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Jeddelohs Kapitän Ghawilu: "Ich habe viele Fehler gemacht"

kicker

Herr Ghawilu, am Freitagabend haben Sie sich in Meppen beim Aufwärmen verletzt. Werden Sie dem SSV länger fehlen?

Leider ja. Der MRT-Termin hat ergeben, dass es sich um einen Teilriss einer Sehne im Adduktorenbereich handelt. Noch ist offen, wie lange ich ausfalle. Ich hoffe auf zwei bis vier Wochen. Es können aber auch sechs Wochen werden.

Der SSV ging in Meppen erstmals in dieser Saison als Verlierer vom Platz. Befürchten Sie nun einen kleinen Einbruch?

Wir hatten mit dem Pokal-Spiel gegen Osnabrück und der Partie in Meppen ein hartes Programm. In Meppen wollten wir möglichst lange die Null halten. Mein Ausfall war für meine Mitspieler natürlich auch ärgerlich. Die Jungs zählen auf mich. Meppen hat es gegen uns einfach gut gemacht und verdient gewonnen. Dass wir jetzt einbrechen, glaube ich nicht. Wir sind eine geile Truppe und mental viel weiter als in den vergangenen Jahren. Es wird schwierig bleiben, gegen uns zu gewinnen.

Dass der SSV bis zum vergangenen Wochenende an der Tabellenspitze stand, war eine große Überraschung. Was macht die Mannschaft aus Ihrer Sicht so stark?

Jeder kommt mit jedem gut aus. Es gibt keine Gruppierungen. Das kenne ich auch anders aus der Vergangenheit. Die Teamchemie bei uns ist super. Mit dem Trainerteam macht es zudem viel Spaß. Wir werden gut auf die Spiele eingestellt.

Welche Rolle haben die Transfers im Sommer gespielt?

Die Transfers sind mega eingeschlagen. Ein Dominique Ndure ist in meinen Augen ein Zweitliga-Spieler. Moritz Onken war in Emden nur der dritte Torwart, macht es bei uns jetzt aber überragend. Keita Taguchi läuft pro Spiel gefühlt 14 Kilometer, das ist nicht normal. Pascal Steinwender bringt ein enormes Tempo und viel Erfahrung mit. Der Klub hatte ein richtig gutes Händchen.

Wird nach dem starken Start das Saisonziel "Klassenerhalt" nach oben korrigiert?

Nein, das Ziel des Klubs bleibt der Klassenerhalt. Mein persönliches Ziel ist es, dass wir mit der Truppe unter die Top 6 oder zumindest die Top 8 kommen. Ich halte viel von unserer Mannschaft. Wir haben die Qualität, um dort oben mitzumischen.

„Die Bedingungen haben sich verbessert. Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung.“ (Kasra Ghawilu)

Im Frühsommer gab es etwas Unruhe, weil Björn Lindemann die Bedingungen in Jeddeloh im kicker-Interview scharf kritisiert hatte und von "Landesliga-Niveau" sprach. Wie haben Sie das aufgenommen?

Das war ein hartes Interview, das wir damals gelesen haben. Fakt ist aber auch: Die Dinge haben gestimmt. Der Verein hat in den Jahren zuvor keine großen Schritte nach vorn gemacht. Ich muss die Verantwortlichen jedoch auch loben, denn nach dem Interview ist viel passiert bei uns. Der Klub hat sich Ziele definiert, an denen nun gearbeitet wird. Die Bedingungen haben sich verbessert. Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung.

Sie sind seit dem Sommer Kapitän. War es eine besondere Ehre, dass Lindemann nicht Akteuren wie Max Wegner oder Gazi Siala, sondern Ihnen die Binde überreicht hat?

Na klar, mich hat das überrascht, denn es sind ja auch ein paar ältere Spieler in der Truppe. Ich habe diese Herausforderung aber sehr gerne angenommen. Für mich ist das ein weiterer Schritt in meiner Entwicklung. Bei uns gibt es aber eine klare Hierarchie, ganz old school. Die älteren Spieler haben das Sagen, die Kinder marschieren (lacht). Wenn zum Beispiel Max etwas zu mir sagt, wird das auch gemacht.

Nach sieben Spielen haben sie fünf Tore und fünf Vorlagen auf dem Konto. Macht die Binde Sie so stark?

Auch in den vergangenen Jahren hatte ich schon eine gute Statistik, aber dieses Mal geht es steil nach oben. Ich glaube, dass es auch an der Binde liegt. Das hat mir nochmal einen kleinen Schub verliehen, um Woche für Woche abzuliefern. Vor allem glaube ich aber, dass es daran liegt, dass ich neben dem Platz als angehender Finanzdienstleister und Versicherungsmakler für mich etwas gefunden habe. Da geht es auch sehr viel darum, Verantwortung für sich zu übernehmen. Darin gehe ich voll auf.

Sie haben für die U-23-Teams des 1. FC Köln und von Holstein Kiel gespielt. Warum ist Ihnen nicht der Sprung in den Profifußball gelungen?

In jungen Jahren habe ich viele Fehler gemacht. Da waren einige Wege dabei, die ich nicht hätte einschlagen sollen.

Welche zum Beispiel?

Wenn es bei einem Profiklub mal nicht so gut lief, habe ich mich direkt mit anderen Dingen beschäftigt und den Fußball vernachlässigt. Für mich war es schwierig, dass ich in jungen Jahren schon ausgezogen bin und meine eigenen Erfahrungen sammeln musste. Das hat mich aber auch zu dem gemacht, was ich heute bin. Mein Berater sagt immer, ich sei wie ein Rotwein: Je älter ich werde, desto besser werde ich auch. Das gefällt mir. Am Anfang meiner Karriere musste ich viel Scheiße fressen. Ich wurde immer als "schwieriger Spieler" angesehen, obwohl viele mich gar nicht kennen. In Jeddeloh ist das ganz anders. Dort kennen sie mich in- und auswendig und wissen, was sie an mir haben.

Bereuen Sie es, in Köln und Kiel nicht alles dafür getan zu haben, um es zu schaffen?

Das ärgert mich definitiv. Ich kenne ja Spieler, die es geschafft haben. Neben Disziplin gehört aber auch Glück dazu, um hochzurutschen. Bei mir haben einige Faktoren nicht mitgespielt. Deswegen hat es am Ende nicht gereicht.

„Ich liebe den Verein, aber mein Ziel ist es natürlich, dass ich noch Profi werden möchte. Das weiß auch der SSV.“ (Kasra Ghawilu)

Sie sind mittlerweile seit drei Jahren beim SSV, bei dem Sie ein Gesicht des Klubs werden sollen. Ist das auch in Ihrem Interesse?

Das ist ein schwieriges Thema. Ich liebe den Verein, aber mein Ziel ist es natürlich, dass ich noch Profi werden möchte. Das weiß auch der SSV. Meinen Vertrag habe ich bis 2027 verlängert. Für gewisse Fälle ist in diesem aber alles geklärt.

Es gibt also eine Ausstiegsklausel?

Richtig.

Verlassen Sie den Klub somit, falls im kommenden Sommer ein Drittligist anruft?

Ich kommuniziere immer transparent und mache kein Geheimnis daraus, dass dies für mich interessant sein würde. Natürlich würde ich es mir anhören, wenn mich ein Klub aus der 3. Liga anruft. Das heißt aber nicht, dass ich dann direkt drei Tage später weg bin. Es müssten viele Dinge zusammenpassen, damit ich am Ende wirklich gehe.