Nach einem durchwachsenen Saisonstart mit zwei Siegen und zwei Niederlagen scheint der ewige Titelaspirant Kickers Offenbach pünktlich zum Topspiel-Doppelpack in Schwung zu kommen. "Ich sehe eine Entwicklung bei den Jungs", sagte Trainer Kristja Glibo und machte das auch an Zahlen fest.
Hatte der OFC zuvor beim 2:1-Sieg bei den Stuttgarter Kickers in der ersten Hälfte sechs Chancen, nach der Pause aber fast keine Entlastung mehr, sei man nun beim jüngsten 2:2 gegen Mitfavorit FC Homburg "60 bis 65 Minuten" lang die bessere Mannschaft gewesen. Zudem trafen die Kickers bereits zum dritten Mal in dieser Saison nach einer Ecke. "Bei Standards sind wir brandgefährlich, auch da haben wir zugelegt", stellte Glibo zufrieden fest.
Den Zugriff verloren
Ein Problem, das sich schon in fast allen vorherigen Spielen gezeigt hatte, bekam der OFC aber auch gegen Homburg nicht in den Griff: Nach gutem Start ließ man nach. "Ab der 20. Minute hatten wir keinen Zugriff mehr", gab der Kickers-Coach zu. Sein Trainerteam hätte die Spieler in dieser Phase auch nicht erreicht.
„Das war Powerpressing und Powerfußball, so wie ich mir das vorstelle.“ (Kristjan Glibo über die ersten Minuten nach der Pause)
Erst in der Pause gelang es ihm mithilfe der Taktiktafel, das Team neu zu justieren. Das Pressingverhalten sei danach "ganz anders" gewesen. "Das war der Schlüssel, dadurch haben wir Homburg früh den Zahn gezogen, oft den Ball gewonnen und uns viele Chancen erspielt." Alleine in der Anfangsviertelstunde der zweiten Hälfte hatte der OFC sechs gute Möglichkeiten. "Das war Powerpressing und Powerfußball, so wie ich mir das vorstelle", lobte Glibo.
Das Problem: Die Kickers verpassten es, das 3:1 zu erzielen und damit wohl für die Vorentscheidung zu sorgen. Die beste Chance vergab Valdrin Mustafa. Der in den vorherigen Spielen nur einmal berücksichtigte und als potenzieller Abgang gehandelte Stürmer, der erstmals in dieser Saison in der Startelf gestanden und prompt das 1:0 erzielt hatte (7.), traf nur die Latte. Das rächte sich. Homburg glich erneut aus.
Aber auch nach dem 2:2 hielten die Kickers den Druck hoch, auch weil sich die Personalsituation langsam immer mehr entspannt. "Die Jungs wollten, das hat das Stadion honoriert. Daran müssen wir anknüpfen", forderte der OFC-Coach, den neben den zwei Weitschuss-Gegentoren nach unglücklich geklärten Flanken (“Da müssen wir um den 16er herum noch wacher sein“) nur die schlechte Chancenverwertung ärgerte.
„Wenn wir diese Details verbessern, können wir auch solche Spiele gewinnen.“ (Kristjan Glibo)
Er ist sich aber sicher: "Wenn wir diese Details verbessern, können wir auch solche Spiele gewinnen." Den Beweis kann sein Team am Freitag (19 Uhr) im Verfolgerduell beim einen Punkt besseren Tabellennachbarn SG Sonnenhof Großaspach (4.) erbringen. Eine Woche später gastiert dann Spitzenreiter SGV Freiberg in Offenbach. Ob die Kickers bis dahin personell nachlegen, ist offen. Man schaut sich weiterhin nach einer Verstärkung für den Sturm um. Torjäger seien aber schwer zu finden, betonte Sport-Geschäftsführer Christian Hock. Möglicherweise hält er die Augen auch nach einem weiteren (defensiven) Mittelfeldspieler offen.