Im Rahmen des bereits traditionellen Saison-Starts von Sky stand Experte Didi Hamann einer kleinen Journalistenrunde Frage und Antwort. Hier die interessantesten Aussagen des Ex-Bayern- und -Liverpool-Stars über…
… die Entwicklung bei RB Salzburg
Einen Lainer zu holen oder einen Onisiwo, da spricht einmal nichts dagegen, weil die jungen Spieler brauchen Führung. Aber sie müssen schauen, dass sie wieder diese jungen Talente finden wie früher einen Haaland oder Upamecano. Unter der jetzigen Situation leidet ja auch Leipzig. Der Niedergang von Leipzig in den letzten zwei Jahren hängt damit zusammen, dass es die Spieler aus Salzburg nicht mehr gibt. Da ist kaum mehr einer gekommen, der den Unterschied gemacht hat. Da müssen sie schauen, dass sie im Scouting kreativer und besser werden, sonst haben sie diesen Vorteil nicht mehr, weil auch die anderen Klubs nachgezogen haben.
… die Gründe, warum Christoph Freund bei den Bayern nicht ähnliche Erfolge aufweisen kann wie in Salzburg
Der Campus untersteht Max Eberl, da hat Christoph Freund mal relativ wenig zu sagen. Dann brauchst du auch einen Trainer, der die Jungen spielen lässt. Und das passiert zu wenig. Du findest erst raus, wie gut sie sind, wenn sie einmal spielen. Pavlovic ist damals unter Tuchel reingekommen, weil zwei, drei verletzt waren. Auf einmal hat er drei Spiele gespielt und sie sind draufgekommen, dass er besser ist als Kimmich.
Auf Dauer wird es nicht möglich sein, in München nur fertige Spieler zu kaufen, das kannst du nicht bezahlen. Aber wenn du jetzt einen Luis Diaz holst, dann belegst du natürlich einen Platz. Du hast noch Gnabry und Coman, die sie seit zwei Jahren loswerden wollen, einen Olise, der das super gemacht hat. Da machst du den Platz zu für Lennart Karl oder einen anderen Jungen. Mit Aznou haben sie einen super Spieler geholt, einen 19-jährigen A-Nationalspieler. Trotzdem sitzt er auf der Bank, obwohl sie keinen Linksverteidiger haben. Das ist natürlich demoralisierend für die Leute im Campus, die Trainer fragen sich irgendwann auch, wozu sie das überhaupt machen.
… die Crux bei den Bayern
Die Bayern waren in den letzten fünf Jahren einmal im Halbfinale der Champions League. Die Gehälter sind aber zum Teil höher als in England, die aber jedes Jahr im Halbfinale sind. Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Mit Luis Diaz haben sie jetzt einen Spieler geholt, der in Liverpool, wie ich höre, sieben Millionen verdient hat. Der wollte letztes Jahr mehr Geld haben, was sie abgelehnt haben, weil sie gesagt haben, zum Vertragsende in drei Jahren bist du 30 und hast keinen Wiederverkaufswert mehr. Jetzt zahlen ihm die Bayern 14 Millionen, das heißt, die verdoppeln sein Gehalt mit 28! Dabei wollen sie die Gehälter zurückschrauben, wie soll das gehen? Liverpool hat einen klaren Plan. Für sie war Diaz relativ günstig, die hatten keine Not ihn zu verkaufen, deshalb kostet er auch 80 Millionen. Auf der anderen Seite hast du bei den Bayern Goretzka, Coman, Gnabry, die 20 Millionen verdienen und keiner mag. Da kann die jetzige Führung nix dafür. Aber da müssen sie einmal anfangen, Änderungen zu machen. Auch im Fall von Woltemade. Er ist ein guter Spieler, aber alles über 35, 40 Millionen würde ich sagen, "Nein, danke!".
… David Alaba
Ich weiß nicht genau, wo er jetzt steht. Ich habe letzte Saison zwei, drei Spiele von ihm als Linksverteidiger gesehen, da hat er unglücklich ausgeschaut. Aber nach so einer Verletzung und in einem gewissen Alter, ist es natürlich leichter, innen zu spielen als außen, weil er die Schnelligkeit nicht mehr so hat. Die Frage wird sein, will er zur WM, dann muss er spielen. Das Geld, das er in Madrid bekommt, wird er woanders nicht bekommen, also muss er eine Entscheidung treffen. Zehn Spiele in Madrid zu machen, wäre wahrscheinlich nicht die beste Vorbereitung auf die WM. Ich weiß nicht, ob er noch einmal nach Deutschland zurück will, aber ich könnte ihn mir sogar in Dortmund vorstellen. Er ist ein absoluter Teamspieler und Leader, von dem die jungen Spieler unheimlich viel lernen können. Für Bayern nein, aber für fast jeden anderen Verein wäre er sicher nicht die schlechteste Lösung. Auch für Leverkusen, wenn Xhaka weggeht. Finanziell wäre es wahrscheinlich das Beste, in Madrid zu bleiben, für Österreich und die Nationalmannschaft möglicherweise nicht. Aber dass er fertig ist, wie Lothar gesagt hat, glaube ich nicht, er hat schon noch einiges zu bieten.
… seine Lieblings-Österreicher in der Bundesliga
Der beste Bayern-Spieler letzte Saison oder jetzt bei der Klub-WM war Konrad Laimer. Der ist als Kaderspieler gekommen, ist jetzt absoluter Führungsspieler und einer der Wichtigsten, wenn nicht der Wichtigste. Einer, für den ich immer viel Sympathie hatte, weil er mir als Spieler einfach gefällt, ist Patrick Wimmer. Und ich hoffe, dass er einmal eine gewisse Konstanz in sein Spiel bekommt.
… Oliver Glasner und Crystal Palace
Wenn man die Szenen nach dem FA-Cup-Sieg gesehen hat, dann ist ihm da etwas Herausragendes gelungen. Der FA-Cup hat einen wahnsinnigen Stellenwert in England, das werden ihm die Leute niemals vergessen. Oliver kann sein Leben lang in den Selhurst Park kommen und sie werden ihn immer verehren. Selbst den Liga-Pokal haben in den letzten Jahren nur die großen Vereine gewonnen, weil diese Klubs alle gefordert sind, Titel zu gewinnen. Umso höher ist der Sieg von Crystal Palace einzuschätzen, weil es mindestens zehn Vereine gibt, die besser aufgestellt sind.