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Luca Meisl: "Habe kein Verständnis, wenn es Richtung Hass geht"

kicker

"Für einige Fans war es sicher ein Schlag ins Gesicht. Ich habe mich zuletzt ein bisschen in die Thematik eingelesen, weil sie jetzt natürlich wieder aktuell ist." Unwissentlich hat sich Luca Meisl bestens auf das Gespräch mit dem kicker vorbereitet. Wobei der Innenverteidiger von der Interviewanfrage wohl nur bedingt überrascht wurde, ist er vor dem Spiel zwischen Liefering und Austria Salzburg (Sonntag, 10.30 Uhr) doch eigentlich der logische Gesprächspartner. Der nunmehrige Austria-Verteidiger durchlief viele Jahre die RB-Schule, feierte im Sommer 2016 im Liefering-Trikot sein Zweitliga-Debüt und stand ein Jahr später erstmals im Kader von Red Bull Salzburg.

"Uns hat es damals definitiv an nichts gefehlt. Wenn man andere Stationen erlebt, wird einem bewusst, welche Möglichkeiten man dort eigentlich gehabt habt", erinnert sich Meisl, der 2009 von seinem Kindheitsklub Kuchl in die Hochglanzwelt des Fußballs wechselte, an seine Zeit in der Red-Bull-Akademie. "Es ist alles ein Stück weit einfacher und daher kann man sich noch mehr auf den Fußball konzentrieren."

Zäsur vor 20 Jahren

Vier Jahre vor Meisls Eintritt in die Welt von Red Bull hatte das Fußballland Salzburg seine größte Zäsur erlebt. 2005 stieg der Getränkekonzern aus Fuschl erstmals bei einem Klub ein und veränderte den Sport damit für immer. Mittlerweile umfasst das RB-Imperium weltweit mehr als ein Dutzend Vereine - sichtbarer als bei Austria Salzburg sind die Nachwehen der Übernahme aber nirgendwo sonst auf der Welt.

Hatten die Fans des 1933 gegründeten Traditionsvereins das Interesse von Red Bull zunächst noch durchaus positiv aufgenommen, kam es schnell zum totalen Bruch. Neuer Name, neues Wappen, neue Vereinsfarben - mit der "alten" Austria wollte Red Bull nichts zu tun haben, woraus das Unternehmen schon im Sommer 2005 keinen Hehl machte: "Keine Kompromisse. Das ist ein neues Team, ein neuer Klub. Es gibt keine Tradition, es gibt keine Geschichte, es gibt kein Archiv." Es folgte die Abspaltung großer Teile der Fanszene und am 7. Oktober 2005 die Neugründung der Austria.

„Wir müssen nicht darüber reden, wo der Verein eigentlich stehen müsste. Mit dieser Tradition und mit diesen Fans gehört Austria Salzburg in die Bundesliga.“ (Luca Meisl)

Nach 20 chaotischen Jahren - Insolvenz und Zwangsabstieg inklusive - ist bei der Austria vorerst so etwas wie Ruhe eingekehrt. Der Aufstieg in die 2. Liga soll nur der erste Schritt zurück in den Profifußball gewesen sein. "Wir müssen nicht darüber reden, wo der Verein eigentlich stehen müsste. Mit dieser Tradition und mit diesen Fans gehört Austria Salzburg in die Bundesliga", weiß auch Meisl um das Selbstverständnis des Klubs. Dafür müsse im Stadtteil Maxglan aber noch einiges getan werden. "Vieles ist aktuell noch nicht auf dem Niveau, um wirklich von Profifußball reden zu können. Damit meine ich natürlich in erster Linie die Stadion-Thematik, aber auch die Organisation im Klub ist noch etwas amateurhaft. Die Anhängerschaft ist dafür erstklassig und allerhöchstes Niveau in Österreich."

RB-Vergangenheit spielte "kaum eine Rolle"

Für das Spiel bei Liefering, dem Farmteam von Red Bull Salzburg, haben sich Vereinsangaben zufolge trotz der ungünstigen Anstoßzeit bereits mehr als 4000 Fans angekündigt. "Eine gesunde Rivalität finde ich richtig gut. Ich habe nur kein Verständnis dafür, wenn es Richtung Hass geht. Da bin ich auch jemand, der das aktiv unterbindet, wenn ich das mitbekomme", erklärt Meisl vor dem emotional aufgeladenen Duell in Wals-Siezenheim. Das allererste Derby zwischen der Austria und Red Bull Salzburg im Sommer 2023 verlief jedenfalls ohne nennenswerte Ausschreitungen.

