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"Jeder liebt den Underdog": Auckland City FC und die Belohnung Klub-WM

kicker

Die Underdog-Rolle ist bei der kommenden der FIFA Klub-Weltmeisterschaft klar verteilt. 32 Teams werden erstmals in den Vereinigten Staaten von Amerika bei der Premierenausgabe des neuen Modus teilnehmen. 31 davon sind professionelle Vereine - und dann gibt's noch den Vertreter aus dem Fußballverband Ozeanien, der einzige Amateurklub im Turnier: der Auckland City FC.

"Jeder liebt den Underdog und das damit verbundene Märchen", erzählte der ACFC-Geschäftsführer Gordon Watson, der mit den beiden Spielern Mario Ilich und Adam Mitchell beim Podcast The Club World Cup Show zu Gast war und den "Fußballexoten" einem breiteren Publikum vorstellte. Vor allem überwog dabei der Stolz: Für die drei sei allein die Qualifikation für die Klub-Meisterschaft wie der Gewinn des Turniers.

Erst zur Einführung der New Zealand Football Championship 2004 wurde die Mannschaft aus dem Vorort der größten Stadt Neuseelands gegründet, doch reichen die Wurzeln der "Navy Blues" bis in die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs zurück. In den 50er-Jahren begann damals alles noch unter dem Namen Jadran Yugoslav Sports Club - ein Erbe, auf das bis heute noch viel Wert gelegt wird.

Belohnung für über 200 Spiele

Relativ schnell nach seiner Gründung entwickelte sich der Verein zur dominierenden Kraft in Ozeanien und Neuseeland. Allein 13-mal konnte die OFC Champions League gewonnen werden - unter anderem die vergangenen vier Ausgaben. Damit ist man mit Abstand Rekordsieger. Zum Vergleich: Die nächst erfolgreiche Mannschaft hat zwei Siege zu Buche stehen. Die Teilnahme am Turnier ist so für den Auckland City FC eine Belohnung, vor allem jedoch ein "wahr gewordener Traum".

Über 200 Spiele bestritt der ACFC in den vergangenen vier Jahren, um diesen Traum zu verwirklichen - für eine international erfolgreiche Profimannschaft mittlerweile Usus, für den Amateurklub eine gigantische Herausforderung. So liefern die beiden Spieler Mitchell und Ilich, die als Immobilienmakler respektive Vertriebsmitarbeiter hauptsächlich ihren Lebensunterhalt verdienen, Einblicke in ihren Alltag. Die richtige Balance zu finden, ein Drahtseilakt: An den meisten Abenden steht Fußball erst von 18 bis 20.30 Uhr auf dem Tagesplan.

Ein surreales Erlebnis

Dementsprechend groß ist auch die Vorfreude auf die Reise über den Atlantik. "Wir sind die wahrscheinlich kleinste Mannschaft, die sich für die Klub-WM qualifizieren kann, seit es den organisierten Fußball gibt", ordnete Watson ein, "das ist die Skalierbarkeit dieser Mission". Normalerweise im 5.000 Zuschauer fassenden Stadion Kiwitea Street beheimatet, warten nun in den größten Stadien der Welt die besten Mannschaften.

Zwar ist es bei weitem nicht das erste Mal, dass die Neuseeländer an der Klub-WM teilnehmen, doch fühlt es sich in diesem Jahr anders an. Der größte Erfolg bei bis dato elf Teilnahmen war ein dritter Platz bei der Ausgabe 2014/15. Jedoch erhält die Premierenausgabe des neuen Modus eine besondere Wertigkeit. In der Gruppe C dürfen sich die "Navy Blues" mit den Fußballgrößen messen, namentlich Bayern München, Benfica Lissabon und den Boca Juniors.

Bis in die Gegenwart für die Protagonisten noch surreal: "Bevor die Auslosung bekannt wurde, waren wir skeptisch. Wir hatten gehofft, dass wir ein großes Team bekommen, das die ganze Welt kennt", erzählte Ilich, "aber drei von ihnen zu bekommen …". Erst, wenn "wir da rausgehen, vor den Spielen ein paar Hände schütteln und ihnen in die Augen schauen", wird es für die Spieler Realität.

Vorbild für eine ganze Region sein

Für Mitchell, der als einer der wenigen u. a. bei Roter Stern Belgrad Profierfahrung in Europa sammeln konnte, "ein großes Privileg". Dennoch müsse man realistisch bleiben. Eine Einschätzung, die alle im Verein teilen. "Bayern ist wahrscheinlich eine der fünf besten Mannschaften der Welt. Und wir sind die kleine Stadt Auckland unten in Ozeanien in Neuseeland", fügte Ilich an. So sei es für den Geschäftsführer Watson besonders wichtig, sich der Realität bewusst zu sein und auch bei der Anspruchshaltung gegenüber den Spielern aufzupassen.

Vielmehr zähle es, Vorbild zu sein und zu zeigen, dass man aus Auckland, Neuseeland bzw. Ozeanien stammt und sich gegen diese Mannschaften und Spieler messen kann. "Fußball ist ein beliebter Sport im Pazifikraum. Oft wird gedacht, Rugby sei der populärste Sport, aber in vielen Regionen ist es Fußball", führte Watson aus.

Dies zu beweisen, zählt es bei der Klub-WM: "Wir wollen einfach unsere Familien, unseren Klub und Ozeanien stolz machen", so das Ziel von Ilich und dem Auckland City FC. Doch könnte die Herausforderung kaum größer sein - besonders zum Auftakt: Am 15. Juni (18 Uhr) beginnt das Turnier für die Navy Blues mit dem Spiel gegen Bayern München in Cincinnati, ehe gegen Benfica Lissabon (20. Juni) und die Boca Juniors (24. Juni) weitere Chance warten, um Auckland, Neuseeland und vor allem Ozeanien der ganzen Welt zu präsentieren.