In Norderstedt wird dieser Tage ein recht unrühmliches Jubiläum begangen: Seit zwei Jahren sind die Stehplätze auf der Gegengerade gesperrt. Das 1975 entstandene Edmund-Plambeck-Stadion ist in die Jahre gekommen, doch die Bauarbeiten stocken - auch wenn die Stadt längst Gelder in Höhe von 200.000 Euro bewilligt hat.
Auch bei den Fußballern sind noch einige Baustellen offen, obwohl schon 13 Zugänge verpflichtet wurden. Insgesamt kamen in den vergangenen fünf Transferperioden 46 neue Spieler - die Folgen des spontanen Rücktritts des 20 Jahre lang als Präsident und Sportchef regierenden Reenald Koch im Dezember 2023.
Seitdem taumelte die Eintracht nicht nur sportlich dem Abstieg entgegen, ehe Julia Karsten-Plambeck elf Monate später endlich offiziell zur Präsidentin gewählt werden durfte. Eine Woche später wurde Trainer Jean-Pierre Richter beurlaubt; das Team stand auf Platz 17. Und in Frank Spitzer kam ein neuer Sportlicher Leiter, der - von seinem Sohn und Geschäftsführer Finn - aus dem Nachwuchs von Holstein Kiel herausgekauft wurde. Dieser holte seinen aus Kiel altbekannten Trainer Elard Ostermann und vier echte Verstärkungen, und gemeinsam gelang der kaum noch für möglich gehaltene Klassenerhalt - diesmal sogar nicht erst in der Nachspielzeit des letzten Spieltags wie ein Jahr zuvor.
Bringt Saad eine sechsstellige Summe?
In der neuen Saison soll das Wort Abstiegskampf an der Ochsenzoller Straße tabu sein. Die Voraussetzungen dafür scheinen gut, denn allein finanziell schwimmt die Eintracht in deutlich ruhigerem Fahrwasser und kann in der immer mehr Richtung Profifußball mutierenden Regionalliga halbwegs mithalten. Der Hamburger Pokalsieg spült rund 200.000 Euro in die Kassen. Hinzu kommen die Einnahmen aus dem anstehenden DFB-Pokalspiel gegen den FC St. Pauli, zu dem am Millerntor mehr als 25.000 Fans - und damit die größte Kulisse der Vereinsgeschichte - erwartet werden.
Und der Bundesligist tut der Eintracht noch einmal gut: Durch den Transfer von Elias Saad, der im Januar 2023 aus Norderstedt zum FC St. Pauli wechselte, zum FC Augsburg dürfte ein Teil der Ablösesumme nach Norderstedt fließen. Sollten es die spekulierten zehn Prozent der 2,2 Millionen Euro sein, könnte die neue Saison durchfinanziert sein.
Das alles interessiert Elard Ostermann nur am Rande. Der Trainer hat derzeit genug damit zu tun, sein Team zu formieren. "Die Mannschaft passt vom Charakter her gut zusammen. Wir haben gutes Tempo in der Offensive gewonnen", kommentierte der 56-Jährige nach dem 0:0 gegen Holstein Kiel II - es war der dritte Test ohne Gegentor. Zuvor gab es ein 5:0 gegen den Sechstligisten Union Tornesch und ein 8:0 gegen den Fünftligisten Tura Harksheide - doch nach diesem lockeren Einlaufen, bei dem bis zu elf Spieler fehlten und durch A-Jugendliche ersetzt wurden, wird es nun langsam ernst: Am Samstag findet in Billstedt ein hochkarätiges Blitzturnier statt, bei dem die Eintracht auf die U 21 des HSV treffen könnte. Eine Woche später folgt die Generalprobe beim "Hamburger Supercup" gegen den Oberliga-Meister Altona 93, ehe am 26. Juli der Saisonstart ansteht: ausgerechnet wieder bei Altona 93.