Fehlercode: %{errorCode}

Emotionalität gefragt: Kommen Andrich und Groß?

kicker

Aus Köln berichten Matthias Dersch und Oliver Hartmann

Unmittelbar nach der - O-Ton Rudi Völler - "leblosen" Darbietung der Nationalmannschaft in der Slowakei hatte sich Julian Nagelsmann "ein paar Stunden" Bedenkzeit erbeten, als er nach den Konsequenzen des 0:2-Debakels gefragt wurde. Der Bundestrainer erhielt sogar knapp zwei Tage zum Nachdenken, ehe er sich am Samstag in Köln zur Abschluss-Pressekonferenz vor dem schon richtungsweisenden WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland wieder der Öffentlichkeit stellen musste. "Personell wird ein bisschen was passieren, aber es wird keine komplett veränderte Mannschaft geben", kündigte er an. Er werde Spieler nominieren, "die zur Situation passen".

Angst um den Job? "Besorgt zu sein, ist nie gut!"

Im Kölner Stadion, wo am Samstag erst 40.000 der 45.000 Plätze gebucht waren, käme alles andere als ein Sieg einem erneuten Desaster gleich, das die direkte WM-Qualifikation als Gruppensieger in weite Ferne rücken und stattdessen die Debatten um Nagelsmann in den Vordergrund stellen würde. "Besorgt zu sein, ist nie gut", entgegnete er auf die Frage eines nordirischen Journalisten, ob er bei einem weiteren Misserfolg um seinen Job fürchten müsse: "Das Team ist wichtig, nicht ich. Ich bin überzeugt, wir spielen besser als am Donnerstag."

Das ist auch bitter nötig, ebenso nach drei Niederlagen in Serie und nur einem Sieg aus den jüngsten sechs Länderspielen endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis. "Ein Heimsieg ist sehr wichtig für uns, für die Fans und für die WM-Qualifikation", sprach Nagelsmann aus, worum es am Sonntag (20.45 Uhr) geht. Der Bundestrainer war aber auch am Samstag weit davon entfernt, sein befremdliches Taktik-Experiment und seine zumindest diskutablen Personalentscheidungen als eine Ursache für den konzeptlosen Auftritt in Bratislava mitverantwortlich zu machen. Die nicht nur medial, sondern zum Beispiel auch von Lothar Matthäus geäußerte Kritik an seiner Herangehensweise und seinem In-Game-Coaching ließ er mit den Worten abperlen: "Ich habe nichts gelesen. Ich weiß ja, wie das funktioniert."

"Das war wie Ballbesitzspiel ohne Tore"

Schon gar nicht werde er sich von seiner grundsätzlichen Strategie verabschieden: "Ich werde meinen Stil nicht ändern." Vielmehr beharrte er auf dem Standpunkt, man habe in Bratislava in der Grundausrichtung "vieles identisch gemacht wie in den letzten eineinhalb Jahren". Hauptursachen für die armselige Vorstellung seien "zu wenig energetische Kommunikation" untereinander und "viel zu wenig Aggressivität im Spiel nach vorn" gewesen, so Nagelsmanns Rückblick: "Das war wie Ballbesitzspiel ohne Tor."

Die Nacht nach der Pleite und der Samstag standen im Zeichen der Aufarbeitung. Er habe "einige Gespräche mit einzelnen Spielern und mit der Mannschaft geführt", verriet Nagelsmann, ohne Einzelheiten zu nennen, zudem hätten die Profis "Dinge untereinander geklärt, was wichtig war". Energie und Leidenschaft, in Bratislava schmerzlich vermisst, seien dabei zentrale Themen gewesen, berichtete Torhüter Oliver Baumann: "Es geht darum, die Basics wieder in den Fokus zu rücken."

Kommen Andrich und Groß? Füllkrug abgereist

Klar ist, dass Nagelsmann in Köln auch durch seine personellen Umstellungen jene Emotionalität auf den Platz bringen will, an der es am Donnerstag von der ersten Minute bis zum Ende der Nachspielzeit gefehlt hat. Robert Andrich winkt gemäß dieser Diktion ein Comeback im Mittelfeld, auch Pascal Groß entspricht dem geforderten Profil. Dagegen müssen Serge Gnabry und Leon Goretzka die Versetzung auf die Bank befürchten, ebenso Nnamdi Collins nach seinem missglückten Debüt. Da Nagelsmann keinen weiteren gelernten Rechtsverteidiger im Kader hat, wird er da improvisieren müssen. Nicht mehr dabei ist wegen einer Wadenverletzung Mittelstürmer Niclas Füllkrug, der bereits das DFB-Quartier verlassen hat.

Für das Duell gegen die gegen Luxemburg siegreich in die WM-Qualifikation gestarteten Nordiren habe er "eine Idee entwickelt", sagte Nagelsmann, ohne diese ausführen zu wollen. Um gegen die körperbetont und meist mit langen Bällen operierenden Gäste bestehen zu können, bedarf es jedenfalls einer anderen Körpersprache und eines anderen Abwehrverhaltens als am Donnerstag. Abwehrchef Antonio Rüdiger indes stellt der Bundestrainer nach der ganz schwachen Vorstellung in der Slowakei nicht in Frage, sondern bestätigte ihn mit den Worten, er habe die Führungsspieler, die keinen guten Tag hatten, "bestärkt in ihrem Führungsanspruch".

Eineinhalb Stunden vor Nagelsmann hatte Nordirlands Coach Trainer Michael O'Neill im Pressesaal des Stadions Platz genommen und betont, die deutsche Mannschaft sei auch nach dem Fehlstart eine "Supermacht im Weltfußball" und entsprechend der hohe Favorit: "Wenn man sich das Team anschaut und die Vereine für die sie spielen, dann ist das schon ein anderes Niveau. " Und doch wähnte er sein junges Team in der Lage, der deutschen Mannschaft ein Bein zu stellen: "Es ist nicht unmöglich. Wir sind eine kleine Nation, aber die Geschichte lehrt uns, dass es möglich ist", sagte er auch mit Blick auf den letzten Sieg Nordirlands über Deutschland 1983 in Hamburg (1:0). Die letzten neun Duelle gewann allerdings stets die DFB-Auswahl.