Weniger überraschend und vielmehr bemerkenswert ist, dass die SpVgg nach sechs Spieltagen ohne Punktverlust souveräner Spitzenreiter ist. Die vielen Talente des Drittliga-Absteigers haben ihre Qualitäten in den Junioren-Bundesligen bereits nachgewiesen. Aber dass die jungen Fußballer so schnell auch im Herrenbereich Fuß fassen, war nicht zwingend zu erwarten. Der aktuelle Erfolg der SpVgg gibt der Arbeit der Verantwortlichen nach dem großen personellen Aderlass im Sommer recht. "Ich bin einfach froh, dass wir es wieder geschafft haben", meinte Cheftrainer Sven Bender nach dem sechsten Sieg im sechsten Spiel.
Die Mannschaft profitiert im Vergleich zum miserablen Vorjahr mit einer katastrophalen Kaderplanung diesmal insbesondere von einer guten Zusammenstellung des Teams. Die Mischung von jungen Talenten und den drei erfahrenen Routiniers, die nach dem Abstieg blieben, passt. In der Abwehr sorgen Kapitän Markus Schwabl und Manuel Stiefler für die nötige Stabilität. Letzterer ist mit seinen Kopfballtoren ebenso unverzichtbar für das Team wie Mittelfeldmotor und Freistoßspezialist Simon Skarlatidis, den Bender in die Offensivzentrale zog. Hier kann der quirlige und technisch versierte Deutsch-Grieche seine Stärken am Ball besonders gut entfalten und seine Kräfte für Offensivaktionen viel besser auf das Feld bringen als in den Vorjahren auf der Flügelposition mit viel Defensivarbeit. Den einstigen Part des 34-Jährigen auf der offensiven Außenbahn übernehmen derweil zwei Neuzugänge. Sowohl der fünffache Torschütze Jorden Aigboje als auch der Heidenheimer Transfer und Top-Vorlagengeber Christopher Negele schlugen voll ein.
Abwehr ist sattelfest
Ebenso wie in der Offensive hat sich auch die Abwehr der Liga als sehr sattelfest erwiesen und stellt mit nur vier Gegentoren die beste Defensive der Liga. Der Verkauf von Torwart-Talent Konstantin Heide zu Hertha BSC sowie der Abgang von Routinier Kai Eisele wurden mit der Verpflichtung des stark haltenden Erion Avdija kompensiert. Und mit der Rückkehr des erfahrenen Defensivspezialisten Alexander Winkler sowie dem jungen Innenverteidiger Luis Pfluger ist die Abwehr nun auch für personelle Engpässe gut aufgestellt, wie zuletzt das Spitzenspiel gegen Nürnberg II zeigte. Für den verletzt fehlenden Kapitän Schwabl sprang Winkler erfolgreich in die Bresche.
Dennoch hakt es personell etwas, denn die Hachinger haben für den Regionalliga-Kader, die U 21 und die U 19 insgesamt zu wenige Spieler. Mehrfachbelastungen stehen an der Tagesordnung, was mittelfristig im Herbst auch die Profis betreffen könnte. Ausfälle der Routiniers würden besonders schmerzen. Aus diesem Grund gilt die Verpflichtung vertragsloser Spieler als sehr wahrscheinlich. Potenzielle Zugänge wurden auf der Tribüne des Unterhachinger Uhlsport Parks gesichtet. Hierzu betreiben die Hachinger gerade beste Eigenwerbung, allerdings bremst Bender derzeit die Euphorie etwas: "Wir sind weiter im Umbruch und es bleibt noch viel Arbeit", so der Ex-Nationalspieler.