Nur wenige der rund 130 Gläubiger erschienen Ende August im Amtsgericht Aachen. Die Nachricht hatte dennoch Gewicht: Die Fortführungsprognose ist positiv. Insolvenzverwalter Dr. Christoph Niering bestätigte dies - wie die Aachener Zeitung berichtete.
Präsidiumsmitglied Karsten Schümann erläutert gegenüber dem kicker den Stand der Dinge und betont, dass der Verein auf Kurs gebracht wird: "Wir haben gezeigt, dass wir aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und heute vertrauenswürdige Personen Verantwortung tragen." Damit steht fest: Der Klub kann trotz Insolvenz fortgeführt werden, ohne in einen Liquidationsengpass zu rutschen - ein Signal, das Fans, Sponsoren und Gläubiger beruhigt.
Schlüsselrolle Westkampfbahn
Die Insolvenzquote - also wie viel die Gläubiger zurückerhalten - hängt direkt an der Westkampfbahn, dem größten Vermögenswert des Vereins. "Es gibt nach unserer Kenntnis konkrete Interessenten - sowohl für die gesamte Anlage als auch für Teilflächen", sagt Schümann. Der Verkaufsprozess liegt bei einem externen Makler.
„Solange kein Verkauf abgeschlossen ist, bleibt die Westkampfbahn unsere Heimat. Aber wir dürfen nicht blauäugig sein.“ (Präsidiumsmitglied Karsten Schümann)
Bis dahin bleibt die Westkampfbahn sportliche Heimat. Als Ausweichlösung käme der Franz-Josef- Keimes Sportpark in Niederau in Betracht, der derzeit insbesondere von der Jugend benutzt wird. Aber diese müsste dann wegen der begrenzten Kapazitäten erweitert werden. Für 300 Kinder und zwei Seniorenmannschaften ist die Anlage dort eindeutig zu klein. "Solange kein Verkauf abgeschlossen ist, bleibt die Westkampfbahn unsere Heimat. Aber wir dürfen nicht blauäugig sein." Ein Ende des Verfahrens ist noch nicht in Sicht.
Keine Großinvestoren mehr
Schümann rechnet mit mindestens einem halben Jahr, eher einem Jahr, da noch rechtliche Schritte und die Grundstücksabwicklung abzuschließen sind. Während Niering die finanzielle Oberaufsicht führt, verantwortet das Präsidium das operative Tagesgeschäft. Schümann beschreibt das Verhältnis pragmatisch: "Wir haben einen detaillierten Wirtschaftsplan vorgelegt, unterfüttert durch Sponsorenzusagen, Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse. Innerhalb dieses Rahmens können wir handeln. Die letzte Kontrolle und ein Vetorecht hat Dr. Niering, aber das Tagesgeschäft machen wir."
Großinvestoren sind kein Thema: Der Verein setzt auf breite, lokale Sponsorenlandschaft, Gönner und Eigenkraft, nicht auf externe Kapitalgeber.
Wiederaufstieg kein Thema
Nach dem Rückzug aus der Regionalliga gilt der volle Fokus dem Klassenerhalt . "Ziel ist ganz klar, nicht abzusteigen", so Schümann. Ein schneller Wiederaufstieg spielt keine Rolle. "Wir wollen in Ruhe den Verein wieder aufbauen. Zwar sei ein sportliches Wunder nie ausgeschlossen, aber wir planen nicht damit."
Statt Luxus setzt der Klub auf junge, regionale Talente - und auf neue Strukturen. "Das Präsidium wurde komplett erneuert, Transparenz und Demut sind oberstes Gebot", betont Schümann. "Dadurch schaffen wir Vertrauen - bei Sponsoren, bei Gläubigern und in der Region." Das Insolvenzverfahren bleibt ein Kraftakt. Doch diesmal glaubt man in Düren, besser gerüstet zu sein. "Wir gehen von positiven Entwicklungen aus", sagt Schümann, "aber wir wissen auch: Es wird ein langer Weg."