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"In fünf Jahren in die 3. Liga": Aufsteiger BFC Preussen hat Großes vor

kicker

Der Start in die Saison 2025/26 in der Regionalliga Nordost steht kurz bevor. Erstmalig ist auch Aufsteiger BFC Preussen dabei. Wie ist Ihre Gefühlslage so kurz vor dem Auftaktmatch gegen den FC Eilenburg?

Sehr angespannt. Wir sind sehr aufgeregt. Es ist unser erstes Spiel in der Regionalliga und es freuen sich natürlich alle, ganz klar. Wir sind hier mit Hochdruck dabei, alles herzurichten.

Rund acht Wochen ist es her, da schaffte der BFC auf dramatische Art und Weise durch den 1:0-Erfolg gegen den direkten Konkurrenten Eintracht Mahlsdorf im finalen Match der Vorsaison den Aufstieg in die 4. Liga. Was gab es seitdem für den Klub zu tun?

Mit dem Aufstieg war klar, dass wir unseren Gästeblock bauen müssen. Da ging es schon los, dass wir erst mit dem Aufstieg anfangen konnten. Der war halt sehr spät. Im letzten Spiel, in der letzten Sekunde würde ich sogar sagen. Im Prinzip ist da alles erst losgegangen. Dazu gehört die Kaderplanung. Auch da ging es dann erst los. Spielst du Regionalliga, bekommst du andere Spieler als in der Oberliga. Also da ist nochmal ein Kaderumbruch passiert. Wir sind auch auf zusätzliche Trainingszeiten am Vormittag gegangen und die Leute, die berufstätig sind, konnten natürlich diesen Weg nicht mitgehen, was auch vollkommen verständlich ist. Deswegen haben wir nochmal so einen großen Kaderumbruch gehabt, was auch viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Rund um das entscheidende 1:0 von Lenny Stein gab es viele Videoaufnahmen, ob es ein reguläres Tor war. Der Linienrichter entschied schnell auf Treffer. Dies bedeutete den Aufstieg für den BFC - zahlreiche Diskussionen inklusive. Gab es im Nachfeld noch Anfeindungen?

Man hat natürlich in den Medien sehr viel Negatives gehört. Aber wie gesagt, wir haben ja das Tor nicht beeinflusst und deshalb haben wir das eigentlich schnell abgehakt. Wir sind regulär aufgestiegen. Der Schiedsrichter hat das Tor gegeben und damit war das Thema für uns durch.

Im Zuge der Feierlichkeiten nach dem Aufstieg gab es die Berichterstattung zu den Ausschreitungen auf dem Platz, inklusive der Beteiligung von Arafat Abou-Chaker. Dessen Bruder Rommel spielt seit Jahren für den Verein. Inwieweit unterstützt die Familie Abou-Chaker den BFC Preussen?

Ich glaube, Rommel Abou-Chaker ist in diesem Verein schon über 20 Jahre. Er ist Ehrenspielführer und Spieler der zweiten Männermannschaft. Unterstützt wird der Verein von der Familie gar nicht, außer durch Rommel, durch seine Anwesenheit bei den Spielen und natürlich auch durch seine Verbindung zu den Spielern. Wir werden null gesponsert von denen. Da ist gar nichts dran.

Die Gerüchte halten sich jedoch hartnäckig rund um Verein. Nervt Sie das manchmal?

Ich sage mal, am Anfang haben sie genervt, jetzt nerven sie gar nicht mehr.

„Am Ende muss es einfach reichen, die Klasse zu halten. Das ist unser primäres Ziel.“ (Pierre Seiffert)

Aber zurück zum Fußball. Ein Wort zum Kader: 16 Neuzugänge stehen 15 Abgänge zu Buche. Wie schätzen Sie qualitativ das Personal ein und wie lautet die Zielstellung für die Premierensaison in der Regionalliga Nordost?

Ich glaube, wir werden natürlich als Abstiegskandidat eingestuft. Das nehmen wir auch voll an. So wird es wahrscheinlich auch sein, dass wir um jeden Punkt kämpfen müssen, und das werden wir auch tun. Und am Ende muss es einfach reichen, die Klasse zu halten. Das ist unser primäres Ziel.

