Man sagt Menschen vom Land nach, ihnen fallen größere Veränderungen schwer. Ob sich das im Generellen auch auf Fußballvereine aus kleineren Ortschaften übertragen lässt, das darf bezweifelt werden. Auf den Bahlinger SC trifft es im bisherigen Saisonverlauf aber zu. Nach dem freiwilligen Ausscheiden von Cheftrainer Dennis Bührer und dem Abschied mehrerer gestandener Spieler wie Ex-Kapitän Yannick Häringer folgte ein kniffliger Saisonstart. Das 3:0 im südbadischen Verbandspokal beim FC Auggen am Mittwochabend soll nun Rückenwind geben. Nach dem Sieg im Achtelfinale überwintern die Kaiserstühler im Pokal.
In der Neuauflage des Vorjahresfinals gegen den Verbandsligisten FC Auggen war weniger der gepflegte Ball gefragt. BSC-Trainer Stefan Reisinger war das in der Nachbetrachtung nicht so wichtig: "Wir haben auf dem schwer bespielbaren Platz auch beim Aufwärmen gemerkt, dass heute das Kurzpassspiel nicht so gefragt sein wird." Viel wichtiger war dem Bahlinger Trainer, dass seine Mannschaft dieses Mal Standardsituationen als Trumpf ausspielte und nicht wie zuletzt in der Liga reihenweise Gegentreffer nach ruhenden Bällen kassierte. Alle drei BSC-Treffer am Mittwochabend entstanden im Anschluss, oder wie das 3:0 durch Hasan Pepic, direkt aus einem ruhenden Ball.
Weiterhin kein Fischer-Nachfolger
Was dem Tabellenvorletzten der Regionalliga Südwest aber verwehrt blieb, war ein Treffer aus dem Spiel heraus. Und genau das ist eine große Baustelle. Fünf Treffer aus den ersten sechs Ligaspielen sind zu wenig. Einmal mehr scheint ein echter Knipser im Kader des Bahlinger SC zu fehlen. Seit Santiago Fischer in der Saison 2020/21 insgesamt 23 Regionalligatore erzielte, traf kein Spieler der Rot-Weißen mehr auch nur annähernd so häufig. Die größte Gelegenheit dazu hatte in Auggen in der Nachspielzeit BSC-Angreifer Marco Rienhardt, der nach einem Steckpass des eingewechselten Alex Echner den Ball aus bester Mittelstürmerposition am Tor vorbeischob (90.+2). "Hier können wir mehr", gestand auch Reisinger ein.
Das sichere Überwintern im südbadischen Pokal soll nun dem Titelverteidiger auch einen Push für die Liga geben. "Das war das wichtigste Spiel bisher in dieser Saison", sagte Walter Adam, Sportlicher Leiter beim BSC. In der Regionalliga geht es für die Kaiserstühler am Samstag beim bisher noch verlustpunktfreien Spitzenreiter SGV Freiberg weiter. Dass ausgerechnet bei den so spielfreudigen Freibergern auch in der Liga die Wende gelingt, das erscheint schwer vorstellbar. Denn die Personallage der Reisinger-Elf ist weiter angespannt. Mike Manegold, Davino Knappe, Samet Yilmaz, Vasco Walz und Rico Wuttke fallen weiter aus. Immerhin sind die zuletzt angeschlagenen Rico Wehrle und Laurin Tost wieder einsatzfähig und zählten auch in Auggen zur Anfangsformation.
Längst hat man in Bahlingen registriert, dass auch diese Saison ein zähes Ringen um den Ligaerhalt werden dürfte. Die starke Konkurrenz innerhalb der Regionalliga tut hier ihr Übriges. Die Liste der Mannschaften, die der Bahlinger SC in jedem Fall hinter sich lässt - sie scheint sehr kurz beziehungsweise leer. Also gilt es bis zur Winterpause jeden Punkt zu hamstern, um dann mit voller Mannschaftsstärke in einem ähnlichen Frühjahr wie in der Vorsaison wieder die Grundlage für den Ligaerhalt zu legen.