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Ein "Verräter" kehrt heim: Aktürkoglus doppelt brisanter Wechsel

kicker

Lange Zeit schien die Karriere von Kerem Aktürkoglu nicht wirklich Fahrt aufnehmen zu wollen, so verdingte er sich lange unterklassig. Erst sein Wechsel zu Galatasaray im Jahr 2020 spülte in ganz nach oben. In vier Jahren kam er auf 138 Spiele, 39 Tore und 33 Vorlagen und feierte 2022/23 die Meisterschaft.

Aktürkoglu war jedoch Hoffnungsträger und Sündenbock zugleich. Zum Ende seiner Zeit bei Galatasaray blätterte der Lack ein wenig ab - so sahen es jedenfalls viele Fans und Experten. Letztlich kam es zur Trennung, und Benfica sicherte sich die Dienste des Offensivspielers für zwölf Millionen Euro.

Auch wenn er bei Galatasaray gesetzt war, so wurde er von heißblütigen Fans auch nach seinem Abgang noch sehr geschätzt, ja weiterhin geliebt. Nicht nur aus nostalgischen Gründen wegen seiner Dribblings, Tempoläufe und Mannschaftsdienlichkeit, mit denen er in seiner Zeit verzaubert hatte. Er bekannte sich auch immer wieder öffentlich und lautstark als Fan von Galatasaray - und diese Verbundenheit kam gut an.

Weil Aktürkoglu privat eine Brille trägt, die eine gewisse Ähnlichkeit zur weltberühmten Roman- und Filmfigur Harry Potter interpretieren lässt, bekam er auch den Spitzenamen "Kerem Potter" verpasst. Seine Tore bejubelt er dann auch oftmals in Anspielung an den berühmten Zauberschüler mit dem imaginären Schwung eines Zauberstabs.

Kein Signature Move gegen Fenerbahce

Seinen Signature Move zeigte er Ende August aber nicht, als er in den Play-offs zur Champions League den schlussendlich ausschlaggebenden 1:0-Siegtreffer für Benfica gegen Fenerbahce Istanbul erzielte. Wer den verhaltenen Jubel des Mittelfeldspielers sah, der ahnte wohl schon, dass da mehr dahintersteckt. Immerhin hatte es sich Aktürkoglu in Vergangenheit, als er noch für Galatasaray spielte, nie nehmen lassen, Treffer gegen den Erzrivalen ausgiebig, ja teils auch triumphal-provokant zu bejubeln. Warum der Verzicht?

Aktürkoglu kostet Fener mehr als nur die Ablöse

Die Antwort darauf gab es am Montag. Seitdem weiß die Welt, dass Aktürkoglu für vier Jahre bei Fenerbahce unterschrieben hat. Die Kanarienvögel zahlen dem Vernehmen nach 22 Millionen Euro an Benfica, um den Nationalspieler (44 Länderspiele, 12 Tore) loszueisen. Der kostete die Türken sogar mehr, immerhin war sein Tor in Lissabon daran schuld, dass Fener die Champions League verpasste, weshalb dem Klub circa 30 Millionen an Preisgeldern durch die Lappen gingen.

"Ich habe für jeden Verein, bei dem ich unter Vertrag stand, bis zum letzten Moment 100 Prozent gegeben", sagte Aktürkoglu nach seiner Verpflichtung und verriet, dass er Fenerbahce auch darüber informiert hatte, dass er für Benfica spielen würde, da zu dem damaligen Zeitpunkt der Transfer noch nicht fix war. Der 26-Jährige gab auch zu, dass er sich schon Gedanken gemacht hatte, ob sich Dinge ändern würden. Fener-Präsident Ali Koc habe ihn jedoch angerufen und ihm gesagt, dass er getan habe, was er tun musste.

Nebengeräusche vorprogrammiert

Dass sein Wechsel zu Fener nicht ohne Nebengeräusche ablaufen würde, war klar. In sozialen Medien bekam Aktürkoglu bereits das Etikett "Verräter" verpasst, wenig hilfreich war auch die Tatsache, dass er selbst Fotos und Posts, die in Verbindung mit Galatasaray standen, löschte. Sein Ex-Klub tat übrigens das Gleiche und löschte beispielsweise Aktürkoglus Abschiedsvideo, das bei dessen Wechsel nach Lissabon gepostet worden war.

Bei Fener macht man sich darüber keine Gedanken, dort wünscht man sich, dass die eigenen Fans den einstigen "Erzfeind" akzeptieren. "Ich hoffe, dass er auch bei den Fans beliebt sein wird", sagte Hakan Safi (Mitglied der Geschäftsführung) und blickte schon mal hoffnungsfroh in die Zukunft: "Wir werden hier viele schöne Tage erleben. Alle Tribünen werden 'Kerem, Kerem' rufen, und wir werden uns darüber sehr freuen."

Neben Aktürkoglu kamen mit Marco Asensio und Ederson weitere namhafte Spieler zu Fener, das seit 2013/14 auf einen Meistertitel wartet.