3:0 steht es, fünf Minuten vor Schluss. Die Sache ist entschieden: Regionalligist Greifswalder FC steht vor dem Einzug in die 4. Runde des Landespokals in Mecklenburg-Vorpommern. Gegner SFV Nossentiner-Hütte aus der Landesklasse 3 lag nach Treffern von Daedlow, Harz und Richardson klar zurück. Also bekommt der Ersatzkeeper noch ein paar Minuten Einsatzzeit, das Duell gegen den Viertligisten ist schließlich eines der bislang größten Spiele der Vereinsgeschichte.
Die Besonderheit: Ersatzkeeper Ralf Schwarz ist 65 Jahre alt. Und so, wie er da mit seiner Kappe in Richtung Tor trabt, freut sich so mancher Zuschauer, der es mit den Greifswaldern hält, schon über den ein oder anderen weiteren Treffer. Doch sie täuschten sich: Schwarz fliegt behände in eine Flanke, die sich hinter ihm wohl ins Tor gesenkt hätte und pariert wenig später noch einen Kopfball aus kürzester Distanz. Als das Spiel abgepfiffen wird, steht nach wie vor das 0:3 auf der Anzeigentafel. Und der SFV hat eine neue Attraktion.
Vollkommen im Betrieb
Das amüsiert auch Coach Paul Kornfeld, der im Anschluss Medienanfragen beantworten darf: "Ralf ist schon ewig im Verein. Er ist unsere Nummer 2, vollkommen im Betrieb. Er zieht alles mit durch, hat sich den Einsatz durch seine Beteiligung auch verdient. Wir hatten uns im Vorfeld ausgetauscht. Umso schöner, dass es so gut geklappt hat", sagt Kornfeld, der selbst als Nummer 1 auf dem Feld stand. Schwarz habe früher in Babelsberg gespielt, aber das ist schon eine Weile her, erklärt er: "Wenn Not am Mann ist, bringen wir ihn auch mal als Feldspieler. Er möchte jeden Einsatz haben."
Babelsberg ja, aber hochklassig würde er das nicht nennen, verrät der 65-Jährige selbst: Bezirksliga sei das gewesen, nach der Wende. "Ich war eigentlich Feldspieler, musste aber ab und an ins Tor." Erst im Alter von 39 Jahren hat es dann körperlich nicht mehr gereicht: "Ab dann wurde ich eigentlich erst richtiger Torwart. Aber ich hab' nie aufgehört, meine Form zu halten."
Seine Rolle als Ersatzmann hat er voll und ganz verinnerlicht: "Wir haben einen guten Keeper, ich spiele also nur, wenn es nicht anders geht", verrät er. Ab und an, wie in der Vorbereitung, bekommt er dann auch seine Einsätze. Respekt vor den jungen Männern hat er dort an der Seitenlinie nicht, auch nicht, als er gegen die Regionalliga-Kicker aus Greifswald aufs Feld geschickt wird: "Wir sind davon ausgegangen, dass wir nichts zu verlieren haben. Und ich kann das zeigen, was ich kann." Das nötigte auch dem Gegner Respekt ab: Fans beider Lager bejubelten den 65-Jährigen nach Abpfiff.
"So schlecht sind die Dorfvereine nicht"
Eine echte Chance hatte der SFV Nossentiner-Hütte in dieser Partie aber nicht: "Man muss realistisch sagen: Landesklasse gegen Regionalliga, das sind vier Ligen Unterschied. Es war also nur eine Frage der Höhe. Greifswald hat in den vorherigen Runden einen Landesklassisten mit 21:0 und einen Landesligisten mit 10:0 abgeschossen", sagt Kornfeld. "Es hieß für uns: nicht viele Gegentore kriegen, es einfach genießen. Also standen wir auch mit zwei Fünferketten vor dem Tor." Es sei ein Unterschied von Tag und Nacht gewesen, so Kornfelds Resümee, "aber es war mal schön, zu zeigen: So schlecht sind die Dorfvereine auch nicht."
Ebenso wenig wie ihre Oldies. Einen Handbruch hatte er mal, "dann die üblichen Sachen, Meniskus und so weiter", sagt Schwarz. Wie lange er noch auf dem Platz stehen will? "Das entscheide ich von Jahr zu Jahr. Wie es der Körper eben mitmacht."