Zumeist werden die Saisonziele im Fußball defensiv formuliert. Oft fällt das Wort Klassenerhalt, eine Spitzenposition wird dagegen selten öffentlich avisiert. Zu groß ist die Gefahr, dass einem die eigenen Worte bei Misserfolg um die Ohren fliegen. Anders ist die Lage beim TSV Kornburg: Die Mittelfranken haben ihren Punkteschnitt in den drei Jahren Bayernliga seit dem Aufstieg 2022 kontinuierlich verbessert und wollen in der vierten Saison noch besser als zuletzt Rang 8 abschneiden. Konkret heißt die Zielsetzung sogar: Platz 5 oder besser. "Wir sind ambitioniert. Da können wir natürlich nicht sagen, dass wir wieder Achter werden wollen", erklärt Trainer Hendrik Baumgart kurz und knapp die gestiegenen Ambitionen.
Punkte über Schönspielerei
Angst vor einer Retourkutsche hat der erfahrene Coach nicht - schließlich ist seine Mannschaft mittlerweile in der Bayernliga Nord angekommen. "Wir kennen alle Gegner und deren Plätze und wissen, worauf wir uns einstellen müssen", erläutert der 48-Jährige. Worauf der Übungsleiter hinauswill: Manchmal geben die äußeren Rahmenbedingungen wie ein schlechter oder ein kleiner Platz nicht die Voraussetzungen für einen gepflegten Fußball her.
In den Anfangsjahren versuchte sich der TSV dennoch zumeist am spielerischen Element und erntete dafür oftmals "Schulterklopfer", fuhr jedoch zu häufig ohne Zählbares nach Hause. Ein Umstand, auf den die Mittelfranken mittlerweile reagiert haben - oder wie Baumgart es ausdrückt: "Grundsätzlich wollen wir schon etwas mit dem Ball anbieten. Aber was bringt Schönspielerei, wenn nichts dabei rauskommt? Es gibt einfach Spiele in der Liga, da geht es nur um Kämpfen und Zerstören. Daher ist mir tatsächlich lieber, dass wir die Punkte holen und mal nicht so schön spielen als andersherum."
Entzerrt der Herbst die Tabelle?
Wie zuletzt im Derby beim Liga-Favoriten aus Eltersdorf: Dort agierten die Kornburger stabil in der Defensive und stachen vorn noch vor der Pause zweimal eiskalt zu. Am Ende hieß es 2:1 für den TSV, der sich somit im Soll befindet. "Wir sind auf einem guten Weg. In der Liga schlägt aktuell jeder jeden - auch wir haben zweimal leider etwas unglücklich verloren. Mehr nerven mich da tatsächlich die Unentschieden, von denen wir ein oder zwei Spiele hätten gewinnen müssen", beurteilt Baumgart die Situation nach knapp zehn Spieltagen.
Rein tabellarisch liegen die Kornburger somit im Mittelfeld, allerdings mit Kontakt nach vorn - ähnlich wie aktuell ein Großteil der Liga. Denn gleich die Hälfte der Teams ist innerhalb von wenigen Punkten platziert. Jene Balance erstaunt sogar den erfahrenen Übungsleiter: "Stadeln liegt als Aufsteiger vorn, dahinter ist es enorm eng und Eltersdorf als Top-Favorit hat schon dreimal verloren. Die enorme Ausgeglichenheit ist schon überraschend." Anders als in der vergangenen Saison, als ein Quartett frühzeitig der Liga davonlief, herrscht nun auch im oberen Drittel "eine extreme Dichte". Angenehmer Nebeneffekt dessen: Weil jede Mannschaft schon mehrfach gestolpert ist, bietet sich nach eigenen Ausrutschern die Chance "selbst wieder heranzukommen". Dennoch wird sich nach Baumgarts Einschätzung bis Ende Oktober die Spreu vom Weizen trennen: "In den nächsten vier bis fünf Wochen wird sich entscheiden, ob wir oben dranbleiben können oder ins Mittelfeld abkippen."
Viele Schultern tragen Dittrichs Abgang
Fehlen wird in diesen wichtigen Wochen Danilo Dittrich. Der 30-Jährige beginnt sein Referendariat im Süden Bayerns und hat sich bereits dem dortigen Landesligisten TSV Wasserburg angeschlossen. Ein schmerzhafter Verlust für Kornburg, der jedoch bereits einkalkuliert war. "Wir haben ihn schon zum Ende der Vorsaison verabschiedet und wussten, dass er, wenn überhaupt, sporadisch zur Verfügung stehen wird. Danilo war unser Schlüsselspieler im Zentrum - jetzt müssen eben alle etwas mehr Verantwortung übernehmen", sieht der Coach seine Truppe auf einem guten Weg.
Den durch den Wechsel ebenfalls freigewordenen Posten des Co-Trainers hat der Bayernligist dagegen schnell besetzt - und ist dabei seinem Weg treu geblieben: Mit Tim Olschewski ist erneut ein langjähriger und noch immer aktiver Spieler in den Trainerstab aufgestiegen. Gut aufgestellt ist der Klub aus dem Süden Nürnbergs somit in jedem Fall. Ob das Vorhaben Top-5 in den kommenden Monaten tatsächlich in Reichweite bleibt, entscheidet sich dagegen erst im anstehenden Herbst.