Aus Hoffenheims Trainingslager im österreichischen Seefeld berichtet Michael Pfeifer
Dieser ohnehin lange Schlaks kommt nun noch deutlich wuchtiger daher. In die Länge sei er nicht mehr gewachsen, versichert der 1,94-m-Hüne, "aber ein bisschen in die Breite." Was nicht etwa bedeutet, dass der U-19-Nationalstürmer nach der EM in der Sommerpause geschlampt hat, im Gegenteil. Max Moerstedt wirkt deutlich athletischer. Und das hat seinen Grund.
"Ich habe fünf, sechs Kilo draufgepackt"
"Ich habe gemerkt, auch in Absprache mit dem Verein, dass ich noch ein bisschen mehr Muskelmasse brauche, damit ich einfach stabiler werde, denn die Verteidiger in der Bundesliga sind nicht so der Spaß", bestätigt Hoffenheims Eigengewächs, "deswegen muss man dagegenhalten. Ich habe tatsächlich fünf, sechs Kilo draufgepackt und fühle mich wirklich stabiler. Dabei ist mein Körperfettanteil noch mal runtergegangen."
Das sollen im Training die Konkurrenten und alsbald die gegnerischen Abwehrspieler zu spüren bekommen. "Ich fühle mich fitter und robuster in den Zweikämpfen und durchsetzungsstärker", versichert Moerstedt und lässt auch im übertragenen Sinne die Muskeln spielen, "ich bin nicht mehr der kleine Junge, der zum ersten Mal dabei ist, ich habe schon auch meinen Anspruch. Der ist, Spielzeit zu bekommen und Scorer in der Bundesliga zu sammeln."
"Der Bessere spielt - fertig"
Ein dutzend meist kurze Einsätze waren ihm in der Liga in der komplizierten vergangenen Saison gegönnt, sieben Mal durfte er auch in der Europa League ran und erzielte dabei sein erstes Pflichtspieltor für die TSG. Nun sollen es mehr werden, schließlich hat sich der Hüne als Torjäger in den deutschen U-Teams längst einen Namen gemacht. Das soll nun auch im Seniorenbereich richtig anrollen. Doch die Offensivabteilung der Hoffenheimer ist stark bestückt, und mit Tim Lemperle und Fisnik Asllani kamen erst zwei Konkurrenten neu dazu. "Das ist für mich nicht so das Thema, denn ich weiß, was ich kann", betont Moerstedt, "ich weiß, dass ich mich durchsetzen möchte, da ist Konkurrenz auch gut, daran kann man sich hochziehen - der Bessere spielt, fertig."
Kuriose U-19-EM
Auf die bei anderen Talente gerne gewählte Variante einer Leihe etwa in die 2. Liga hat man bei der TSG in seinem Fall bewusst verzichtet. Zudem wurden Moerstedt die Perspektiven und Chancen klar skizziert. "Die schätze ich gut ein, ich habe ja mit dem Verein Rücksprache gehalten, wie es aussehen soll", verrät Moerstedt, "das war positiv, und bis jetzt ist alles so eingetreten, wie es sollte, deswegen bin ich glücklich soweit."
Auch das kuriose EM-Aus mit der U 19 hat er mittlerweile verwunden. Da hatte die DFB-Elf offensiv durchaus überzeugt, aber defensiv zu viel zugelassen und etwa gegen die Niederlande 0:3 verloren, gegen England 5:5 gespielt und im Halbfinale gegen Spanien 5:6 verloren. "Spanien, das hat schon wehgetan, aber wir waren defensiv einfach zu schwach", gesteht Moerstedt, "als Kollektiv haben wir es nicht gut verteidigt. Wenn du fünf Tore gegen England schießt und fünf gegen Spanien und keines der beiden Spiele gewinnst, wird es halt schwer, eine EM zu gewinnen. Bei der U 17 konnten wir noch die Gegentorquote sehr gering halten und die Turniere deswegen gewinnen." Damals war Moerstedt U-17-Europa- und -Weltmeister geworden und hatte mit Hoffenheims U 19 zudem das Double geholt.