Der Verein musste in der Sommerpause nicht nur sportliche Themen bearbeiten, sondern sich auch um Regularien des Verbandes für die Spielstätte im Preussenstadion kümmern. Können also alle Heimspiele auf dem Rasenplatz in der Malteserstraße stattfinden?

Wenn der Gästezaun steht, dann spielen wir alle Spiele hier (im Preussenstadion, Anm.d.R.). Das wird so sein. Der Zaun wird am Freitag stehen und dann werden wir hier alle Spiele bei uns im Stadion machen.

Wie groß waren die Anstrengungen dazu?

Da wir ja vorbereitet waren, wenn der Aufstieg da ist, waren die Vorbereitungen davor anstrengender. Das Abwickeln jetzt ist nur ein Zeitfaktor, der natürlich sehr anstrengend ist, weil man immer wieder guckt, ist der Zaun fertig, ist er noch nicht fertig. Dann sind wir auch von den Witterungsbedingungen abhängig. Deswegen, glaube ich, waren die Arbeiten davor anstrengender als das jetzt.

„Schaut mal, wir haben ein Stadion gebaut, was die Stadt die ganze Zeit nicht hinkriegt.“ (Pierre Seiffert)

Dies soll aber dem Vernehmen nach nur ein Zwischenschritt sein. Die große Vision lautet "Preussenarena 3.0" - mit neuem Funktionsgebäude, Sporthotel, zwei Sporthallen, einem Beachvolleyballfeld, einer Kita und ein von Grund auf modernisiertes Stadion, das dann 4.000 Plätze bieten soll. 70 Millionen Euro könnte das Ganze kosten. Wie ist da der aktuelle Stand?

Es ist immer eine Geldfrage. Diese 70 Millionen, die da im Raum sind, weiß ich gar nicht, ob die stimmen. Da will ich mich gar nicht zu äußern. Das Präsidium macht da, glaube ich, einen tollen Job. Und die werden da weiter im Austausch mit den Ämtern sein, denn man bekommt gewisse Fördergelder. Die sollte man nicht vernachlässigen. Wenn man die alle zusammen hat, dann wird es hier auch losgehen. Wir sind sportlich extrem schnell gewachsen. Und deshalb ist die Stadionthematik ein bisschen auf der Strecke geblieben, muss man auch ganz klar sagen. Aber unser Stadion wird definitiv irgendwann gebaut. Ich glaube, das ist das Ziel vom BFC Preussen, dieses Stadion einfach für die Region hier hinzubauen und zu sagen: 'Schaut mal, wir haben ein Stadion gebaut, was die Stadt die ganze Zeit nicht hinkriegt.'

„Ich würde gerne in fünf Jahren in 3. Liga spielen.“ (Pierre Seiffert)

Wenn Sie so in die Zukunft blicken, wo sehen Sie den BFC Preussen in fünf Jahren?

Das ist immer nicht so einfach. Regionalliga heißt auch, eine Verantwortung gegenüber den Mitgliedern zu haben. Deshalb steht auch die Frage der Ausgliederung der ersten Männermannschaft hier im Raum, wie in allen anderen Vereinen auch. Sobald du in den Profibereich möchtest, musst du ja auch ausgliedern. Also mein Ziel ist es definitiv, in die 3. Liga mit diesem Verein zu gehen. Wie schnell das geht, kann ich gar nicht sagen, denn das ist auch wirklich von Sponsoren, von so vielen Faktoren abhängig. Ist die Wirtschaft weiter stark? Sind die Leute interessiert, in Fußball zu investieren? Man muss immer Leute mit auf die Reise nehmen. Und ich würde gerne in fünf Jahren in der 3. Liga spielen. Dann hoffentlich in unserem eigenen Stadion. Also das ist definitiv nur möglich, wenn unser Stadion steht. Also vorher brauchen wir den Angriff gar nicht zu machen.

Interview: Matthias Schütt