Neue Studie der FIFPro
Im Vergleich zu den 20er Ligen in England, Spanien und Italien, wo teilweise auch noch mehrere Pokalwettbewerbe ausgespielt werden, hat die Bundesliga mehr Spielraum im Kalender. "Schaut man sich jedoch die Mannschaften an, die an der Klub-WM teilnehmen, wird das Problem deutlich. Die Spieler haben keine vierwöchige Sommerpause und keine vierwöchige Saisonvorbereitung", kritisiert Alexander Bielefeld, der Direktor Strategie der internationalen Spielergewerkschaft FIFPro.
Die Organisation stellt heute eine wissenschaftliche Studie vor, an der 70 Mediziner und Leistungsdiagnostiker aus dem Fußball mitgewirkt haben. Eine vierwöchige Sommerpause und eine ebenso lange Saisonvorbereitung gehören zu den zwölf Schutzmaßnahmen, die nach Ansicht der Experten und der FIFPro für Fußballprofis eingeführt werden sollten.
„Mental ist es eine Aufgabe, sich alle drei Tage hochzupushen.“ (Joshua Kimmich)
Sie fordern die FIFA, die UEFA und die EU auf, Sicherheitsstandards zum Schutz der mentalen und physischen Gesundheit der Spieler festzulegen. "Es ist nicht mehr nachvollziehbar, dass es der Profifußball auf internationaler Ebene nicht schafft, einfachste Grundprinzipien zum Schutz von Leistung und Gesundheit einzuführen", kritisiert Bielefeld.
"Ich freue mich schon immer auf Spiele, jetzt war es ein bisschen schwierig, weil wir vor dem Turnier zehn Tage frei hatten, dabei fährt man mental herunter. Danach startet man wieder von null auf 100. Schließlich haben wir wieder 23 Tage frei und dann geht es wieder los. Mental ist es eine Aufgabe, sich alle drei Tage hochzupushen und auch am körperlichen Limit zu agieren", erläutert Joshua Kimmich, der mit dem FC Bayern am Sonntag bei der Klub-WM eingreift. Das Finale des Turniers ist für den 13. Juli terminiert.
"In Holland, Frankreich, Italien und England gibt es Tarifverträge, die konkrete Regelungen zur Sommerpause enthalten. Diese werden durch die neue FIFA-Veranstaltung zunichte gemacht", berichtet der FIFPro-Direktor. "Die Meinung von Coaches, Spielern und Sportwissenschaftlern zu den Mindeststandards ist eindeutig", so Bielefeld weiter.
Mindestgesundheitsstandards als Forderung
"Diese Studie präsentiert Sicherheitsstandards, die auf den wohl überlegten und unabhängigen Meinungen von Medizin- und Leistungsexperten basieren, die im Profifußball tätig sind und die psychischen und physischen Belastungen der Spieler verstehen", sagt Prof. Dr. Vincent Gouttebarge, medizinischer Direktor der FIFPro. "Wenn wir uns alle einig sind, dass Gesundheit an erster Stelle steht, dann sollten wir Maßnahmen ergreifen, um diese Schutzmaßnahmen umzusetzen."
73 Prozent der 70 Befragten sind bei Fußballvereinen beschäftigt, 27 Prozent arbeiten für Nationalmannschaften. Die meisten von ihnen sind seit mehr als zehn Jahren im Profifußball tätig, einige verfügen über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung.
Die internationale Spielergewerkschaft fordert die Einführung von Mindestgesundheitsstandards im Profifußball, "einer Branche mit nachweislich hohem Verletzungsrisiko". In vielen anderen Berufen gibt es bereits obligatorische Ruhezeiten, die auf den körperlichen Anforderungen und Verletzungsrisiken des jeweiligen Berufs basieren. Der Sport bildet hier eine Ausnahme.
VDV geht mit EU-Beschwerde gegen die FIFA vor
Mit Blick auf den aus ihrer Sicht übersättigten internationalen Spielkalender hat die deutsche Spielergewerkschaft VDV am Mittwoch eine Beschwerde gegen die FIFA bei der Europäischen Kommission eingereicht. Die Maßnahme richtet sich dagegen, dass die FIFA den internationalen Spielkalender vorgibt, ohne die Spieler oder deren Gewerkschaften hinreichend einzubeziehen und gleichzeitig selbst als Veranstalter von Wettbewerben wie der Weltmeisterschaft und der Klub-Weltmeisterschaft fungiert.
"Wegen der Eigenvermarktung hat die FIFA ein kommerzielles Interesse daran, dass in ihren Wettbewerben möglichst viele Spiele stattfinden. Leidtragende dieses Umstands sind insbesondere die Spitzenspieler, die durch zu viele Spiele und Flugreisen körperlich und mental überlastet werden", heißt es in einer VDV-Mitteilung.
VDV-Präsident Carsten Ramelow leitet daraus eine klare Forderung ab: "Ziel unserer Beschwerde ist es, dass die FIFA zukünftig dazu verpflichtet wird, die VDV bei Entscheidungen zum internationalen Spielkalender und zur Aufstockung beziehungsweise Einführung von internationalen Wettbewerben derart einzubinden, dass unsere Spielerinteressen in angemessener und hinreichender Weise berücksichtigt werden. Denn es darf nicht sein, dass die FIFA aus wirtschaftlichen Eigeninteressen ihre marktbeherrschende Stellung zum Nachteil der Spieler missbraucht."
Die FIFPro hatte im Juli 2024 eine ähnliche Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht.