Der FC Carl Zeiss Jena ist in der Regionalliga Nordost in Lauerstellung auf die Spitze. Die Thüringer haben einen starken Saisonstart hingelegt, erst einmal verloren. Vor allen Dingen ist das aber der neuen Jenaer Stärke zuzuschreiben: Die Zeiss-Elf ist wettbewerbsübergreifend seit sechs Spielen ohne Gegentor, in den Punktspielen seit 360 Minuten.
Cheftrainer Volkan Uluc (55) hat mit Beginn der Vorbereitung im Juni ganz bewusst den Fokus auf die Abwehrarbeit gelegt. Zwar schossen die Jenaer in der vergangenen Saison mit 71 Treffern die meisten Tore, doch weil Jenas Torhüter gleich 45-mal hinter sich greifen mussten, war die Zeiss-Elf im Titelrennen schnell außen vor. "Man hat dann gesehen, dass Lok Leipzig seine Spiele halt immer mit 1:0 gewonnen hat. Die mussten keine fünf Tore schießen, weil sie vier bekommen haben", erklärt Keeper Marius Liesegang und sein Team weiß: Meisterschaften werden in der Abwehr entschieden. "So wird man Meister - und wir setzen es derzeit gut um", sagt der Stammtorhüter.
Er allein ist natürlich nicht dafür verantwortlich, dass der FC Carl Zeiss in dieser Saison erst drei Gegentore kassiert hat. "Es ist unsere Arbeit gegen den Ball, darauf liegt der Fokus der gesamten Mannschaft und der Trainer", erzählt er. Und nur so gehe es auch, nur so werde man sportlich erfolgreich sein, die gesteckten Ziele erreichen.
Die nächste Aufgabe ist eine besondere. Am Sonntag muss der FCC zum Thüringen-Duell nach Meuselwitz reisen. Liesegang: "Es ist immer unangenehm, dort zu spielen. Jetzt fahren wir mit breiter Brust hin, haben etwas gutzumachen". In der Vorsaison gab ausgerechnet dort auf der Glaserkuppe Uluc sein Debüt als Jena-Trainer, flog dabei gleich mal aus dem Landespokal.
Motivierte Ex-Jenaer
Und man kann nach den neuesten Patzern der Konkurrenz, Halle ging in Chemnitz 0:3 unter, auf den neuen Spitzenreiter Rot-Weiß Erfurt aufschließen. Zeiss-Coach Uluc warnt aber vor dem Rivalen aus Ostthüringen: "Bei Spielen gegen Meuselwitz ist die Ausgangslage auf dem Papier egal, egal, wie die Formtabelle aussieht, wie sie gestartet sind. Das sind Duelle für sich", sagt er. Denn beim ZFC sind einige Ex-Jenaer unterwegs, die stets besonders motiviert sind, wenn es gegen den alten Verein geht - allen voran ZFC-Kapitän René Eckardt, der in den letzten beiden Begegnungen gegen Jena traf. "Das wissen wir natürlich und haben das im Vorfeld im Blick", kündigt Uluc an.
Der will von der Pokalpleite im Frühjahr nichts mehr wissen. "Wir sind in Meuselwitz auch schon Pokalsieger geworden, insofern spielt das für mich keine Rolle. Wir fahren dahin, um eine neue, positive Geschichte zu schreiben, dort zu gewinnen", erklärt er. Und natürlich liege wieder der Fokus darauf, zu Null zu spielen. "Dazu gehört vor allem in Meuselwitz ein gutes Pressingspiel", betont der Zeiss-Coach. Seine Schützlinge wissen das, fahren gut vorbereitet nach Meuselwitz.