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Israels Plan mit Zehlendorf: "Wir wollen den Abstand zu den Profivereinen verkürzen"

kicker

Anfang Mai wurden Sie als neuer Trainer von Regionalligist Hertha 03 Zehlendorf zur kommenden Serie vorgestellt. Was waren vor allem Ihre ersten Aufgaben in den vergangenen Wochen, Herr Israel?

Seit der Vorstellung ging es darum, alles rund um den Verein kennenzulernen. Ich habe mich der Mannschaft vorgestellt, mit Marco Böning und Sebastian Huke die beiden offenen Co-Trainer-Stellen besetzt. Der größte und wichtigste Punkt war dann sicherlich die Kaderplanung.

Wird sich das Personal zur Spielzeit 2025/26 denn verändern?

Wir sind jetzt in der heißen Phase, arbeiten mit viel Akribie am Kader für die kommende Saison. Es passiert doch mehr als angenommen und wir erwarten einen größeren Umbruch. Viele Spieler haben sich für höhere Aufgaben empfohlen. Das ist der Lauf der Dinge und nun gilt es diese Akteure zu ersetzen. Wir wollen einen konkurrenzfähigen Kader auf die Beine stellen, der in der Regionalliga Nordost bestehen kann.

"Mit seinem fundierten sportlichen Wissen und seiner pädagogischen Kompetenz entspricht er genau dem Anforderungsprofil von Hertha 03", hieß es in der Pressemeldung der Zehlendorfer zu Ihnen. Was waren aus Ihrer Sicht die Gründe, sich Hertha 03 anzuschließen?

Es ist eine spannende Aufgabe. Ich kann im Herrenbereich in einer tollen Liga, mit vielen Profi- und Traditionsvereinen arbeiten. Es ist die zuschauerstärkste Staffel aller Regionalligen. Dazu ist Hertha 03 ein sehr seriös geführter sowie familiärer Verein, der auf den wichtigen Positionen Konstanz hat. Hier kann man in Ruhe arbeiten, aber trotzdem etwas entwickeln.

Welchen Eindruck haben Sie von Ihrer neuen Mannschaft?

Nach der Partie gegen Viktoria Berlin (5:1, Anm.d.R.) und dem feststehenden Klassenerhalt habe ich mich dem Team vorgestellt. Ich habe grundlegend ein intaktes Team vorgefunden, das in der abgelaufenen Spielzeit durch mannschaftliche Geschlossenheit seine Ziele erreicht hat.

„Dazu ist Hertha 03 ein sehr seriös geführter sowie familiärer Verein, der auf den wichtigen Positionen Konstanz hat.“ (Steffen Israel)

Wie lautet die Zielstellung für die Spielzeit 2025/26?

Das zweite Jahr nach dem Aufstieg gestaltet sich immer etwas schwieriger. Wir können uns realistisch einschätzen. Nach dem sensationellen 12. Platz im Vorjahr gilt unser klares Ziel erneut dem Klassenerhalt. Zudem gilt es, die Professionalisierung voranzutreiben. Wir wollen den Abstand zu den Profivereinen verkürzen. Daher wollen wir auch zumindest am Hauptbelastungstag doppelt trainieren. Grundsätzlich trainieren wir aber weiter am Abend.

Welchen Fußball kann man unter Ihnen bei Hertha 03 erwarten?

Grundlegend gilt es, eine hohe Bereitschaft an den Tag zu legen, bevor es taktisch ins Detail geht. Meine Mannschaft soll mit der richtigen Intensität Fußball spielen und über die Körperlichkeit, Zweikampfhärte und gutes Umschaltverhalten in beide Richtungen in der Liga bestehen. Wir wollen uns auf dem Rasen immer zur Wehr setzen, für die Gegner eklig und unbequem sein. Alles Weitere ergibt sich dann Schritt für Schritt. Die Gegner müssen immer 100 Prozent geben, um uns besiegen zu können.

„Wir wollen uns auf dem Rasen immer zur Wehr setzen, für die Gegner eklig und unbequem sein.“ (Steffen Israel)

Ihr Vorgänger Robert Schröder hat als Trainer große Fußstapfen bei der kleinen Hertha hinterlassen. Wie bewerten Sie seine Arbeit und gab es einen Austausch?

