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Mit voller Familienpower zur Kanone: Wenderdel-Brüder erobern die 7. Liga

kicker

Wenn in den nächsten Wochen der Name des Gewinners auf die "Torjägerkanone® für alle" der 7. Ligen eingraviert wird, ist der Vorname diesmal unverzichtbar. Beim SV Rhenania Bottrop hören nämlich gleich drei Spieler auf denselben Nachnamen: die Brüder Niklas, Kevin und Dominik. Letzterer trägt inzwischen den Nachnamen Muris, was den Kreis der potenziellen Kanonen-Anwärter bereits verkleinert. Für echte Furore in dieser Saison sorgte sein jüngerer Bruder Niklas - und genau dessen Name wird bald einen Ehrenplatz auf einer der insgesamt 13 Trophäen einnehmen.

Mit 53 Toren in 33 Spielen setzte sich der 24-jährige Industriekaufmann eines großen Energieversorgers mit einem deutlichen Vorsprung an die Spitze des bundesweiten Siebtliga-Rankings. Sein ärgster Verfolger Fabian Geckle vom Karlsruher Amateurklub SpVgg Durlach-Aue kam "nur" auf 44 Treffer.

"Das ist der Verdienst einer ganzen Saison", zeigt sich Niklas Wenderdel stolz - doch die Lorbeeren will er nicht allein für sich beanspruchen. "Nicht nur mein Verdienst, sondern der der gesamten Mannschaft. Der Titel zeigt, dass sich all die Trainingsarbeit und der Einsatz gelohnt haben - immer hinzugehen und jedes Mal 100 Prozent zu geben."

Die Familien-Connection

Das Geheimnis dieser erfolgreichen Saison liegt in der Harmonie innerhalb der Mannschaft, die sich personell in den letzten beiden Jahren kaum verändert hat. Das Herzstück dieser gut geölten Maschine ist eine "perfekte Familienachse". Niklas Wenderdel spielt - wenig überraschend - im Sturm und ist fürs Toreschießen zuständig, sein älterer Bruder Kevin organisiert das Spiel mit "unglaublicher Ruhe am Ball" von hinten. Als Bindeglied agiert "Dauerläufer" Dominik.

Übrigens gibt es noch ein weiteres Familienmitglied im Team von Rhenania Bottrop: Torwart Niklas Schumacher ist der Patenonkel von Kevins Kindern. Kein Wunder also, dass sich so viele Akteure auf dem Platz fast schon blind verstehen.

Abseits des Rasens kommt es dagegen schon hin und wieder zu Meinungsverschiedenheiten. "Dominik ist Schalke-Fan, Kevin und ich sympathisieren mit dem BVB. Als der BVB 2017/18 das 4:0 verspielt hat, mussten wir uns kleine Sticheleien gefallen lassen. Umgekehrt war es dann auch auch so, als Schalke 04 den Gang in die 2. Bundesliga antreten musste", lacht Niklas Wenderdel.

Dass zu all den Teamfähigkeiten auch eine gewisse individuelle Klasse gehört, um am Ende der treffsicherste Stürmer Deutschlands zu werden, ist Wenderdel natürlich bewusst. Neben seinem starken Antritt sei es vor allem sein Raumgefühl, das ihn so torgefährlich mache. "Ich erkenne und reiße Lücken, in die ich laufen muss, um zum Abschluss zu kommen", erklärt der Stürmer. Verbesserungsbedarf sieht er hingegen beim Abschluss mit seinem schwächeren rechten Fuß. Hier habe er noch mit einer "zu großen Streuung zu kämpfen", lacht der Angreifer, der trotz einiger Angebote seinen Verbleib bei Rhenania angekündigt hat.

Die Familien-Connection wird ab Sommer dennoch einen kleinen Dämpfer erhalten. Niklas' ältestes Bruder Kevin wird nach dem Aufstieg in die Landesliga nicht weiter für Bottrop spielen, um mehr Zeit für seine Kinder zu haben.

In Kilics Dönerladen: Die Kanone "immer vor Augen"

Über die gesamte Saison hinweg hatte Niklas Wenderdel die "Torjägerkanone® für alle" fest im Blick - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Gemeint ist damit nicht nur das Ranking, das er nach jedem Spieltag aufmerksam verfolgte. Nur rund 100 Meter von seiner Arbeitsstelle entfernt konnte er die schneeweiße Trophäe in der Mittagspause sogar leibhaftig unter die Lupe nehmen.

Emre Kilic, der Vorjahres-Gewinner der "Torjägerkanone® für alle" aus den 9. Ligen, hat das gute Stück nämlich in seinem Dönerladen ausgestellt. Weil der pfeilschnelle Stürmer, der letztes Jahr 82 Tore für Rot-Weiss Essen II erzielt hatte, ein guter Bekannter und ehemaliger Mannschaftskollege von Wenderdel ist, bekam dieser die Trophäe regelmäßig aus nächster Nähe zu Gesicht.

"Ich laufe sozusagen jeden Tag an der Kanone vorbei", lacht Wenderdel. "Ich habe mit Emre zusammen bei Rhenania Bottrop und Fortuna Bottrop zusammengespielt. Auch danach waren wir noch ab und zu in Kontakt. Als ich dann selbst im Ranking vorne stand, habe ich ihm geschrieben. Die Kanone immer vor Augen zu haben, war auf jeden Fall ein großer Ansporn für mich, sie irgendwann selbst zu gewinnen."

Nun wandert also die nächste Kanone nach Bottrop. Anders als Kilic hat der 24-Jährige noch keinen würdigen Platz für die Kanone ausgemacht. Doch egal, wo die Trophäe letztlich stehen wird - für Niklas Wenderdel ist sie weit mehr als nur ein Dekostück. Sie ist der Lohn für unermüdlichen Einsatz, für Teamgeist und Familienzusammenhalt.