Wirklich zufrieden ist man nicht mit dem Saisonstart beim KSV Hessen Kassel. Zumindest, was die Anzahl der Punkte betrifft. Nach fünf Spielen stehen fünf Zähler auf der Habenseite, weniger als von vielen einkalkuliert.
Im schnell euphorisierten Kasseler Umfeld träumten nicht wenige von einer Spitzenposition, nachdem der KSV in der vergangenen Saison die drittbeste Rückrundenmannschaft stellte und im Kalenderjahr 2025 sogar als Klassenprimus über die Ziellinie ging. "Die Rückrunde war wie ein Märchen. Das musste auch so sein, denn sonst wären wir abgestiegen. Wir wussten aber, dass es so nicht weitergeht", ordnet Trainer René Klingbeil die Lage realistisch ein, wenngleich er betont, dass es auch "sieben oder acht Punkte" zum Saisonbeginn hätten sein können.
Nach einem guten Start mit einem 1:1 in Homburg und einem starken 3:0 gegen Mainz 05 II holten die Nordhessen zuletzt nur noch einen Punkt aus drei Spielen. Wobei es gegen ambitionierte Gegner wie Sandhausen (2:3) und den FSV Frankfurt (0:1) zwei denkbar knappe Niederlagen gab. Der eine Punkt, den Kassel am letzten Wochenende beim 2:2 in Alzenau holte, fühlte sich auch etwas wie eine Niederlage an. Der KSV führte bis zur fünften Minute der Nachspielzeit mit 2:1, bevor doch noch der Ausgleich fiel. "Da haben wir Lehrgeld zahlen müssen", sagt Klingbeil, der Mannschaft und Verein aber auf einem "guten Weg" sieht: "Wir wollen eine ruhige Saison ohne Abstiegsangst spielen und unsere vielen jungen Spieler weiterentwickeln." In Alzenau standen mit den beiden Außenverteidigern Joshua Kopf (20) und Luis Podolski (21), sowie Offensivkraft Emre Böyükata (20) drei Youngster in der Startelf, später kamen mit Zvonimir Plavcic (21), Cornelius Bräunling (20) und Jakob Kuntze (18) drei weitere Talente zum Einsatz.
"Die Mischung aus Jung und Alt stimmt bei uns", resümiert Klingbeil. Der KSV hat mit Lukas Rupp (34), Yannick Stark (34) und Adrian Bravo Sanchez (31) ein spielstarkes Mittelfeld, eines der besten der Liga. Dazu gesellen sich weitere erfahrene Spieler, wie die beiden Innenverteidiger Frederic Brill (33) und Marice Springfeld (27) oder Stürmer Benjamin Girth (33). Um aber dauerhaft weit oben mitspielen zu können, dürfte es dem Kader noch etwas an Tiefe und Breite fehlen. "Wir brauchen Zeit, bis wir vielleicht in ein oder zwei Spielzeiten ganz vorn angreifen können", weiß auch Klingbeil.
Nun steht am kommenden Samstag das Heimspiel gegen Sonnenhof Großaspach im Terminkalender. Der Neuling ist gut gestartet und belegt derzeit mit zehn Punkten Rang 3. "Das wird eine Partie mit zwei Mannschaften, die den Ansatz haben, Fußball spielen zu wollen", sagt Klingbeil, der ein attraktives Spiel erwartet.
Najjar fehlt wochenlang
Verzichten muss Kassel in den kommenden Wochen auf seinen rechten Außenverteidiger Nael Najjar. Das Urgestein, das seit 2013 beim KSV unter Vertrag steht, zog sich in der vergangenen Woche beim Training einen Muskelbündelriss im Oberschenkel zu. Auf der anderen Außenbahn fiel Tobias Boche wegen muskulärer Probleme aus, auch für ihn dürfte ein Einsatz gegen Großaspach zu früh kommen. Gut stehen dagegen die Chancen auf einen Einsatz von Mittelstürmer Girth, der zuletzt am Oberschenkel verletzt war und in Alzenau ausgewechselt werden musste. Girth traf bisher in vier Spielen viermal und hat damit die Hälfte der Kasseler Tore erzielt. Der Neuzugang, der die Erfahrung von 42 Zweitliga- und 109 Drittliga-Spielen mitbringt, ist bisher ohne Probleme in die großen Fußstapfen getreten, die der abgewanderte Stürmer Jan Dahlke (27) hinterließ.