Oluwaseun Adewumi ist eine der vielversprechendsten Offensivhoffnungen im österreichischen Fußball. Der letztjährige Premier-League-Aufsteiger FC Burnley holte den 20-Jährigen für 400.000 Euro vom Zweitligisten Floridsdorfer AC nach England. Als Leihspieler wurde "Seun" beim Dundee FC unter anderem mit je einem Tor gegen die Glasgow Rangers und Celtic Glasgow innerhalb einer Woche zum Fanliebling. Zurück in Burnley verfolgt Adewumi das klare Ziel, es in den Premier-League-Kader zu schaffen - und plant mit dem Wiener Unternehmen "froots" seine wirtschaftliche Zukunft.
Nachdem seine Karriere mit dem England-Transfer und der Einberufung ins U-21-Team 2024 Fahrt aufgenommen hatte, traten auch finanzielle Themen in den Vordergrund. Die Frage "Was kommt danach?" trifft junge Kicker aufgrund der relativen Kürze einer Profilaufbahn viel früher als ihre Alterskameraden in anderen Berufen. "Du arbeitest fast dein ganzes Leben auf diesen Moment hin. Und plötzlich verdienst du mit 18 oder 19 viel Geld. Das fühlt sich nicht real an. Aber du weißt auch: Es wird nicht ewig so bleiben", sagt Adewumi. "Ich will nicht erst mit 30 überlegen, was ich nach meiner Karriere mache. Ich will jetzt anfangen, mir etwas aufzubauen - und gute Entscheidungen treffen."
Finanzieller Absturz nach Karriereende nicht selten
Die Unterstützung der Familie und die Zusammenarbeit mit dem Investment-Dienstleister "froots" ermöglichen es dem Youngster, sich "voll auf Fußball zu konzentrieren". Dass sich Fußballer so früh mit ihrer finanziellen Zukunft beschäftigen, ist im Profibereich selten. Dabei sind die Rahmenbedingungen eindeutig: Karrieren sind kurz, der Konkurrenzdruck hoch und Verletzungen können von einer Sekunde auf die andere alles verändern. Und auch wenn die Gehälter im internationalen Profifußball beachtlich sind - die Phase nach der aktiven Laufbahn kann lang, fordernd und finanziell ungewiss sein.
"Innerhalb der Mannschaft ist das Finanzielle mitunter schon ein Thema", erzählt Adewumi im Gespräch mit dem kicker. "Gerade die erfahrenen Spieler, die viel erreicht und dementsprechend verdient haben, machen sich Gedanken." Mit Recht, denn Studien aus den USA und Großbritannien zeigen, dass bis zu 80 Prozent der Profisportler nach Karriereende in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Gründe: fehlende langfristige Planung, unklare Ziele und Überforderung mit der neuen Realität.
Mit Adewumi begleitet "froots" nun erstmals öffentlich einen Profisportler von Beginn seiner Karriere an. Dahinter steckt das Konzept, den Jungprofi früh für Finanzfragen zu sensibilisieren und ihm Werkzeuge in die Hand zu geben, mit denen er nachhaltig wirtschaften kann. "Der Fußball ist gnadenlos leistungsgetrieben. Gerade in diesem Umfeld ist finanzielle Klarheit ein Stabilitätsfaktor", sagt David Mayer-Heinisch, Gründer und CEO von "froots". "Wenn junge Profis plötzlich gut verdienen, ist das nicht der Moment für Impulsentscheidungen oder Selbstversuche. Es geht um Verantwortung, um langfristige Planung."
Woche des Lächelns gegen Schottlands "Big Two"
Das erste Inseljahr mit der Leihe nach Schottland zahlte sich für Adewumi jedenfalls auch sportlich aus: 32 Pflichtspiele, fünf Tore, fünf Assists. Er wurde "Young Player of the Year" - und ein erstes Karriere-Highlight gab es im Jänner: "Diese eine Woche, in der ich in den aufeinanderfolgenden Liga-Heimspielen gegen die Rangers (1:1/Anm.) und gegen Celtic (3:3/Anm.) getroffen habe - die war ein Traum, ein unglaubliches Gefühl. Da bin ich jeden Tag mit einem Lächeln aufgestanden", berichtet die Offensivwaffe, die sich selbst als Zehner sieht, aber auch auf den Flügelpositionen flexibel einsetzbar ist.
