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Ein besonderer Spagat: Delmenhorst vor dem Pokalhighlight Mönchengladbach

kicker

Als langweilig und vorhersehbar kann die Saisonvorbereitung von Atlas Delmenhorst sicher niemand bezeichnen. Der Klub bewältigt gerade einen Spagat zwischen Konzentration auf die neue Saison und dem Highlight des Jahres. Das Los hat Atlas in der ersten Runde des DFB-Pokals Borussia Mönchengladbach beschert. Ein Name, der noch immer über enorme Strahlkraft verfügt.

"Für die Mannschaft als solche war die Vorbereitung nicht anders als sonst", meint Stephan Ehlers, der Sportliche Leiter. Die Arbeit für den Vorstand sei aber schon sehr aufwändig und aufregend gewesen. "Ich war wegen des Pokalspiels zum Beispiel beim DFB im Frankfurt zu einer Schulung", erzählt Ehlers. Doch auch wenn in der Stadt alle schon von Mönchengladbach reden, liege der Fokus aber auf dem Saisonstart am kommenden Wochenende. Dann geht es im Niedersachsenpokal zum VfV Hildesheim. Eine Woche später beginnt die neue Oberligasaison, kurioserweise auch beim VfV. "Ab dem 11. August konzentrieren wir uns ganz auf Mönchengladbach", sagt Ehlers.

Stadion ausverkauft

Er will damit sicherlich ein wenig ablenken. Denn natürlich stellt das DFB-Pokalspiel, das im Oldenburger Marschwegstadion ausgetragen wird, alles andere in den Schatten. Anfangs hatte die Verlegung des Spiels ins rund 37 Kilometer entfernte Oldenburg für einige Unruhe und Kritik gesorgt. Beide Vereine waren in der Vergangenheit nicht immer "ziemlich beste Freunde", aber jetzt sei die Stimmung in Delmenhorst bestens.

„Wir wollen Tradition, wir leben Tradition, mit Gladbach kriegen wir Tradition.“ (Atlas-Pressesprecher Timo Conrad)

"Die haben hier alle Bock. Wir wollen Tradition, wir leben Tradition, mit Gladbach kriegen wir Tradition", freut sich Timo Conrad, Pressechef des Klubs. Conrad ist Schalke-Fan, und als solcher betont er, dass Schalke und Mönchengladbach eine Fan-Freundschaft verbindet. Passt also alles für den Medienverantwortlichen.

Es ist der Charme und der Reiz des DFB-Pokals, dass Amateurvereine wie Delmenhorst, eine kreisfreie Stadt unweit von Bremen, für einen Tag bundesweite Aufmerksamkeit genießen. Der Hype um das Spiel ist groß; wie groß, belegen Zahlen: Innerhalb von zwei Stunden wurden 11.000 Tickets verkauft. Das Stadion ist mit rund 14.000 Zuschauern ausverkauft, die Hälfte davon kommen aus Mönchengladbach. Da es auch in Delmenhorst und Oldenburg viele Anhänger des fünfmaligen Deutschen Meisters gibt, dürften die Fans der Borussia weit in der Überzahl sein.

Normalerweise kommen zu einem Heimspiel von Atlas drei bis vier Journalisten, diesmal rechnet Conrad mit annähernd 40. "Und da sind die Mitarbeiter von Sky und Sportcast für die Liveübertragung noch nicht eingerechnet."

"Ich muss cool bleiben"

Atlas-Trainer Key Riebau hat schon mal ein DFB-Pokalspiel im Marschwegstadion erlebt. Im August 2018 war das, als Coach des Regionalligisten SSV Jeddeloh II gegen den damaligen Zweitligisten 1. FC Heidenheim (2:5). Die Begegnung gegen Gladbach und das gesamte Interesse hat aber eine andere Dimension. Riebau sieht den Pokalhit mit gemischten Gefühlen. "Ich träume nicht jede Nacht von Gladbach", bemerkt er.

