Die kurze Blütezeit des Babelsberger Fußballs scheint lange her zu sein. Rico Gladrow mit fabelhaften Freistoßtoren, Tahsin Cakmak mit Zauberpässen und direkt verwandelter Ecke oder Daniel Frahn mit dem "Tor des Monats" in der ARD ließen mit spektakulären Einlagen vor nicht einmal zwei Jahren in der Regionalliga aufhorchen. Mit Rang 5 kamen Erinnerungen an Liga drei bis 2013 hoch. Der Traum zerplatzte schnell.
In neueren Zeiten, in denen es Mannschaften mit dem Personaltausch nicht schnell genug gehen kann, gerieten die Babelsberger in eine Spirale, in der es in der vergangenen Saison fast zum Abstieg gekommen wäre. Nur die 16 Treffer von Tore-Dauermacher Frahn (drittbester Wert der Staffel) retteten die Truppe. Besonders bedenklich: Nach dem Austausch von 15 Spielern schaffen es die Filmstädter nicht, auch nur einen einzigen Neuzugang in der Stammelf zu platzieren. Kein Wunder, dass jetzt zum Saisonbeginn beim 1:4 gegen Jena erneut schlimmste Gedanken aufkamen. "Wir mussten aufpassen, dass wir nicht noch mehr Gegentreffer einfingen", resümierte Babelsbergs Coach Ronny Ermel.
Nach der Pause präsentierte sich der Gastgeber mit einer Nicht-Leistung gegen abgezockte Gäste, die für Ermel als Geheimfavorit über die Saison gelten. Ermels Fazit: "Wir haben viel Lehrgeld gezahlt. Unser Leistungsvermögen liegt erst bei 70 bis 80 Prozent. Es wird zwei bis drei Wochen dauern, bis die Stellschrauben greifen." Spannend, ob es am Sonntag in Meuselwitz schon etwas besser läuft.
Wegener fällt länger aus
Bei der Verjüngung sind die Rand-Berliner bis ans Äußerste gegangen. Rückschläge müssten da eigentlich eingeplant sein. Dennoch untermauert der Coach die Aussage der Vereinsführung. Angestrebt wird ein einstelliger Tabellenrang. 25 Aktive umfasst der Kader. Vor zwei Jahren war die Mannschaft mit 29 Jahren im Durchschnitt die älteste in der Regionalliga; jetzt bildet sie mit 23,5 Jahren eine der jüngsten. Allerdings waren beim SVB zum Saisonstart erfahrene Kräfte ausgefallen wie Philipp Zeiger (Prellung am Schambein), Leon Bürger (Kniebeschwerden) und Luca Schulz (Rückenprobleme). Jüngster Rückschlag in der Partie gegen Jena: Paul Wegener, Torschütze gegen die Zeiss-Städter, erlitt eine Schultereckgelenksprengung. Der längere Ausfall des Mittelfeldakteurs trifft die Babelsberger hart.
Spannende Fragen stehen an: Wo marschiert künftig Maurice Covic auf? Der kleinste und technisch stärkste Babelsberger war gegen Jena als letzter Mann aufgelaufen. Wird der bisherige Spielmacher der künftige Sechser? Für die Klassenzugehörigkeit könnte entscheidend werden, wer die Tore schießt. Einer von drei verschiedenartigen Neuen soll in Frahns Fußstapfen treten und in die Rolle als neue Lebensversicherung hineinwachsen. Alexander Georgiadi kommt als typischer Wandspieler wuchtig und technisch ausbaufähig daher. Der für ihn im zweiten Abschnitt eingewechselte Luis Müller, schnell, robust, deutete mit einigen Aktionen seine Fähigkeiten an. Er ist aus den USA zurück. Sein Trainer zuvor bei der U 19 in Cottbus hieß bereits Ronny Ermel. Als Dritter im Bunde zeigt sich Linus Queißer. Der aus Braunschweig geholte Stürmer ist schnell, quirlig und besitzt einen guten Abschluss. Der bisherige Goalgetter Frahn (38) hat die Stiefel ausgezogen und fungiert nun als Co-Coach bei den Nulldreiern.