Eine ruhige Sommerpause ohne Schlagzeilen? Darauf muss Lina Magull verzichten. Seit ihrem Depressionsbekenntnis Anfang der vergangenen Woche steht die aus der Nationalmannschaft zurückgetretene 30-Jährige wieder verstärkt im Blickpunkt. Im Podcast "Wie geht's?" hatte sie über schwerwiegende mentale Probleme gesprochen.
Das Gespräch mit dem kicker über viele andere Themen fand kurz davor statt. Denn Magull hat einiges zu berichten - etwa von ihrem Leben in Italien.
"Die Saison war mit Höhen und Tiefen verbunden", rekapituliert Magull die vergangenen Monate bei Inter Mailand: "Am Ende rege ich mich sogar auf, dass wir nicht Meister geworden sind. Wir waren nah dran. Denn wir haben gegen Juventus (den späteren Titelträger, Anm. d. Red.) viermal gespielt, davon zweimal gewonnen - bei einem Remis. Aber gegen die etwas schwächeren Mannschaften haben wir Punkte liegen lassen."
Zum Beispiel kosteten drei Niederlagen gegen den Vierten der Abschlusstabelle, die AC Florenz, eine noch bessere Platzierung als die Vizemeisterschaft. In Italien wird die 10er-Liga im Frühjahr in eine Meisterrunde und eine Abstiegsrunde aufgeteilt, weswegen gegen ähnlich starke Mannschaften vier Duelle in einer Saison zustande kommen.
"Wir haben immer mehr in unsere Spielidee hineingefunden", findet Magull, die im Oktober noch Kritik auch am Trainerteam geübt hatte: "Ich bin mit dem Prozess, den wir in der Saison durchlaufen haben, sehr zufrieden."
„Da müssen wir in Deutschland noch mal ein paar Jahre zurückgehen. So ist es dann ungefähr.“ (Lina Magull über das Niveau der Serie A femminile)
Auch abseits des Platzes hat die gebürtige Dortmunderin ihr Glück wiedergefunden. "Italien ist ein Land, das ganz gut zu mir passt. Auch in den vergangenen Jahren habe ich immer versucht, das Leben drumherum auch mitzunehmen und nicht so steif auf den Fußball fokussiert zu sein", blickt sie kurz zurück: "Und das Leben dort, 'la dolce vita', das passt schon sehr gut. Ich mag es sehr, andere Kulturen mitzuerleben."
Das Niveau der Serie A femminile habe sich spürbar verbessert. Zudem arbeite die Liga "aktiv an ihrer Weiterentwicklung - unter anderem durch ein neues Ligaformat und eine strategische Neuausrichtung". Mit der Bundesliga vergleichen könne man die italienische Liga aber nicht, sagt Magull: "Da müssen wir in Deutschland noch mal ein bisschen zurückgehen. So ist es dann ungefähr. Leider haben wir noch nicht so eine große Strahlkraft wie aktuell in Deutschland. Es war auch ein bisschen meine Ambition, da hinzugehen, wo man eben noch mal was bewegen kann."
Bei Inter kann sie das, gehört zu den Schlüsselspielerinnen ihres Teams. Die Teilnahme an einem Miniturnier, über das sich Mailand für die Champions-League-Ligaphase qualifizieren kann, sei ein "Meilenstein", findet Magull - schließlich habe der Klub erst seit 2018 überhaupt eine Frauen-Mannschaft.
Eine Rückkehr in die Bundesliga möchte die dreimalige Deutsche Meisterin nicht ganz ausschließen, "aber konkret plane ich es gerade nicht". Auch an ein Karriereende denkt sie noch keineswegs. "Es wäre schön, wenn noch drei, vier, vielleicht sogar fünf Jahre dazukämen", sagt Magull.
Unter Wück deutete sich kurz Hoffnung für Magull an
Schließlich kann sie sich seit ihrem Rücktritt aus der Nationalmannschaft im März komplett auf den Vereinsfußball konzentrieren. "Ich bin in einem Alter, in dem ich achtsamer mit mir geworden bin: 'Was tut mir gut? Was tut mir nicht gut?'", erklärt Magull: "Natürlich war die Entscheidung sehr schmerzhaft und traurig, aber gleichzeitig auch eine Erleichterung für mich."
Im Februar 2024 war die offensive Mittelfeldspielerin vom damaligen Bundestrainer Horst Hrubesch nicht mehr zur Nationalmannschaft eingeladen worden. "Aus meiner Sicht war die Entscheidung damals natürlich nicht leicht nachzuvollziehen - dazu stehe ich auch", sagt Magull: "Dennoch gab es Gründe, weshalb Horst sich so entschieden hat, und die habe ich akzeptiert." Sie selbst habe ihre Rolle im DFB-Team zu diesem Zeitpunkt "noch als sehr wichtig" empfunden. "Letztlich wollte der DFB den Weg mit anderen Spielerinnen auf meiner Position weitergehen - und das respektiere ich."
Unter Hrubeschs Nachfolger Christian Wück deutete sich kurzzeitig Hoffnung an. Ende Oktober nominierte er Magull für das Testspiel gegen Australien nach. Doch dabei blieb es, mehr Berufungen kamen nicht.
Magull hat drei Top-Favoriten für die EM
Wück habe ihr keine Begründung geliefert, sagt die 77-malige Nationalspielerin (22 Tore): "Die bekommt man eben manchmal nicht. Natürlich hatte ich insgeheim gehofft, dass es weitergeht. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich dann akzeptiert, dass sich meine Rolle verändert hat."
Eigentlich wollte sich Magull trotzdem bereithalten, änderte ihren Plan aber: "Anfang 2025 kam der Gedanke auf, den Rücktritt selbst in die Hand zu nehmen - zu einem Zeitpunkt, an dem ich diese Entscheidung noch aktiv und selbstbestimmt treffen kann", erläutert sie.
Klar, dass sie das deutsche Gelingen bei der anstehenden Europameisterschaft (2. bis 27. Juli in der Schweiz) dennoch genau verfolgt. Spanien und England nennt Magull als Top-Favoriten - und nimmt Deutschland im gleichen Atemzug auch mit dazu. "Eine genaue Prognose ist schwierig", sagt sie: "In den vergangenen Monaten gab es sowohl starke als auch weniger überzeugende Spiele. Entscheidend wird eine gute Vorbereitung sein - dann traue ich der Mannschaft einiges zu."