Wir kennen uns aus unserer gemeinsamen Zeit beim Lehrgang zur A-Lizenz, waren immer wieder locker und sporadisch im Austausch. So ist dann auch mein Engagement bei Hertha 03 zustande gekommen. Ich hatte in jeglicher Hinsicht einen sehr guten Austausch mit Robert sowie eine vernünftige Übergabe. Er hat hier über Jahre hinweg richtig gute Arbeit geleistet, die mit dem Aufstieg aus der Oberliga und dem Klassenerhalt in der Regionalliga ihren Höhepunkt erreicht hat.

Sie waren zuletzt Nachwuchstrainer bei der U-17-Mannschaft von Carl Zeiss Jena. Davor in den Jugendteams beim Halleschen FC, 1. Magdeburg und in Niendorf tätig. Vor welcher Herausforderung stehen Sie jetzt bei einem Männerteam?

Da gilt es noch mehr den Fokus darauf zu legen, Spiele siegreich zu gestalten. Ich bin ein Gewinnertyp, will mit jeder Faser meines Körpers die Spiele gewinnen. Neben der Gewinnermentalität steht aber auch die individuelle Weiterentwicklung der Spieler an. Sicherlich ist der Umgang und vor allem die Kommunikation mit U-17- oder U-19-Spielern anders als mit gestandenen Männern.

Welche Kenntnisse haben Sie bereits von der Regionalliga Nordost?

Ich habe vier Jahre im Nachwuchsleistungszentrum des Halleschen FC gearbeitet, hatte die Regionalliga immer im Blick. In meinen vergangenen beiden Jahren bei Carl Zeiss Jena waren die Wege zwischen dem Nachwuchs und den Profis kurz im Ernst-Abbe-Sportfeld. Ich habe viele Spiele des FCC live gesehen und mich damit automatisch in den vergangenen beiden Jahren schon sehr intensiv mit der Liga beschäftigt.

Wer ist Ihr Favorit auf die Meisterschaft nächste Saison?

Der Hallesche FC.

Warum?

Aufgrund der Erfahrung, die der Verein während der jahrelangen Drittliga-Zugehörigkeit in einer sehr anspruchsvollen Liga sammeln konnte. Sowie aufgrund der finanziellen Möglichkeiten, der Bedingungen vor Ort und dem Stadion traue ich es dem Verein am ehesten zu.

Als gebürtiger Hesse: Können Sie nicht vielleicht vermitteln, dass im Zuge einer möglichen viergleisigen Regionalliga - damit alle Meister in die 3. Liga aufsteigen können - hessische Klubs auch im Nordosten spielen?

Ich finde die Initiative "Meister müssen aufsteigen" gut. An sich habe ich mit Aufstiegsspielen aber kein Problem, da ich diese aus dem Nachwuchs kenne. Das weiß ich als Trainer zu Saisonbeginn und muss diese Regelung akzeptieren, weil es für alle Meister zutrifft. In der Regionalliga fehlt mir aber die Gleichberechtigung und ich empfinde es als ungerecht, dass ein Unterschied innerhalb der verschiedenen Staffeln in der vierten Liga gemacht wird. Warum werden die Meister aus dem Südwesten und Westen bevorzugt behandelt und dürfen direkt aufsteigen?

„Auch wir wollen den Berliner Markt gewinnbringend für uns nutzen und die hiesigen Talente einbinden.“ (Steffen Israel)

Sie sind in Kassel geboren, haben lange Zeit in Hamburg und zuletzt in Mitteldeutschland gelebt. Nun geht es in die Hauptstadt. Was wissen Sie bereits über den Berliner Fußball?

Dass in Berlin nicht zuletzt durch die große Einwohnerzahl sehr interessante Spieler zu finden sind. Die Mentalität der Straßenkicker ist dabei besonders hervorzuheben. Auch wir wollen den Berliner Markt gewinnbringend für uns nutzen und die hiesigen Talente einbinden. Ich habe bereits im Jugendbereich immer wieder talentierte Spieler aus Berlin nach Halle und Jena ins Nachwuchsleistungszentrum geholt.

Kennen Sie die Chemnitzer Band Kraftklub?

Ja. Ich weiß, dass es da einen Musiker mit dem Namen Steffen Israel gibt. Bei ihm ist es aber der Künstlername und bei mir ganz offiziell von Geburt an. Somit sind die Namen natürlich gleich, aber doch ganz unterschiedliche Personen. Der eine macht Fußball und der andere Musik. Dennoch ist es ganz witzig.