Fehlercode: %{errorCode}

Gefährlich nah am Tiefpunkt

kicker

Was für ein Debakel! Was für eine Schmach! Für die deutsche Nationalmannschaft - aber insbesondere auch für Bundestrainer Julian Nagelsmann, der Deutschland sicher und dominant zur WM führen wollte. Nun aber steht er bereits nach dem verheerend vergeigten Auftakt in der Slowakei (0:2) massiv unter Druck, seine Überlegungen grundlegend zu korrigieren, um nicht Gefahr zu laufen, die WM-Teilnahme zu verspielen.

Alles, was sich der Bundestrainer vorgenommen hatte, funktionierte nicht

Aus dem vermeintlichen Unfall beim Final-Four-Turnier der Nations League ist inzwischen ein alarmierender Negativtrend geworden - nach nur einem Sieg aus den jüngsten sechs Länderspielen.

Alles, absolut alles, was sich Nagelsmann für den Start in die WM-Qualifikation vorgenommen hat, funktionierte nicht in den ersten desaströsen 45 Minuten in der Slowakei. Von der Dominanz, dem Schlüsselwort des Bundestrainers in den Tagen vor dem Spiel, war rein gar nichts zu sehen. Wenn Deutschland den Ball hatte, geriet der Vortrag zu langsam und behäbig, es mangelte an Bewegung des Spielgeräts und der Spieler. Ideen, die gegnerische Defensive zu knacken, waren nur, wenn überhaupt, in Spurenelementen vorhanden. So war es ein Leichtes für die Slowakei, die deutsche Elf vom eigenen Tor fernzuhalten.

Im Gegenzug wirkte Deutschland auch in der teils neuen Formation - 4-2-3-1 gegen den Ball, 3-1-3-3 mit Ball - überfordert, wenn der Gegner den Ball schnell nach vorn spielte. Insbesondere der unglückliche Debütant Nnamdi Collins konnte den Zuschauern fast leidtun, so unterlegen war er seinem slowakischen Gegenspieler Leo Sauer, der den Frankfurter regelmäßig überlief und am Ende des ersten Durchgangs mit Tricks und Beinschüssen schmerzhaft vorführte. Allerdings waren seine Nebenleute ebenfalls keine Hilfe: Antonio Rüdiger und Jonathan Tah, die den Anspruch haben, zur weltweiten A-Kategorie auf ihrer Position zu gehören, irrlichterten regelmäßig durch die eigene Hälfte.

Eine Top-Mannschaft hätte die DFB-Elf noch härter bestraft

Die 1:0-Pausenführung der Slowakei war einerseits konsequent, andererseits fiel sie aufgrund eines Chancenverhältnisses von 6:2 fast schon zu niedrig aus. Ein Top-Gegner - wie zuletzt Frankreich oder Portugal beim Nations-League-Final-Four hätte die Schwächen der deutschen Hintermannschaft mutmaßlich noch effektiver genutzt. Dabei hatte der Plan des Bundestrainers doch eigentlich vorgesehen, die Anzahl der gegnerischen Großchancen durch mehr Spielkontrolle zu minimieren. Die Realität sah genau gegenteilig aus - und weckte böse Erinnerungen an das 0:2 in Österreich im November 2023, dem bisherigen Tiefpunkt von Nagelsmanns Amtszeit.

Damals nutzte der Bundestrainer die folgende viermonatige Länderspielpause zur radikalen Kurskorrektur. Diesmal nutzte er die Halbzeitpause, um Collins zu erlösen. Dass für ihn in Maximilian Mittelstädt der neben Keeper Oliver Baumann bis dahin stabilste DFB-Akteur von der linken auf die rechte Seite wechseln musste, weil Nagelsmann keinen zweiten Rechtsverteidiger nominierte hatte, passte ins schwache Bild.

Eine erneute Kurskorrektur ist unausweichlich

Am erschreckenden Eindruck, den die deutsche Mannschaft abgab, änderte sich durch den Wechsel nichts Grundlegendes - was der Treffer zum 2:0 von David Strelec, der Rüdiger viel zu einfach und ohne jede Gegenwehr ausgetanzt hatte, auch auf dem Spielberichtsbogen unterstrich (55. Minute). Die deutsche Elf spielte auch nach dem Seitenwechsel zu wenig zwingend nach vorn und offenbarte körperliche wie spielerische Defizite gegenüber den taktisch clever eingestellten und robust dagegenhaltenden Slowaken.

Was nun, deutsche Nationalmannschaft? Was nun, Julian Nagelsmann? Die direkte WM-Qualifikation, die im Land als selbstverständlich galt angesichts der Gruppengegner Slowakei, Nordirland und Luxemburg, erscheint plötzlich alles andere als das. Vielmehr müssen sämtliche Alarmglocken schrillen. Eine weitere Kurskorrektur des Bundestrainers, der seine Pläne fürs DFB-Team in seiner bislang 23 Monate währenden Amtszeit bereits häufiger über den Haufen geworfen hat, ist unausweichlich.

Der Schock ist groß - und die Zeit drängt!