Für die Spieler sei es aber ein einmaliges Erlebnis. Jeder habe den Traum, in einem solchen Spiel dabei zu sein. Riebau muss entscheiden: "Wen setze ich auf die Bank." Das Pokalerlebnis sei daher auch eine Belastung. "Es ist ein geiles Spiel, aber ich muss cool bleiben", erklärt der 35-Jährige, der sich jetzt erstmal voll und ganz auf den bevorstehenden Saisonstart konzentriert.  "Es ist ein haariger Auftakt", findet Riebau. Denn das Programm sieht zu Beginn vier Auswärtspartien vor: Zweimal in Hildesheim, dann Mönchengladbach in Oldenburg (auch nicht daheim) sowie das zweite Ligaspiel bei der U 23 in Braunschweig.

Der Aufstieg als Ziel

In die neue Oberligasaison geht Atlas Delmenhorst mit dem klaren Ziel "Aufstieg". Stephan Ehlers eiert gar nicht groß herum: "Wir sind zuletzt zweimal als Dritter eingelaufen. Das würde einem keiner im Umfeld, auch kein Sponsor, abnehmen, wenn man sagt, man möchte den Status Quo halten. Man möchte sich immer verbessern. Das wäre Platz zwei mindestens, das hieße Relegationsspiel. Ganz klar, wir wollen nicht wieder in die Röhre schauen wegen eines Punktes am Ende."

Eine ehrliche Aussage, die in Anbetracht der zurückliegenden Serie realistisch erscheint. Nach schwachen Saisonstart legte Atlas vergangene Saison eine fulminante Aufholjagd hin. Mit nur zwei Niederlagen aus 23 Spielen hätte es fast noch zum Aufstieg gereicht. Am Ende lag der Verein einen Punkt hinter dem Zweiten Schöningen und zwei Punkte hinter Meister HSC Hannover. Als kleine Entschädigung gab es den Pokalsieg gegen den BSV Rehden Ende Juni.

Aus den verpassten Chancen der beiden letzten Spielzeiten hat der Verein seine Schlüsse gezogen. Im Kader herrschte stets eine hohe Fluktuation. Zum Teil wurden am Ende der Saison über die Hälfte oder noch mehr Spieler ausgetauscht. "Das wollten wir tunlichst vermeiden", bemerkt Ehlers. Man habe darauf hingearbeitet, das Gros der Mannschaft zu erhalten. Der Kader umfasst 25 Spieler inklusive drei Torhüter. Sechs Neue kamen hinzu, die Mannschaft wurde nur punktuell verstärkt. "Unsere Prämisse war, alle Postionen doppelt zu besetzen", erklärt Ehlers. Im Grunde stehe der Kader fest. "Sollten wir noch was machen wollen, müsste das jemand sein, der deutlich das Niveau hebt."

Kommt Littbarski jr.?

Womöglich hat der Klub diesen Spieler schon gefunden. Im letzten Vorbereitungsspiel gegen Werder Bremen II (1:4) wusste Lucien Littbarski, Sohn von Weltmeister Pierre Littbarski, als Testspieler zu gefallen. Littbarski Junior wurde beim VfL Wolfsburg ausgebildet und spielte zuletzt für Viktoria Berlin in der Regionalliga Nordost. Aktuell ist der 22-Jährige vereinslos. "Wir müssen schauen, ob das etwas wird, mehr kann ich Stand jetzt noch nicht sagen", bittet Ehlers um Geduld.

Auch wenn die Niederlage gegen Werder II recht hoch ausfiel, war Riebau nicht unzufrieden. Einigen Spielern fehle nach der aufregenden letzten Saison und dem Landespokalsieg noch die nötige Konzentration. "Sie müssen erst wieder den Kopf freikriegen." Ansonsten zeigt er sich froh, dass jetzt Schluss sei mit den Testspielen.

Gegen Bremen wurde Atlas übrigens durch einen Vertreter von Borussia Mönchengladbach beobachtet. Auch gegen den VfV Hildesheim soll der Fünftligist unter die Lupe genommen werden. Der Bundesligist nimmt die Begegnung ernst. "Etwas anderes kann man sich heute gar nicht mehr erlauben", meine Roland Virkus, Geschäftsführer Sport, gegenüber dem kicker.