Eine 0:2-Niederlage in der Slowakei, ein zähes 3:1 in Köln gegen Nordirland. Die ersten beiden Spiele in der WM-Qualifikation zeigten schonungslos die Schwächen der der deutschen Nationalelf auf.
"Im Großen und Ganzen gesehen gehören wir aktuell nicht zu jenen Nationen, die die größten Ambitionen haben dürfen", sagte Toni Kroos in seinem Podcast "Einfach mal Luppen" mit seinem Bruder Felix. "Wir sind aktuell meilenweit davon entfernt, über den Weltmeistertitel zu sprechen." Besonders, wenn auch die Länderspiele im Sommer herangezogen werden, als Deutschland in der Nations League sowohl gegen Portugal (1:2) als auch gegen Frankreich (0:2) verlor. "Da haben wir gesehen, dass andere einfach besser sind."
Dennoch ist er nicht bereit, die Hoffnung auf ein gutes Abschneiden bei der WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada aufzugeben. "Denn diese ist erst im nächsten Sommer", sagte der 35-Jährige, der nach dem Aus bei der Heim-EM 2024 seine Karriere beendet hatte. "Wie oft habe ich im September oder Oktober gehört, warum Real Madrid in dieser Saison kein Favorit auf die Champions League ist", berichtete er aus seiner Zeit bei den Königlichen: "Und im Mai sah es dann ganz oft anders aus." Kroos hat insgesamt sechsmal die Königsklasse gewonnen, fünfmal alleine mit den Madrilenen.
Zudem hofft er, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann bei der WM weitere Alternativen zur Verfügung stehen. "Wenn wir die beste Elf aufbieten können", so Kroos, "dann, glaube ich, sind wir immer noch schwer zu schlagen." In der Slowakei und gegen Nordirland musste Nagelsmann unter anderem auf Jamal Musiala und Kai Havertz verzichten. Doch auch ohne diese Stammkräfte hätte sich Kroos andere Auftritte von der deutschen Nationalmannschaft erwartet: "Es muss, egal mit wem, gegen diese Teams natürlich viel, viel besser aussehen, viel, viel souveräner."
„Aktuell hat man das Gefühl, dass eine größere Angst vor Fehlern da ist.“ (Toni Kroos)
Mangelnde Mentalität oder gar Motivation wollte Kroos den deutschen Nationalspielern zwar nicht vorwerfen: "Ich würde niemals sagen, dass keiner Bock hat, diese Spiele zu machen", sagte er. Aber man könne sich "nun mal auf den Kopf stellen: Die Slowakei wird in einem Spiel gegen uns immer motivierter sein als wir." Und der deutschen Nationalmannschaft gelänge es augenblicklich nicht, gegen solche Gegner "qualitativ homogen genug zu spielen. Da reden wir nicht über die Qualität jedes Einzelnen, aber das Gesamte", erklärte er.
Den deutschen Nationalspielern mangelt es seiner Meinung nach derzeit an Überzeugung. "Das ist das, was fehlt", sagte Kroos: "Aktuell hat man eher das Gefühl, dass eine größere Angst vor Fehlern da ist." Und diese Angst hemme die Spieler und bewirke, "dass ein Bild nach außen entsteht, als wenn man nicht will, als wenn man nicht emotional bei der Sache sei."
Das derzeit abhanden gekommene Selbstvertrauen könne aber wieder zurückgewonnen werden, und die beste Medizin dafür ist klar: "Mit zwei guten Spielen vor der WM herrscht gleich wieder bessere Stimmung", so Kroos. Und über "Motivation brauchen wir dann bei einer WM nicht mehr zu reden".