährige sicher. Diese Qualitäten werden aus Sicht des Übungsleiters dringend benötigt: "Wir müssen dahinkommen, dass wir unter Druck Lösungen finden. Nur mit langen und zweiten Bällen wird es in der Bayernliga nicht gehen." Eine Liga höher sei zudem "die Physis der größte Unterschied". Ohne Ruhephasen zum Ballzirkulieren bedarf es daher umso mehr der Führungsspieler und deren Einfluss. Bestenfalls schon im kommenden Heimspiel gegen Stadeln, spätestens aber gegen Regensburg II. Dabei kommt den Coburgern gelegen, dass zwischen den beiden Heimauftritten zwei Wochen Pause liegen. Die Zeit von lediglich 14 Akteuren im Kader dürfte dann endgültig vorbei sein - drei Punkte wie in Großschwarzenlohe sind dagegen freilich stets willkommen.