Hamburgs Regionalligisten befinden sich wieder einmal tief im Abstiegskampf. Drei von ihnen sind auf den letzten vier Plätzen zu finden. Nur eine Mannschaft hält sich momentan raus: Altona 93. Ausgerechnet der Aufsteiger, der schon nach dem 2.Spieltag der Qualifikationsrunde - der 1:2-Niederlage in Heide - chancenlos schien, stellt derzeit Hamburgs beste Amateurmannschaft und befindet sich in Sphären, in die der nur 500 Meter entfernte Nachbar Teutonia 05 Ottensen jahrelang mit Profi-Kickern hin wollte.
"Ich bin hochzufrieden. Wir haben eine gute Leistung gezeigt, vor allem gegen den Ball", kommentierte Trainer Andreas Bergmann den jüngsten 2:1-Sieg beim VfB Lübeck. Der 66-Jährige durfte an der Lohmühle ein erfolgreiches Jubiläum feiern: Es war sein 175. Spiel auf der AFC-Trainerbank. Der ehemalige Profi-Coach (Hannover 96, VfL Bochum) ist ein Schlüssel des Erfolgs. Zusammen mit Ex-Profi André Trulsen (60) lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen und hat dem AFC seit dem Abstieg 2022 eine neue Philosophie verpasst. Ging es in den Regionalliga-Jahren zuvor meist darum, nicht zu hoch zu verlieren, setzt Bergmann auf jüngere Akteure, die mutig nach vorn spielen. In der Oberliga erzielte sein Team in drei Jahren 268 Tore und wurde zweimal Meister.
Genau so lässt er auch eine Klasse höher weiterspielen - und nimmt dabei die Aufstiegseuphorie der Fans mit. Dass dabei auch schon mal ein 4:4 wie gegen den SV Meppen herausspringt, nehmen diese gern zur Kenntnis und strömen weiter durch die Stadiontore der altehrwürdigen Adolf-Jäger-Kampfbahn. Bereits mehr als 10.000 Fans besuchten die vier Heimspiele - einen besseren Schnitt hatte Altona 93 zuletzt in der Saison 1964/65.
Andere Prioritäten bei Przondziono
Auf dieser Ebene hat sich der AFC längst als Hamburgs Nummer drei etabliert. Sportlich haben an diesem Status besonders drei Spieler großen Anteil: Torwart Dennis Lohmann steigert sich auch mit 34 Jahren von Woche zu Woche, Lesley Karschau zählt zu den schnellsten Flügelstürmern der Liga - aber einer überragt alle: Gianluca Przondziono. Wann immer sich der 25-Jährige, der als Sechser die Schaltzentrale ist, den Ball außerhalb des Strafraums zurechtlegt, müssen die Gegner zittern. Dank seiner unglaublichen Schusstechnik ist der Sohn des ehemaligen Paderborner Sportdirektors Martin Przondziono mit vier Treffern aktuell der beste Torjäger des AFC. Natürlich könnte er ein, zwei Klassen höher spielen, kümmert sich in Hamburg aber lieber um seine berufliche Zukunft - zur Freude des AFC und dessen Amateur-Philosophie.
Rang 7, elf Punkte, erster Auswärtssieg - die Lage ist gut, aber erreicht hat Altona damit noch nichts, nichtmal in Hamburg: Die Nachwuchskicker der Bundesligisten St. Pauli und HSV werden ihr Potenzial spätestens in der Rückrunde ausschöpfen. Und Eintracht Norderstedt verlor rund um den sensationellen DFB-Pokal-Auftritt gegen St. Paulis Bundesliga-Elf ein paar Punkte zu viel und hatte zudem Pech mit Schiedsrichterentscheidungen.
So wird am Sonntag das Aufsteigerduell beim HSC Hannover zwischen den beiden amtierenden Oberliga-Meistern bereits richtungsweisend sein. Dort hat Bergmann das Glück, wieder seine Stammformation ins Rennen schicken zu können: Sieben Akteure standen in allen sieben Partien beim Anpfiff auf dem Platz, weitere drei sechsmal. Und wenn dann auch noch der zuletzt herausragende Kapitän Pascal El-Nemr, der große Favorit auf den in der nächsten Woche zu vergebenen Titel "Hamburgs Fußballer des Jahres", nach seinem Kreuzbandriss zurückkehrt, könnte der Traum vom Klassenerhalt realistisch werden.