Es ist eine Phase, die wohl jeder Trainer einmal in seiner Karriere durchläuft: Die Mannschaft spielt grundsätzlich ordentlich, allerdings fehlen die Ergebnisse. Und sukzessive rutscht man in eine Negativspirale, deren Ursachen gar nicht so einfach zu bekämpfen sind.
Zu beobachten ist dies aktuell bei Martin Dausch und seinem TSV Kottern, den der 39-Jährige in seiner zweiten Saison in der Bayernliga Süd coacht. Im Premierenjahr war seine Truppe mit vier Siegen gestartet und mischte lange ganz vorne mit - derzeit heißt die Realität dagegen unteres Tabellendrittel.
„Wenn wir wüssten, was schief läuft, würden wir es direkt abstellen.“ (Martin Dausch)
Wie man dagegen ankommt? Ein Pauschalrezept gibt es eher nicht. "Wenn wir wüssten, was schief läuft, würden wir es direkt abstellen", schmunzelt der Ex-Profi, der aus der Erfahrung von knapp 200 Dritt- und Zweitligapartien immerhin ganz andere Situationen gewohnt ist und dennoch Klartext redet: "Druck ist das falsche Wort - allerdings wird derzeit weder in meinen Augen noch in denen der Verantwortlichen die Erwartungshaltung erfüllt. Wir betreiben viel Aufwand, daher ist es sehr unbefriedigend, wie es aktuell läuft."
Verschärfter Abstiegskampf über Quervergleich
Zuletzt verloren die Allgäuer gegen den FC Schwaig bereits das dritte Heimspiel der Saison gegen einen Aufsteiger. "Die Bayernliga ist keine schlechte Liga - da gibt es keinen einfachen Gegner", sieht Dausch die diesjährigen Neulinge weit entfernt von Pflichtaufgaben. Stattdessen stehen mit Türkspor Augsburg und dem letztjährigen Regionalligisten Türkgücü München auch andere gestandene Truppen im Tabellenkeller. "Die werden sich allerdings ebenso noch strecken - am Ende wird es aus meiner Sicht sowohl oben wie unten sehr ausgeglichen zugehen. Da wird keiner durchmarschieren und andersherum keiner gnadenlos abfallen", schätzt der 39-Jährige die Lage ein.
Erschwerend kommt in dieser Saison dazu, dass es für den schlechteren 16. der beiden Bayernligen ebenfalls direkt nach unten geht - folglich greift der Strohhalm des vorletzten Platzes in der aktuellen Spielzeit nicht zwingend. Und auch, wenn ein solches Szenario in der Hinrunde noch weit entfernt ist: Stand heute wäre es der TSV Kottern, der im Quervergleich zur Nordstaffel tatsächlich in jenen sauren Apfel des Abstiegs in die Landesliga beißen müsste.
„Vorne machen wir aber die Tore nicht und hinten hat es der Gegner viel zu einfach.“ (Martin Dausch)
Dabei ist der Mannschaft zumeist kein großer Vorwurf zu machen. "Wir waren in keinem Spiel chancenlos, sondern durchweg nahezu auf Augenhöhe. Vorne machen wir aber die Tore nicht und hinten hat es der Gegner viel zu einfach", bilanziert der Coach. Beispiele gibt es defensiv wie offensiv einige: Beim Tabellenführer aus Kirchanschöring (1:4) schenkte man unter anderem ein Gegentor nach einem verunglückten Rückpass zum Keeper her.
Kaum weniger ärgerlich lief es zuvor: In Erlbach (0:0) vergab der TSV kurz vor Schluss die Riesenchance auf den Sieg, gegen Heimstetten (2:2) wurde dagegen eine 3-gegen-1-Situation "weggepfiffen" - zwei Siege in jenen beiden Partien und die Elf um Kapitän Matthias Jocham stünde im gesicherten Mittelfeld. "Momentan fehlt uns ganz einfach mal der Lucky Punch", hadert der Trainer und würde wohl auch einen dreckigen Sieg mit Handkuss entgegennehmen.
Kleine Ursachen, große Wirkung
Doch in Summe sind es viele Kleinigkeiten, die das Pendel derzeit zumeist gegen die Allgäuer ausschlagen lassen: Da wäre einerseits der Abgang dreier Leistungsträger, die für den TSV noch immer "schwer aufzufangen" sind. Andererseits herrschte im verbliebenen Kader bisher ebenso wenig Kontinuität: Kleinere Verletzungen und die Urlaubsphase im Sommer sorgten vor allem im Abwehrverbund immer wieder für Ausfälle. "Dadurch wurde unsere Routine ein bisschen durcheinander gewürfelt. Und so sind wir jetzt in einem unruhigen Fahrwasser, in dem wir die Spiele nicht mehr positiv gestalten können. Das ist im Fußball leider meistens so, wenn man erst einmal hinten drinsteht“, weiß Dausch, dass der Kopf langsam ebenso eine Rolle spielt.
Selbst "gewohnte Mechanismen greifen nicht mehr" - und so wächst die Unzufriedenheit im Kader. "Unser gesamtes Auftreten ist gerade anders als in der vergangenen Saison. Man merkt den Jungs die Situation an - aber jetzt müssen wir es eben besser machen", will der Trainer keine Ausreden gelten lassen.
Panikmache ist nach einem Viertel der Saison ohnehin noch nicht angebracht. Und doch weist eine Tabelle nach acht Spieltagen schon einen gewissen Wahrheitsgehalt auf. Für Kottern wird es demnach erst einmal um den Klassenverbleib gehen. Eine gute Nachricht gibt es immerhin: Bald beginnt die Schule - und die Zeit der Feriengänger ist vorbei.