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Kampf oder Spielfreude? Schott Mainz auf der Suche nach dem richtigen Weg

kicker

Nicht, dass es ihr Ziel gewesen wäre. Aber viel hat nicht gefehlt, und der TSV Schott Mainz wäre nach dem ersten Spieltag Spitzenreiter der Regionalliga Südwest gewesen. Das gelang in den bisherigen vier Saisons, die der größte Breitensportverein von Rheinland-Pfalz in der niedrigsten Profi-Spielklasse zugebracht hat, noch nie. Einen Monat nach dem 4:0-Auftakt bei Mitaufsteiger Bayern Alzenau kam nur ein einziger weiterer Zähler hinzu. Nun heißt es vom nächsten Gegner SC Freiburg II (Sonntag, 14 Uhr), der Breisgauer Bundesliga-Unterbau sei "ebenfalls" nicht so gut gestartet. Was ist passiert?

Zunächst überdeckte das Resultat in Alzenau eine zwar effektive, aber alles andere als berauschende Leistung. Alle Tore entsprangen Standardsituationen. Gegen den Bahlinger SC (1:3) verschlief der TSV eine Halbzeit komplett. Beim SVG Freiberg meinte man, Mann gegen Mann auf dem ganzen Feld Druck machen zu können, und fing sich ein 0:4. Gegen die SG Barockstadt wurde weithin diszipliniert gearbeitet - ehe nach einer Ampelkarte aus der 2:1-Führung ein 2:4 wurde.

"Es war klar, dass wir Lehrgeld zahlen würden"

"Es war klar, dass wir Lehrgeld zahlen würden", sagt Dennis De Sousa Oelsner. Der Flügelstürmer kehrte nach fünf Jahren im Profifußball in seine Heimatstadt zurück, wurde mit Ulm Regional- und Drittligameister. Damals war der TSV Schott Sprungbrett, nun sieht sich der 29-Jährige selbst in der Rolle, jungen Kollegen Ratschläge zu geben. Wichtig, sagt De Sousa, ist, "dass wir unsere Schlüsse ziehen, die Naivität ablegen".

Auch mehr als 1.000 Einsätze in dritter und vierter Spielklasse, die der Kader auf die Waage bringt, ändern nichts daran, dass zumeist Mainzer Feierabendfußballer auf Halb- und Vollprofis treffen. Und da muss, wie Samuel Horozovic betont, alles passen für Punkte. Umso lieber nahm der TSV-Trainer das jüngste 2:2 beim FSV Frankfurt mit. Wieder nach Ampelkarte in Unterzahl, gelang noch das Ausgleichstor, trotz klarem Ballbesitz- und Chancenplus für die Hessen.

Welchen Weg wählt Horozovic?

Im Umfeld wird diskutiert, welche Herangehensweise zielführend ist - den Abstiegskampf mit der Betonung auf Kampf anzunehmen und den Spielstil simpel zu halten, oder inhaltlich an die vorige Rekord-Saison anzuknüpfen, als der beste Punkteschnitt der Oberliga RPS aller Zeiten heraussprang. Mit dominantem Fußball, offensivfreudig, hoch (gegen-)pressend und stetigen Systemwechseln.

Horozovic hat, wie De Sousa festhält, basierend auf der Schott-DNA "eine ganz eigene Spielphilosophie" entwickelt, von der der Neuzugang viel hält. "Er steht zu 100 Prozent hinter der Mannschaft und dem Verein, denkt pausenlos darüber nach, was man noch verbessern kann." Aus Perfektionismus einfache Lösungen zu machen, ist wohl die große Kunst für das große Trainer-Talent.

Die Voraussetzungen sind gut. Der Verein habe sich binnen der letzten fünf Jahre "extrem" weiterentwickelt, sagt De Sousa. Trainingsbedingungen, Infrastruktur, auch Kader-Qualität - professioneller kann man Amateursport kaum betreiben. Auf allen Positionen herrscht Konkurrenzkampf. Wobei die zweite Reihe beim mühsamen 5:2 bei Landesligist VfR Baumholder im Verbandspokal nur wenig Werbung für sich machen konnte. Und doch: "Wenn die Mannschaft sich weiter entwickelt, werden wir auch die Klasse halten", ist De Sousa überzeugt.