Der Matchwinner war sprachlos nach diesen verrückten 90 plus neun Minuten in Verl. Conor Noß schenkte seinem MSV mit seinem Treffer in der zweiten Minute der Nachspielzeit einen irren Comeback-Sieg, innerhalb von zehn Zeigerumdrehungen hatte Duisburg einen 0:2-Rückstand in den vierten Saisonsieg im vierten Spiel gedreht.
"Wirklich unglaublich", versuchte Noß im Anschluss an die ersten Feierlichkeiten vor dem prall gefüllten und elektrisierten Gästeblock das Geschehene bei MagentaSport zusammenzufassen. "Dass wir das noch herumgerissen haben: Wahnsinn, mir fehlen die Worte …"
Sehr deutliche Worte hatte dagegen MSV-Coach Dietmar Hirsch gefunden - schon in der Halbzeitpause. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Gäste mit 0:1 hinten, hatten quasi keine Torchance auf dem Zettel und zwischenzeitlich gerade mal 27 Prozent Ballbesitz. Oder in den Worten von Hirsch: "Wir waren einfach richtig scheiße."
Duisburg in der ersten Hälfte: "Das haben die Fans nicht verdient"
Mit dieser knappen Analyse mussten sich die Spieler auch in der Halbzeitpause auseinandersetzen, verriet der 53-Jährige. "Das war nicht der MSV Duisburg. Das haben die Fans nicht verdient - aber in erster Linie haben wir das selber nicht verdient." Daher gingen die Spieler laut Hirsch mit einer klaren Devise aus der Kabine: "Egal wie das Spiel hier ausgeht, wir wollten ein anderes Gesicht zeigen."
Das gelang. Der Cheftrainer sah "zwei komplett unterschiedliche Hälften", ein Dreifachwechsel zur Pause brachte etwas mehr Schwung, die Zebras agierten aktiver. Und lagen nach einem Fehler von Keeper Maximilian Braune plötzlich 0:2 hinten. "Dass wir dann zurückkommen, zeigt den Charakter der Mannschaft", lobte Hirsch.
Die Joker stechen - mal wieder
Das Comeback fußte in erster Linie auf den Jokern. Zunächst verkürzte in der Schlussphase Jan-Simon Symalla, dann besorgte Thilo Töpken den Ausgleich, bevor Noß zum Helden wurde. Alle drei Spieler brachte Hirsch erst im Laufe des Spiels von der Bank. Sieben der insgesamt elf Duisburg-Tore in dieser Drittliga-Saison haben nun Joker erzielt.
Hirsch habe sich nach der Partie daher "erst mal bedankt" bei Noß und Co.: "Danke sagen, dass man sein eigenes Ego hinten anstellt und für die Truppe da ist. Das macht uns aus und deswegen funktionieren die Einwechslungen auch - weil jeder für den anderen da ist." Noß zum Beispiel kam in allen vier Saisonspielen nur von der Bank, wurde jeweils in der 86., der 80., der 82. und in Verl in der 72. Minute eingewechselt - und war in der Nachspielzeit zur Stelle.
Auch dank Noß geht Duisburg als Tabellenführer in die erste Länderspielpause der Saison, hat zudem mit vier Siegen zum Saisonstart einen Aufsteiger-Rekord in der 3. Liga aufgestellt. Jetzt wolle Hirsch "erst mal feiern - was danach kommt, ist egal". Und wenn die Kiste Bier der Spieler nicht leer werden sollte - Noß weiß: "Morgen ist wieder Spielersatztraining" -, helfen Hirsch und das Trainerteam aus: "Was übrig bleibt, hauen wir weg. Wenn wir was zu feiern haben, dann feiern wir auch."
Noch mehr Gründe zum Feiern soll es dann nach der Länderspielpause geben, wenn es in der Liga gegen Wiesbaden, in Schweinfurt und in Havelse weitergeht. Aber, schränkt Hirsch ein: Auch wenn Comebacks wie am Samstag in Verl in seiner Truppe stecken, "das kannst du nicht jede Woche machen".