Ein Weltmeister also soll es richten. Am Donnerstag wurde Gennaro Gattuso in der Hauptstadt Rom offiziell als neuer italienischer Nationaltrainer vorgestellt. Und einer der Helden von 2006 will offenbar keine Zeit verlieren, um in Italien endlich den Bock umzustoßen.
Eine erste tiefgreifende Veränderung brachte Gattuso bereits mit. "Jeder, der ins Trainingszentrum nach Coverciano kommt, muss bleiben, auch wenn er eine kleinere Verletzung hat. Das war das erste, was ich den Präsidenten und Buffon gefragt habe", berichtete der 47-Jährige.
Darin "versteckt" war die Kernbotschaft Gattusos. "Das Wichtigste ist, Zeit miteinander zu verbringen und eine Familie zu formen", so der einstige Mittelfeld-Terrier: "Ich hoffe, ich kann schaffen, was Marcello Lippi 2006 vollbracht hat. Ich muss nicht unbedingt den WM-Pokal holen, aber sehr wohl die Chemie in die Kabine zurückbringen. Ich möchte dieses Gefühl der Zugehörigkeit wiederherstellen. Ich möchte, dass die Spieler mit einem Lächeln und einem guten Gefühl nach Coverciano kommen."
"Ich hoffe, ich bin der Aufgabe gewachsen"
Gattuso sprach von einem "Traum, der wahr wird. Ich hoffe, ich bin der Aufgabe gewachsen. Ich weiß schon, dass es nicht einfach sein wird, aber das ist im Leben oft der Fall. Mein Team und ich sind uns dessen bewusst, aber wir sind zuversichtlich, dass wir etwas wirklich Großes erreichen können."
Worauf er im Nationalteam besonders achten will? "Ehrlich gesagt würde ich den alten Gattuso heute nicht mehr in die Mannschaft stecken, die ich aufbauen möchte", erklärte er ehrlich. Andere Qualitäten seien heutzutage gefragt. Vor allem der Jugend will Gattuso eine Chance geben: "In diesem Jahr hatte die Serie A 68 Prozent ausländische Profis - eine Zahl, die uns zu denken geben sollte. Wir müssen unseren eigenen jungen Spielern eine Chance geben."
35 Spieler wurden bereits angerufen
Insgesamt 35 Spieler habe Gattuso, der Leonardo Bonucci in seinen Staff aufnehmen wird, bereits kontaktiert. Einen nannte er namentlich - und legte ihm mehr direkt als indirekt einen Wechsel nahe: "Ich habe auch mit Chiesa gesprochen und ihm gesagt, dass er einen Weg finden muss, um sich zu etablieren und konstant zu spielen. Das gilt für alle."
Federico Chiesa, einer der Europameister von 2021, steckt auch wegen anhaltendem Verletzungspech in einem Leistungsloch und kam in der vergangenen Saison bei Premier-League-Champion Liverpool in 14 Pflichtspielen auf nur 466 Minuten Einsatzzzeit.
„Angst führt zu nichts.“ (Gennaro Gattuso)
Den mittlerweile 37-jährigen Inter-Verteidiger Francesco Acerbi, der einen Einsatz unter Gattuso-Vorgänger Luciano Spalletti ausgeschlossen hatte, rief der neue Nationaltrainer derweil bewusst nicht an. "Er hat einen wichtigen Beitrag zum Fußball geleistet. Es ist viel geredet worden, aber das ist kein Thema, das mich betrifft. Ich treffe meine Entscheidungen - und auch wenn ich kein Problem mit ihm habe, habe ich ihn nicht angerufen. Ich habe mich für jüngere Spieler entschieden, von denen ich glaube, dass sie uns zu diesem Zeitpunkt mehr helfen können."
Es gehe hauptsächlich darum, nach zwei verpassten WM-Teilnahmen eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. "Angst führt zu nichts", bekräftigte Gattuso, der bei seinem Debüt am 5. September gegen Estland Taten folgen lassen will.