Die Fans von Eintracht Frankfurt sind für ihre Reisefreudigkeit bekannt. Unvergessen das Rückspiel des Europa-League-Viertelfinals 2022 beim FC Barcelona, als rund 25.000 Fans der Hessen den Weg ins Camp Nou fanden und dabei einigen Einfallsreichtum bewiesen.
Genauso wie die katalanische Metropole wäre auch Neapel wegen der süditalienischen Stadt und des namhaften Gegners ein äußerst attraktives Reiseziel gewesen, doch eine politische Entscheidung macht den Frankfurtern nun einen Strich durch die Rechnung.
Denn für das gesamte Stadion wurde ein Verkaufsverbot von Eintrittskarten an Personen mit Wohnsitz in Frankfurt verhängt, wie Neapels Präfekt Michele di Bari am Dienstag erklärte. Diese Maßnahme für die Partie am 4. November (18.45 Uhr, LIVE! bei kicker) sei auf Empfehlung der Polizei von Neapel getroffen worden. Man habe erhebliche Sicherheitsbedenken bei einem möglichen Aufeinandertreffen beider Fangruppen, hieß es weiter.
Schlimme Erinnerungen an den März 2023
Die Entscheidung hat eine Vorgeschichte: Im Rahmen des CL-Achtelfinals im März 2023 trafen die Teams schon einmal aufeinander, bereits beim 2:0-Erfolg im Hinspiel in Frankfurt war es zu Auseinandersetzungen beider Fanlager gekommen.
Neapel reagierte für das Rückspiel (3:0) mit der Maßnahme, Eintrittskarten an Menschen mit Wohnsitz in Deutschland nicht zu verkaufen. Die Eintracht protestierte und beantragte eine einstweilige Verfügung. Diese hatte immerhin zur Folge, dass - wie jetzt auch - nur noch Menschen mit Wohnsitz Frankfurt ausgeschlossen wurden.
Letztlich reisten dennoch mehrere hundert Frankfurt-Fans zum Rückspiel, das mit 0:3 verloren ging und damit das Ausscheiden zur Folge hatte. In der Stadt kam es zu schweren Krawallen zwischen den Fan-Gruppierungen, mehrere Menschen wurden verhaftet. Wie auf Videos zu sehen war, wurden Polizisten von vermummten Ultras und Hooligans mit Tischen und Stühlen beworfen. Mindestens ein Polizeiauto wurde in Brand gesteckt. Medienberichten zufolge attackierten die Anhänger die Einsatzkräfte an zentralen Stellen in der Stadt.
"Gängige Praxis" in Italien
"Erfolgschancen, Sinn und Zweck etwaiger Rechtsmittel gegen den Erlass werden sorgsam geprüft", teilte die Eintracht inzwischen via Statement auf den eigenen Kanälen mit. Der Verein monierte in der Mitteilung auch, erst zeitgleich mit der Öffentlichkeit von dieser Maßnahme in Kenntnis gesetzt worden zu sein, die Beweggründe für die Entscheidung seien im Anschluss aber "ausführlich dargelegt und kontrovers diskutiert" worden.
Zwar teile der Bundesligist die Ansicht, dass es sich um ein "außergewöhnliches Hochrisikospiel gehandelt hätte", so die Worte von Vorstandsmitglied Philipp Reschke. "Aber Fanausschlüsse sind und bleiben die falsche Antwort darauf." Im italienischen Fußball sei die Strategie, Fans des Gegners auszuschließen, "mittlerweile zur gängigen Praxis geworden".