Drei Stimmungsmacher hatten sie unten vor der Südkurve platziert. Eine Trommlerin und zwei Vorsänger. Die Trommlerin pushte die Massen am eindrucksvollsten. Wenn sie zur Abwechslung auch mal vorgab, was gesungen werden sollte, brauchte sie dafür kein Megafon, so laut war ihre Stimme. Da standen die beiden Männer brav daneben und staunten. Es war eben der Tag der Frauen.
57.762 Zuschauer haben am Samstag für einen Rekord im deutschen Frauenfußball gesorgt und einen mühsam erkämpften 2:0-Erfolg des Titelverteidigers FC Bayern gegen den tapferen Rivalen aus Leverkusen gesehen. Lange dauerte es, bis Vanessa Gilles und Klara Bühl für die Tore sorgten, über 75 Minuten. In der ersten Halbzeit sah es sogar nach einer Überraschung aus, denn da machte Bayer 04 in der Arena das Spiel, weil es nach Balleroberungen mutig umschaltete und zügig in die Spitze spielte.
Bühl ist bei beiden Toren involviert
Die Bayern kamen nur schwer rein, was mit Blick auf die Aufstellung nicht ganz verwunderlich war. Verletzungs- oder fitnessbedingt fehlten mit Giulia Gwinn, Glodis Vigosdottir, Pernille Harder, Lena Oberdorf und Bühl fünf Top-Spielerinnen. Der Offensive fiel wenig ein, Jovana Damnjanovic war auf der linken Seite keine ideale Besetzung.
Die kam dann nach der Pause - mit Bühl, die das erste Tor mit einer präzisen Ecke vorbereitete und das zweite selbst erzielte. Der nun zielstrebige Titelverteidiger verdiente sich seine Treffer und den Auftaktsieg. Gefeiert worden wäre er von seinen Fans auch nach einem 0:0, so aber wurde aus einem tollen Arena-Abend aus Münchner Sicht ein perfekter.
Selbst die Verliererinnen schwärmen
"Es war sehr, sehr schön", schwärmte selbst Nationalspielerin Carlotta Wamser von der Atmosphäre, obwohl sie mit Bayer 04 gerade verloren hatte, "wir haben uns sehr gefreut und finden es cool, dass der Schwung von der EM so mitgenommen wird."
Bianca Rech, die Direktorin für Frauenfußball beim FCB, sah erleichtert aus, als der Stress des Spiels und der Veranstaltung in der Stunde nach dem Abpfiff erstmals von ihr abfiel. Sie erzählte noch mal von den sechs Monaten, die der Verein auf dieses Match in diesem Stadion hingearbeitet habe. 25.000 Fans müssen kommen, "damit sich das für uns wirtschaftlich lohnt und wir hier nicht noch drauflegen", verriet sie. Bei Champions-League-Partien mit oft nur vier Wochen Vorlauf sei das schwierig zu stemmen, auch wenn sie betonte: "Wir würden natürlich gerne wiederkommen."
Das Dilemma mit dem Stadion
Die Arena ist für Heimspiele wie das nächste gegen Jena in zwei Wochen zu groß, der Campus mit seinen 2500 Plätzen zu klein - mit diesem Dilemma müssen die Münchnerinnen erst mal leben. Ein Stadion mit 10.000 Plätzen wäre vermutlich ideal. "Wäre schön, würde ich mir wünschen", meinte Rech und scherzte: "Vielleicht kann man das irgendwo noch bauen in der Stadt München …"
An diesem Wochenende aber überwiegt die Freude über ein herausragendes Erlebnis und die Schönheit des Frauenfußballs. Den Spielerinnen hat es gefallen, den Bossen, vor allem den Fans. Wenn die Frauen spielen, hörst du auf der Tribüne kein Maulen, keine Beschimpfungen gegen den Schiri, keine Pfiffe. Nur einmal kurz war die Südkurve unfreundlich. Da ging es aber um den Stadtrivalen von 1860.