Aus Köln berichten Matthias Dersch und Oliver Hartmann
Ein maximal enttäuschendes 0:2 in der Slowakei, ein erst gegen Ende in die gewünschte Richtung laufendes 3:1 gegen Nordirland: Viel zu feiern gab es für die deutschen Nationalspieler in der jüngsten Länderspielperiode nicht. Doch trotz des schwachen Gesamteindrucks, den die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann hinterließ: Ein paar seiner Spieler konnten Argumente in eigener Sache sammeln. Andere dagegen wussten nicht zu überzeugen.
Die Gewinner
Nadiem Amiri: Der Mainzer setzte als Joker den entscheidenden Moment zum Sieg über Nordirland. Anders als in der Slowakei war der offensive Mittelfeldspieler sofort im Spiel, nachdem ihn Nagelsmann in der 61. Minute eingewechselt hatte - und traf nur acht Minuten später zur wichtigen 2:1-Führung. Anschließend führte ihn sein Jubelsturm in die Arme seines Mainzer Teamkollegen Paul Nebel, der im Gefühl hatte, dass es Amiris Tag werden könnte. Mit seiner Energie, seinen guten Laufwegen, seinen cleveren Pässen und seiner feinen Technik bringt er viele Eigenschaften mit, die dem DFB-Team auf dem Weg zur WM 2026 helfen können. Er darf künftig auf mehr Spielzeit hoffen.
David Raum: Der Leipziger Kapitän saß in der Slowakei zunächst auf der Bank und konnte nach seiner Einwechslung zur zweiten Hälfte keine Akzente setzen. Trotzdem durfte er gegen Nordirland für Maximilian Mittelstädt starten - und zeigte, warum. Vor allem seine Pässe in die Tiefe waren eine Belebung für das ansonsten statische deutsche Spiel. Nicht zufällig bereitete er Amiris Führungstreffer mit einem ebensolchen Zuspiel vor. In puncto Emotionalität macht dem 27-Jährigen, dem man abnimmt, dass er im DFB-Team seinen Traum lebt, ohnehin kaum einer Konkurrenz in der deutschen Mannschaft.
Jamie Leweling: Der Stuttgarter zählte schon gegen die Niederlande im Oktober 2024 zu den auffälligsten Spielern, nicht nur, weil er damals den 1:0-Siegtreffer schoss. Gegen Nordirland knüpfte er daran an und marschierte die rechte Schiene rauf und runter. Vor allem traute sich der 24-Jährige auch mal zu, in ein direktes Duell zu gehen oder aus der Distanz abzuschließen. In dieser Form ein Gewinn fürs deutsche Team. Gleiches gilt für den gegen Nordirland eingewechselten Maximilian Beier.
Die Verlierer
Antonio Rüdiger und Jonathan Tah: Die beiden Routiniers sind eigentlich gesetzt. Aufgrund ihrer Klasse und ihrer Erfahrung. Gegen die Slowakei aber spielten beide schwach, gaben weder dem Debütanten Nnamdi Collins noch dem restlichen Team Sicherheit. Gegen die Nordirland wanderte Tah in der Konsequenz auf die Bank. Rüdiger dagegen durfte erneut starten - und patzte vor dem Ausgleich bei einem verunglückten Dribbling. Finden die beiden zentralen Verteidiger im Verlauf der Saison zur eigentlichen Stärke, werden sie auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Doch die Konkurrenz - etwa der abgeklärt spielende Waldemar Anton - ist näher herangerückt. Im derzeit verletzten Nico Schlotterbeck kommt bald eine weitere Alternative mit Vehemenz zurück.
Nick Woltemade: Als er in Köln ausgewechselt wurde, hagelte es Pfiffe der deutschen Fans gegen ihn. Nachvollziehbar war das nicht, auch wenn er weder gegen die Slowakei noch gegen Nordirland überzeugte. Vielmehr schien es, als habe ein Teil der deutschen Fans ihn - den Millionen-Einkauf von Newcastle United - zum Sündenbock ausgemacht. Da half auch die Vorlage zum 1:0 durch Serge Gnabry nichts. Ihm ist zu wünschen, dass er in Newcastle schnell Fuß fasst - und die Antwort auf die Pfiffe bestenfalls bereits im Oktober bei den nächsten Länderspielen auf dem Platz geben kann.
Nnamdi Collins: Der Frankfurter Shootingstar war mit großer Vorfreude zu seiner ersten Nationalmannschaftsreise aufgebrochen - und kam geknickt davon zurück. In der Slowakei ging er - offensichtlich überfordert von den Anweisungen von Bundestrainer Nagelsmann und nervös ob der Umstände - in der ersten Hälfte mit dem Rest des Teams unter, ehe er zur zweiten Hälfte in der Kabine blieb. Gegen Nordirland saß er anschließend 90 Minuten nur auf der Bank. Auch wenn das Debüt denkbar schlecht lief: Es dürfte nicht seine letzte Reise mit dem DFB gewesen sein, sofern er sich bei Eintracht Frankfurt wieder fängt.