An einer Trainerdebatte in der deutschen Nationalmannschaft möchte sich Uli Hoeneß nicht beteiligen. "Natürlich ist er nach wie vor der Richtige", stärkte der Ehrenpräsident des FC Bayern am Sonntag im Sport1-Doppelpass Julian Nagelsmann den Rücken. "Man kann nicht nach einem Spiel jetzt den Stab über ihn brechen."
Gleichwohl müsse der Bundestrainer nach der miserablen 0:2-Niederlage in der Slowakei am vergangenen Donnerstag "die richtigen Konsequenzen ziehen". Dazu wählte Hoeneß einen Vergleich zum 2:0-Bundesliga-Auftaktsieg, den die Frauen des FC Bayern am Samstag in der Allianz-Arena gegen Bayer Leverkusen feierten.
Nach einer "ziemlich schlechten" ersten Hälfte seien die Münchnerinnen "in der zweiten gerannt, haben alles richtig gemacht, was sie vorher falsch gemacht haben". Eine solche Reaktion - "möglicherweise hat der Trainer mal so richtig dazwischengehauen" - erwarte er am Sonntagabend (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker) auch von der DFB-Auswahl gegen Nordirland in Köln.
"Wir spielen nie mit derselben Mannschaft"
Nagelsmann, dem er nach dem EM-Aus 2024 im kicker noch "unglaubliche Arbeit" attestiert hatte und das Kunststück, "das schwierige Image der Nationalelf total gedreht" zu haben, sieht Hoeneß nicht unschuldig an den gegenwärtigen Problemen. "Natürlich sind die Spieler selbst für die Emotionalität und Leistungsbereitschaft verantwortlich. Aber was mir überhaupt nicht gefällt: dass viele Trainer ständig etwas verändern. Wir spielen nie mit derselben Mannschaft, und Eingespieltheit ist so wichtig in diesem Geschäft." Er halte "überhaupt nichts" davon, etwa während einer Partie von Vierer- auf Dreierkette zu wechseln. "Die Trainer müssen immer wissen, dass nicht sie die Spiele gewinnen, sondern die Mannschaft."
Auch dass Nagelsmann frühzeitig den WM-Triumph öffentlich als Ziel ausgegeben hat und daran weiterhin festhält, gefällt Hoeneß nicht. "Ich finde es nicht besonders gut, schon jetzt vom Titel zu sprechen. Deutschland kann das schaffen, aber da muss wirklich alles passen. Und im Moment passt eben nicht alles."
Trotzdem sei ein "Abgesang der deutschen Nationalmannschaft" fehl am Platz. "Wir haben auch Spiele verloren, wo wir katastrophal gespielt haben", erinnerte Hoeneß an seine eigene Spielerkarriere beim DFB. "Aber lieber verliere ich das erste Spiel als das letzte."