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Ein Knall ohne Ansage: Wilhelmshaven begründet das Jahdadic-Aus - und verliert auch Schmidt

kicker

Von einem beschaulichen Jahreswechsel und einem ruhigen Trainingsauftakt kann beim SV Wilhelmshaven nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Es geht recht turbulent zu bei den Jadestädtern. Erst trennt sich der Verein völlig überraschend von Trainer David Jahdadic, um unmittelbar mit Ex-Profi Frank Löning dessen Nachfolger zu präsentieren. Wenige Tage später legt Sportchef Florian Schmidt, Schwager von Jahdadic, sein Amt als Sportchef aus privaten Gründen nieder", wie er dem kicker gegenüber in einem Telefonat mitteilt.

"Der Verein liegt mir unheimlich am Herzen. Aber aus persönlichen Gründen möchte ich meine Arbeit vorerst ruhen lassen." Die Verpflichtung von Löning ist Schmidts letzte Amtshandlung gewesen. "Es war mir wichtig, einen guten Nachfolger zu finden." Er wünsche sich, dass die erfolgreiche Arbeit so weitergehe wie bisher. Schmidts Aufgaben wird bis auf Weiteres Sportdirektor Lars Klümper übernehmen. Klümper ist ein Urgestein des Vereins und mit allen Abläufen bestens vertraut.

Trainerwechsel hatte sich nicht angedeutet

Die Ereignisse beim SV Wilhelmshaven scheinen wie eine Laune des Fußballs. Denn sportlich hat nichts auf einen Trainerwechsel in der Winterpause hingedeutet. Schließlich hat der Tabellenfünfte der Oberliga Niedersachsen beste Aussichten auf den Aufstieg und damit nach rund zwanzig Jahren auf die Rückkehr in die Regionalliga.

Zur Winterpause rangiert der SVW auf Rang 5 mit drei Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter Germania Egestorf-Langreder. Allerdings hat Wilhelmshaven bei zwei Partien weniger als die Konkurrenz eine günstige Ausgangslage und kann aus eigener Kraft bei erfolgreichen Nachholspielen den Sprung auf Platz 1 schaffen.

„Wer in dieser Liga nur ein einziges Mal verliert, der muss sehr viele Sachen richtig gemacht haben. Sportlich ging es fast nicht besser“ (Florian Schmidt)

Die Arbeit von Jahdadic wird daher von keiner Seite des Vereins in Misskredit gezogen. "Das Trainerteam und die Mannschaft haben einen überragenden Job gemacht. Wer in dieser Liga nur ein einziges Mal verliert, der muss sehr viele Sachen richtig gemacht haben. Sportlich ging es fast nicht besser", zieht Schmidt eine überaus positive Bilanz der Hinrunde.

Fehlende Loyalität? Die Gründe für das Jahdadic-Aus

Umso größer sei die Tragödie, dass man es nicht geschafft habe, sich vernünftig hinzusetzen und miteinander zu sprechen. Aber was ist passiert? Warum ist die Zusammenarbeit zwischen Jahdadic und dem Verein, die erst im Sommer begonnen hatte, unrühmlich zu Ende gegangen? Schmidt mit einem Erklärungsversuch: "Es gab Vereinbarungen zwischen dem Präsidenten und dem Trainer für die laufende Spielzeit." Diese seien auch jederzeit eingehalten worden.

Zum Ende des Jahres habe es dann Gespräche über die weitere Zukunft über den Sommer hinaus gegeben. Ohne eine Einigung. Präsident Hans Herrnberger hätte noch mal versucht, vernünftig mit Jahdadic, der über Weihnachten in seiner slowenischen Heimat weilte, zu reden und ihm eine Deadline bis Ende des Jahres gewährt. "Diese hat er leider auslaufen lassen", beleuchtet Schmidt. "Und dann wurden wir am 3. Januar darüber informiert, dass wir einen neuen Trainer suchen sollen."

„Wenn man es nicht schafft, in drei Wochen mit dem Präsidenten zu reden, ist das nicht respektvoll und loyal.“ (Hans Herrnberger)

Herrnberger, der Jahdadic einen guten Job bescheinigt, bedauert die ganze Geschichte sehr - und dass es zu diesem Dilemma kommen musste. "Es gab atmosphärische Störungen und die sind von ihm verursacht worden", erklärt der Präsident, der mit einer kurzen Unterbrechung seit 1983 der ehrenamtliche Vorsitzende des SV Wilhelmshaven ist. "Wenn man es nicht schafft, in drei Wochen mit dem Präsidenten zu reden, ist das nicht respektvoll und loyal."

Enttäuschter Jahdadic mit Gegenvorwürfen

Jahdadic sieht die Sachlage indes differenzierter. Er ist ebenso verwundert wie enttäuscht über die Trennung und die Vorgehensweise. "Der Verein hat sich nicht an seine Worte und Zusagen gehalten", erhebt der Ex-Trainer einen Vorwurf.

Unter dem Strich bleibt ein unrühmliches Ende einer an sich bis dato erfolgreichen Zeit. Ob es in der Zukunft noch mal zu klärenden Gesprächen zwischen Herrnberger und Jahdadic kommen wird, scheint offen. Der Vereinschef zeigt sich froh und überzeugt davon, mit Löning einen Nachfolger gefunden zu haben, der die Mannschaft im Mai in die Regionalliga führt. Das klar definierte Ziel. "Löning ist ein kompetenter, erfahrener Trainer, der sogar über Drittligaerfahrung verfügt." 3. Liga - für Herrnberger langfristig kein Luftschloss. "Im Fußball ist alles möglich", schiebt der Klubboss phrasenhaft mit einem Augenzwinkern hinterher.

Drei Neuzugänge

Sportlich hat der Aufstiegsanwärter in der Winterpause aufgerüstet. Der neue Trainer kann in der Rückrunde auf drei neue Spieler bauen. Max Wichmann, ein junger Mittelstürmer, kommt vom WSC Frisia. Mittelfeldspieler Jordy Biakala wechselt von Hanss Friesoythe an den Jadebusen. Besonders viel verspricht man sich von Stephan Brehmer. Der 33-jährige Linksverteidiger kommt vom BFC Preussen aus der Regionalliga Nordost.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass noch ein, zwei weitere Verstärkungen kommen werden. Die nächsten Wochen bleiben lebhaft. Bis es im Februar wieder mit dem Spielbetrieb losgeht, wollen die Verantwortlichen in Wilhelmshaven die turbulenten Zeiten hinter sich gelassen haben.