"Es war am Anfang extrem. Gleich in meinem zweiten Spiel ist es im Ligacup auswärts gegen die Rangers gegangen. Da ist das Stadion voll mit unglaublich vielen Menschen. Das war ein gewaltiges Erlebnis, wenn man vorher in der zweiten österreichischen Liga beim FAC gespielt hat", erinnert sich Adewumi an die ersten Schritte. "Nicht viele Spieler kommen damit klar, plötzlich vor so vielen Leuten zu spielen. Das wird unterschätzt. Und dann ist die schottische Liga natürlich extrem physisch. Die Details, was man mit und ohne Ball zu tun hat, dazu die Duelle Celtic und Rangers - da konnte ich sehr viel mitnehmen."
„Mir war von Anfang an klar, dass es sehr schwer wird. Aber ich nehme jeden Kampf an.“ (Seun Adewumi über die Konkurrenzsituation im Kader von Burnley.)
Seit Anfang Juli läuft die Vorbereitung mit Burnley. Der Konkurrenzkampf ist enorm, der Kader von Manager Scott Parker ist gespickt mit gestandenen Premier-League-Profis wie etwa dem 97-fachen englischen Nationalspieler Kyle Walker. Konkrete Signale, wie Burnley den ÖFB-Youngster in der kommenden Saison einsetzt oder wieder verleiht, gab es noch keine. "Ich bin in erster Linie dankbar, dass ich die Chance bekomme, mich mit diesen Spielern messen zu können und um einen Platz in der Mannschaft kämpfen zu dürfen. Von Anfang an, als ich zum ersten Mal von Burnley gehört habe, war mir klar, dass es sehr schwer wird. Aber ich nehme jeden Kampf an, gebe immer mein Bestes - und dann werde ich sehen, wohin die Reise geht", betont Adewumi.
Beinharter Konkurrenzkampf in familiärem Umfeld
Er ist überzeugt, dass es sportlich der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt war: "Burnley ist mit einem konkreten Projekt auf mich zugekommen. Sie haben mir Schritt für Schritt erklärt, was sie und wie sie mit mir planen. Ich habe mir gedacht, dass ich so ein Angebot von einem so guten englischen Klub nicht oft bekommen werde. Es hat alles gepasst." Verein und Umfeld erlebt Adewumi professionell und familiär zugleich: "Ein Großteil der Mannschaft ist in dem Jahr gemeinsam aufgestiegen, bevor ich gekommen bin. Die Stimmung in der Mannschaft und im Klub ist also sehr gut. Als neuer Spieler bin ich sehr schnell und gut aufgenommen worden. Alle sind sehr offen."
Die Umstellung im Training empfand er körperlich weniger dramatisch. "Aber mit dem Ball ist alles viel schneller. Das Reagieren, die Passqualität und generell die Qualität im Training ist viel höher als bei Dundee. Ich finde, dass ich mich trotzdem schnell etablieren konnte und mit dem Tempo gut mitkomme. Ich bin mit meiner derzeitigen Entwicklung sehr zufrieden." ManCity-Legende Walker ist für ihn und die anderen jungen Spieler ein echter Leader. "Weil wir wissen, was er erreicht hat - und großen Respekt davor haben. Er ist ein sehr offener Typ und generell eine sehr nette Person. Das habe ich im Trainingslager gemerkt. Er versucht, die ganze Mannschaft besser zu machen und die Qualität im Training hochzuhalten." Mit Österreichs A-Nationalteam hat Adewumi ein weiteres Ziel "ganz oben auf der Checkliste", wie er betont. "Dafür muss ich im Verein regelmäßig meine Leistung bringen. Natürlich wäre es ein Traum."