Aufstiegsspiele in die nächsthöhere Ligastufe sind ein Thema, das nicht nur in den Regionalligen für Gesprächsstoff sorgt. Auch im Amateurfußball, besonders in den unteren Ligen, ist der Aufstieg oft mit einer zusätzlichen Qualifikationsrunde - in manchen Fällen sogar mehreren - verbunden. So auch in einer Kreisliga im Herzen Mittelfrankens.
In der zweiten Aufstiegsrunde zur Bezirksliga sollte der Aufstieg im Dreiervergleich zwischen den Vizemeistern Türkspor Nürnberg (Kreisliga Nürnberg/Frankenhöhe 2), SV Tennenlohe (Kreisliga Erlangen-Pegnitzgrund) und der DJK Göggelsbuch (Kreisliga Neumarkt/Jura) entschieden werden. Am Ende dieser, in der jedes Team einmal Heimrecht genießen sollte, würden zwei Mannschaften in die Bezirksliga aufsteigen.
Göggelsbuch muss zwei Tore aufholen
Zum Auftakt besiegte Türkspor Nürnberg den SV Tennenlohe mit 4:3. Im zweiten Spiel setzte sich dann Tennenlohe mit 4:2 gegen Göggelsbuch durch. Damit stand der SV Tennenlohe als erster Aufsteiger fest, denn in dieser Konstellation konnten nur noch die DJK Göggelsbuch oder Türkspor - die im letzten Spiel aufeinandertreffen sollten - am SVT vorbeiziehen. Nach der 2:4-Niederlage im ersten Spiel stand Göggelsbuch nun unter Zugzwang und brauchte gegen Türkspor Nürnberg einen Sieg mit mindestens zwei Toren Vorsprung, um am Ende noch an den Nürnbergern vorbeizuziehen.
Im Aufstiegsshowdown am vergangenen Freitag stand es nach 81 Minuten 1:1. Türkspor war damit klar auf Aufstiegskurs. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Nürnberger in den beiden Partien vier Punkte gesammelt, Tennenlohe drei und Göggelsbuch nur einen.
Eine klare Sache also? Nicht ganz. Eine Regelung in den Durchführungsbestimmungen ließ das Sportliche in diesem Aufstiegsshowdown zur Nebensache werden. Denn dort ist festgelegt, dass jedes Spiel einen Sieger haben muss. Bei einem Unentschieden folgt eine Verlängerung - auch wenn diese tabellarisch gar nicht erforderlich gewesen wäre.
Diese Vorzeichen waren es, die schließlich für eine groteske Schlussphase sorgten. Göggelsbuch ging bewusst nicht mehr auf den 2:1-Siegtreffer, in dem Wissen, dass man in der 30-minütigen Verlängerung, die nur bei einem 1:1 anstehen würde, bessere Chancen darauf hätte, einen Zwei-Tore-Vorsprung herauszuschießen. Türkspor dagegen bot sich die absurde Option, kurz vor Schluss ein Eigentor zu erzielen. Denn selbst bei einer 1:2-Niederlage stünden die Nürnberger ja noch vor den Göggelsbuchern, mit dem Unterschied, dass dann auch die Verlängerung entfallen und der Aufstieg perfekt gewesen wäre.
„Es kann nicht sein, dass man als Spieler überlegen muss, ein Eigentor zu schießen, damit man seiner Mannschaft hilft und dadurch aufsteigt.“ (Türkspors Kapitän Emirhan Karaaslan)
Ein derart unsportliches Szenario blieb aus - zum Leidwesen der Nürnberger, die in der Schlussphase tatsächlich noch zwei Treffer kassierten und letztlich den Aufstieg in die Bezirksliga verpassten.
Türkspor empört: "Absurde Lage"
Die Empörung nach Abpfiff waren erwartungsgemäß groß: "Es kann nicht sein, dass man als Spieler überlegen muss, ein Eigentor zu schießen, damit man seiner Mannschaft hilft und dadurch aufsteigt", schilderte Türkspors Kapitän Emirhan Karaaslan die Geschehnisse gegenüber fußballn.de und führte aus. "Auch, dass wir bei einem normalen Dreiervergleich als eigentlich beste Mannschaft mit vier Punkten nicht in die Bezirksliga aufsteigen, ist sportlich gesehen für mich absolut nicht logisch oder nachvollziehbar."
Der Verein äußerste sich wenig später mit einem emotionalen Statement auf Social Media: "Ungeschlagen - trotzdem nicht aufgestiegen? Wir haben nicht verloren - ein Spiel gewonnen, eins unentschieden. Und dennoch: Kein Aufstieg in die Bezirksliga. Warum? Weil ein völlig intransparenter Modus uns in die absurde Lage gebracht hat, dass ein Eigentor in der Nachspielzeit den Aufstieg bedeutet hätte. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden - aus Überzeugung".
Türkspors Fußball-Abteilungsleiter Muarrem Demir kündigte an, "diese Entscheidung und die Geschehnisse rechtlich überprüfen zu lassen".
Noch am Wochenende hatte der Kreisvorsitzende Nürnberg/Frankenhöhe, Thomas Raßbach, laut fußballn.de einen Eilantrag auf Eingruppierung von Türkspor Nürnberg in die Bezirksliga an den Bezirksspielausschuss (BSA) gestellt. Dieser sollte in einer am Sonntag einberufenen Sitzung darüber diskutieren. Allerdings nicht mit dem erhofften Ergebnis. Bezirksspielleiter Felix Böck verwies den Fall an das Bezirkssportgericht. Dieses wies die Zuständigkeit allerdings sofort zurück. Der Ball liegt also wieder beim BSA.
Mittlerweile soll Raßbach das Dilemma auch an Verbandsspielleiter Josef Janker herangetragen haben, mit der Bitte, so fußballn.de, Türkspor Nürnberg "im Sinne des Fußballsports in Mittelfranken" in die Bezirksliga einzugliedern.