Die Rivalität zwischen den beiden Vereinen ist freilich dennoch riesig. Für Meisl habe seine Vergangenheit beim Erzfeind vor der Unterschrift bei Austria Salzburg aber "kaum eine Rolle" gespielt: "Ich überlege bei meinen Entscheidungen grundsätzlich nicht, was Leute von außen davon halten. Das ist mir ziemlich egal. Es ist mir eher wichtig, wie ich die Aufgabe selbst sehe. Meine Red-Bull-Vergangenheit ist ein Teil von mir. Gleiches gilt auch jetzt für die Zeit bei Austria Salzburg. Es macht mich stolz, für so einen Klub mit so einem Namen auflaufen zu dürfen."

"Blöde Kommentare" habe er bis dato nicht registriert. "Natürlich ist mir klar, dass meine Vergangenheit bei einigen Austria-Anhängern nicht große Freude hervorruft. Aber ich habe mich für diese Aufgabe entschieden, weil ich mithelfen möchte, den Verein zu professionalisieren und ihn dorthin zu bringen, wo er einmal war. Ich kann nur meine Leistung auf dem Platz beeinflussen, darauf konzentriere ich mich. Dadurch kann ich vielleicht auch den einen oder anderen Fan davon überzeugen, dass ich der richtige Mann bin." Mit der großen Unterstützung der eigenen Anhängerschaft mache das Fußballspielen aktuell jedenfalls "sehr viel Spaß".

Meisl und Austria Salzburg finden in die Spur

Über ein Jahr lang konnte Meisl seiner größten Leidenschaft nicht nachgehen. Der Innenverteidiger zog sich im April 2024 einen Kreuzbandriss zu und verließ Absteiger Austria Lustenau nur wenige Monate später. "Es war ein sehr lehrreiches Jahr. Auch wenn es sich vielleicht komisch anhört: Es hat irgendwie gutgetan, eine Zeit lang aus dem Geschäft Fußball draußen zu sein, wobei es natürlich auch Aspekte gibt, die als vereinsloser Spieler nicht so lustig sind", blickt Meisl zurück. "Ich habe die Zeit sehr gut genutzt und das Gefühl, für die kommenden Jahre gerüstet zu sein. Ich fühle mich gesundheitlich so gut wie noch nie."

„Für mich war die oberste Prämisse, wieder auf dem Platz zu stehen und das zu machen, was ich am liebsten tue: Fußball spielen.“ (Luca Meisl)

Auch mit der Austria hat Meisl nach Startschwierigkeiten in die Spur gefunden. Auf zwei Niederlagen ließen die Violetten zuletzt zwei Siege und ein Unentschieden folgen. "Ich habe gewusst, dass wir im Vergleich zu den anderen Mannschaften vielleicht nicht die höchste Qualität haben, aber es sind alle gewillt, hier etwas zu erreichen. Damit kann man einiges wettmachen", meint der 26-Jährige. "Für mich war die oberste Prämisse, wieder auf dem Platz zu stehen und das zu machen, was ich am liebsten tue: Fußball spielen." An ein Karriereende habe er nie gedacht.

Dass die Verantwortlichen um Sportdirektor Roland Kirchler, der wie Meisl einst für Red Bull Salzburg spielte, den Innenverteidiger nach Maxglan lotsten, erwies sich bislang für beide Seiten als Glücksgriff. Der 26-Jährige verpasste noch keine einzige Pflichtspielminute und führte den Aufsteiger zuletzt mehrmals als Kapitän aus Feld. Meisl will auf und neben dem Platz Verantwortung übernehmen - und mahnt vor dem Duell mit Liefering daher zur Vernunft: "Es sollte eigentlich darum gehen, dass das Bundesland Salzburg jetzt zwei große Klubs hat. Ich glaube nicht, dass wir uns gegenseitig im Weg stehen sollten. Daher hoffe ich, dass am Sonntag alles friedlich abläuft, weil in der Welt eh schon genug Blödsinn passiert ..."