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Jena zwischen den Stühlen: Ein Streit um Hausrecht und Stadionverbote

kicker

Sportlich läuft es beim FC Carl Zeiss Jena. Die Thüringer liegen als Tabellenzweiter der Regionalliga Nordost in Lauerstellung hinter Spitzenreiter 1. FC Lok Leipzig, können schon am Freitag im Heimspiel mit einem Sieg gegen Liga-Novize BFC Preussen die Tabellenführung zumindest kurzzeitig zurückerobern.

Doch abseits des Geschehens auf dem Rasen brodelt es derzeit gewaltig. Es ist ein Streit entbrannt zwischen der Stadt Jena und den Ultras des FCC, der "Horda Azzuro", bei dem der Verein selbst zwischen die Fronten geraten ist. Ausgangspunkt waren die Randale beim Heimspiel in der vergangenen Saison gegen Chemie Leipzig. Hier war es hinter der Südtribüne zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Fans beider Lager und der Polizei gekommen. Monatelang ermittelte die Polizei, teilte ihre Ergebnisse dann zuerst der Stadt Jena mit. Deren Eigenbetrieb "Kommunale Immobilien Jena" ist der Eigentümer des Stadions. Und als solcher verteilte die Stadt mit Ordnungsdezernent Benjamin Koppe (CDU) an der Spitze gleich 61 Stadionverbote für diese Saison.

Ultras protestieren

Das brachte natürlich die Ultras auf die Palme, die ihrerseits zu Protesten aufriefen. Das gipfelte in einer 50-minütigen Spielunterbrechung bei der Partie gegen Chemnitz im September dieses Jahres. Die Fans hatten ihr Banner "unbeugsam und unverkäuflich" wie immer über die gesamte Breite ihres Blocks gehängt. Bislang wurde das geduldet, obwohl dadurch die Fluchttore zugehängt waren. Doch diesmal ordnete die Polizei und die Stadt an, dass die Partie unterbrochen werden soll, solange das Banner hängt. Fünf Minuten gab man den Ultras. Die zögerten das Schauspiel aber weitere 45 Minuten hinaus.

Der Klub selbst steht zwischen den Stühlen. Zum einen ist man an einem guten Verhältnis zur eigenen aktiven Fanszene interessiert, zum anderen will man es sich aber auch mit dem Vermieter nicht verscherzen. Dennoch klagte der Klub gegen die Stadt Jena vor dem Landgericht Gera. Nicht gegen die verhängten Stadionverbote, sondern dagegen, dass die Stadt das Hausrecht im Stadion habe. Der Standpunkt des Vereins ist, dass er als Mieter allein entscheiden könne, wer ins Stadion darf und wer nicht. Und tatsächlich: Die Richter gaben dem FCC erst einmal recht, verfügten, dass die Stadt künftig keine Stadionverbote mehr verhängen darf. Noch steht der Prozess aus, doch die Meinung des Gerichts scheint in diesem Punkt zementiert.

Widera deeskaliert

FCC-Geschäftsführer Patrick Widera war das Erlangen der Rechtssicherheit in diesem Punkt wichtig: "Es ging uns nicht darum, der Stadt Jena eine juristische Niederlage beizubringen - es ging um Klarheit und Rechtssicherheit, zumal die Zusammenarbeit mit der Stadt auf vielen Ebenen partnerschaftlich stattfindet und wir keinerlei Interesse an einer Fortführung der juristischen Auseinandersetzung haben", sagt er.

Das letzte Wort im großen Streit ist in Jena ganz sicher noch nicht gesprochen. Vielleicht kann der sportliche Erfolg die Fronten etwas aufweichen. Denn ganz sicher wünschen sich alle Beteiligten vor allem eines: Dass der Verein endlich wieder Richtung Profifußball schielen kann.