Das Vortragen der Ausfallliste dauerte für Hamburgs Coach auf der Pressekonferenz am Donnerstag deutlich länger als üblich. Für Innenverteidiger Warmed Omari kommt ein Einsatz trotz großer Fortschritte in der abgelaufenen Trainingswoche zu früh, auch Abwehr-Alternative Aboubaka Soumahoro ist angeschlagen. Richtig dünn aber ist die Personaldecke in der Offensive: Die Mittelstürmer Yussuf Poulsen (Syndesmoseverletzung) und Robert Glatzel (Trainingsrückstand nach Muskelfaserriss) fallen erwartungsgemäß aus, dazu kommen mit Fabio Baldé und Rayan Philippe krankheitsbedingt zwei Flügelstürmer, und mit Alexander Rössing-Lelesiit kommt eine dritte Flügelalternative nach auskuriertem Muskelfaserriss lediglich für einen Bankplatz in Frage.
Polzin schwärmt: "Damion ist voller Energie und Power"
"Was die Breite in unserem Kader anbelangt", sagt Polzin, "waren wir in dieser Saison schon besser aufgestellt." Gleichwohl verspricht er: "Wir werden Lösungen finden." Eine dürfte auf dem linken Flügel Jean-Luc Dompé heißen, nachdem sich dessen Achillessehnenbeschwerden verbessert haben, rechts ist Fabio Vieira in Abwesenheit von Philippe gesetzt. Immerhin in der Mitte aber hat der Coach eine Auswahlmöglichkeit: Zwischen Damion Downs und Ransford Königsdörffer.
Downs hat nach Abschluss des Leih-Deals mit dem FC Southampton am Mittwoch zwei Trainingseinheiten mit den neuen Kollegen bestritten und wird im Breisgau definitiv im Kader sein. Womöglich sogar direkt in der Startelf? "Damion hat in den beiden Einheiten einen extrem aufgeweckten Eindruck hinterlassen", lobt Polzin, "er hat alles bestätigt, was wir zuvor in den Gesprächen bei ihm festgestellt haben." Des Trainers erstes Urteil lautet: "Es ist eine gute Energie und eine gute Verbindung zwischen uns."
Der 21-jährige Ex-Kölner hat zudem auch sportlich schon erste Kostproben geliefert. "Er hat im Training schon das angedeutet, was wir uns von ihm versprechen", erklärt Polzin und konkretisiert: "Damion hat Tempo, Tiefgang und eine gute Boxpräsenz." Der US-Nationalstürmer und WM-Kandidat erfüllt damit das komplette Anforderungsprofil, das die sportliche Leitung vor der kurzen Winterpause erstellt hatte.
Nicht unerwähnt lässt Polzin freilich, dass der Neuling auch mit einem Makel von der Insel kommt. "Er verfügt nicht über maximale Spielpraxis." Lediglich elf Einsätze verbuchte Downs in der zweiten englischen Liga, zuletzt spielte er im November. Allein diese unbefriedigende Lage hat dem HSV die Möglichkeit auf ein Leihgeschäft eröffnet, gleichzeitig erfordert sie jetzt auch einen sinnvollen Umgang mit dem neuen Hoffnungsträger. Nach der Partie in Freiburg geht es für den HSV dienstags gegen Bayer Leverkusen und am darauffolgenden Samstag gegen Mönchengladbach, und Polzin bremst: "Drei Spiele über 90 Minuten wird er in der englischen Woche jetzt nicht machen können."
Der Trainer befindet sich vor dem Start ins neue Jahr in einem Abwägungsprozess. "Damion ist auf jeden Fall im Kader und ein Kandidat für mehr Spielzeit. Er ist voller Energie und Power für das Spiel in Freiburg." Wie lange die Spielzeit sein wird, und vor allem, wann diese beginnt, lässt er noch offen. Klar ist für ihn, dass es nicht eines längeren Anpassungsprozesses bedarf, um den Neuling loszulassen: "Es ist natürlich unabdingbar, dass er versteht, wie wir spielen wollen. Aber das ist auch bereits in Videoanalysen besprochen worden."