Am 7. Spieltag gegen Schweinfurt passierte es in der 83. Minute: Calogero Rizzuto bekam für ein rüdes Foul die Rote Karte. Eine Woche später musste der 1. FC Saarbrücken auswärts gegen den SV Wehen Wiesbaden dann schon ab der 43. Minute aufgrund einer Tätlichkeit von Elijah Krahn zu zehnt weiterspielen. Trainer Alois Schwartz ärgerte sich auf der Pressekonferenz vor dem Spitzenspiel gegen Duisburg über diese Platzverweise, seine Kritik bezog sich dabei aber vor allem auf das eigene Fehlverhalten.
„Die zwei Roten Karten waren beide überflüssig. Da müssen wir den Finger in die Wunde legen.“ (Alois Schwartz)
"Wir stellen uns ab und zu selbst ein Bein. Die zwei Roten Karten waren beide überflüssig. Da müssen wir den Finger in die Wunde legen. Das darf uns eigentlich nicht passieren." Schwartz sprach mit keinem Wort von Fehlentscheidungen der Schiedsrichter, er merkte aber an, dass es allgemein viele Rote Karten in der Liga gebe: "Gefühlt gibt es insgesamt in der 3. Liga eine sehr große Kartenflut. Es wird relativ schnell gezogen. Dass uns das zweimal so getroffen hat, ist schon bitter. Wobei wir auch selbst schuld sind."
Die Statistiken untermauern das Gefühl von Schwartz
Aber was ist dran am Gefühl des Trainers? Werden in dieser Spielzeit tatsächlich schneller die Karten gezückt als in der Vergangenheit? Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Mit 433 Gelben Karten nach 8 Spieltagen wurde ein neuer Rekord in der 3. Liga aufgestellt. Zuvor waren 405 Gelbe Karten in der Saison 2023/24 der Höchstwert. Aber auch die Rote Karte wird überdurchschnittlich häufig aus der Gesäßtasche gezogen: Es gab bereits 28 Platzverweise; in der Vorsaison waren es zu diesem Zeitpunkt lediglich 15. Der Rekord von 30 aus der Saison 2015/16 wurde nur knapp unterboten.
Platzverweise treffen aktuell also nicht nur die Saarbrücker relativ häufig - sie sind für viele Mannschaften in der 3. Liga ein Problem. Entscheidender als die Rote Karte ist am Ende aber ohnehin der Umgang der Mannschaft mit der Unterzahl. Der FCS hat es sowohl gegen Schweinfurt als auch gegen Wiesbaden geschafft, Punkte einzufahren. Gegen Schweinfurt wurde ein knapper Vorsprung über die Zeit gerettet und gegen den SVWW nach 0:1-Rückstand noch ein Remis rausgeholt.
Schwartz gefällt die Einstellung seiner Mannschaft
Auf die starke Moral seiner Mannschaft ist Schwartz stolz: "Wie sie sich in der Kabine zusammengesetzt hat und gesagt hat: Wir wollen das drehen. Wenn man die zweite Halbzeit in Wiesbaden sieht, kann man richtig stolz sein auf die Truppe." Die Einstellung einer Mannschaft sei teilweise wichtiger als die Aufstellung: "Das ist für uns entscheidend, dass wir mit dieser Einstellung reingehen, um den nächsten Step zu machen."
Am Dienstagabend im Topspiel gegen den Tabellenführer aus Duisburg (19 Uhr, LIVE! bei kicker) wird der FCS-Coach trotzdem hoffen, dass sein Team endlich mal wieder ein Spiel mit elf Mann auf dem Platz beendet. Zumal der Gegner aus dem Ruhrgebiet sich laut Schwartz ebenfalls durch eine mannschaftliche Geschlossenheit auszeichne: "Die Stärke ist ganz klar, dass sie eine Mannschaft sind. Man sieht das immer wieder. Man sieht, dass die Mannschaft zusammensteht, gewachsen ist und sich nicht durch Kleinigkeiten aus der Ruhe bringen lässt."
Fragezeichen beim erkrankten Brünker
Gegen die Zebras können dann Rizzuto und Krahn aufgrund ihrer Rotsperren nicht eingreifen. Außerdem fehlen den Saarbrückern weiterhin die Langzeitverletzten Patrick Sontheimer, Sebastian Vasiliadis und Amines Naifi. Auch Niko Bretschneider ist aufgrund seiner Gehirnerschütterung, die er sich bei einem Autounfall zugezogen hat, noch nicht wieder einsatzbereit. Es gehe ihm und seiner Familie aber gut, sagte Schwartz. Außerdem wird Philip Fahrner erkrankt ausfallen und bei Kai Brünker, der ebenfalls krank war, konnte Schwartz noch keine endgültige Auskunft geben: "Wir müssen gucken, wie er das erste Bewegen weggesteckt hat, um dann zu sagen, ob er in den Kader kommt."