"Das war ein sehr verdienter Sieg", sagte Leon Enzmann und atmete tief durch. Nach acht sieglosen Spielen sicherte sich der TuS Ennepetal beim 2:1 gegen Rot Weiss Ahlen endlich den ersten Saisonsieg in der Oberliga Westfalen. "Wir sind auf einem guten Weg", so Enzmann, der nach der Trennung von Sebastian Westerhoff derzeit als Interimscoach agiert: "Für uns war das ein erster Schritt. Die Jungs merken, dass harte Arbeit belohnt wird."
Die Partie war weniger spektakulär als viele zuvor, brachte aber den lang ersehnten Erfolg. Ennepetal geriet zunächst in Rückstand, drehte das Spiel und verteidigte diesmal konzentriert bis zum Schluss. Ausgerechnet der frühere Ennepetaler Marius Müller traf in der 24. Minute zur Ahlener Führung, ehe Robin Gallus kurz vor der Pause ausglich. "Wir hatten schon vor der Halbzeit sechs richtig gute Umschaltmomente", analysiert Enzmann. "Der Ausgleich war verdient und kam zum perfekten Zeitpunkt."
Nach dem Seitenwechsel kam Cedrick Hupka ins Spiel und erzielte in der 60. Minute das entscheidende 2:1. "Wir haben gesehen, was Ahlen stark macht, und darauf reagiert", erklärt Enzmann. "Danach hatten sie keine gefährlichen Abschlüsse mehr." Die Defensive um Sebastian Lötters und Maxwell Bimpeh stand stabil, die Führung hielt bis zum Schlusspfiff.
Vertrauen und Überzeugung fehlen
Ganz zufrieden war Enzmann dennoch nicht: "Uns fehlt noch etwas Vertrauen und Überzeugung, um das Spiel vielleicht schon früher mit 3:1 oder 4:1 zu entscheiden." Leidenschaft und Einsatz seien vorhanden, nur die Chancenverwertung müsse verbessert werden.
Nach Wochen voller Rückschläge zeigte der TuS wieder ein anderes Gesicht. Enzmann bleibt sachlich: "Wir werden weiter hart arbeiten. Das war ein erster Schritt - mehr nicht." Der Erfolg sei vor allem ein Signal an den Verein, dass der eingeschlagene Weg greifen könne.
Die Trennung von Trainer Sebastian Westerhoff fiel dem Klub schwer. "Er passte perfekt zu uns, ein großartiger Mensch, sehr beliebt", verrät Enzmann. "Aber vielleicht war einfach ein neuer Impuls nötig." Fast drei Jahre hatte "Wester" den TuS betreut, ehe die Verantwortlichen nach sechs sieglosen Spielen reagierten. "Ich sehe ihn nicht als Schuldigen. Da kamen viele Faktoren zusammen. Irgendwann mussten wir handeln."
Enzmann bewertet das ruhige Umfeld als Vorteil, will dabei aber keine Selbstzufriedenheit entwickeln: "Wir wollen so schnell wie möglich punkten. Unser Ziel ist klar: der Klassenerhalt." Der Kader sei oberligatauglich, betont er, man müsse nur endlich die PS auf die Straße bringen. Entscheidend seien Grundtugenden wie Laufen, Zweikämpfe und Intensität. "Erst Stabilität, dann Struktur. Wir müssen die Liga nehmen, wie sie ist - mit all ihren Facetten. Dann entwickelt sich auch unser Spiel wieder."
Als Sportlicher Leiter ist Enzmann kein klassischer Trainer. "Ich habe zwei Kinder, eine Familie und einen zeitintensiven Job. Irgendwann wollte ich diesen Aufwand nicht mehr tragen", erklärt er. Dennoch zögerte er nicht, als der Klub ihn bat. "Ich bin keiner, der wegläuft, und ich traue mir das zu. Wenn ich etwas mache, dann nur zu hundert Prozent."
Wie lange er bleibt, sei offen: "Bis zum Winter auf jeden Fall. Und wenn es gut läuft, gerne bis zum Sommer." Ein neuer Trainer sei derzeit kein akutes Thema. "Erst mal wollen wir Ruhe reinbekommen. Alle Kräfte konzentrieren sich auf den Erfolg. Bewerbungen werden geprüft, haben aber keine Priorität."
Ehemaliger Wuppertaler im Stab
Unterstützung erhält Enzmann seit Anfang Oktober von Fabien Henning, ehemals U-17-Trainer beim Wuppertaler SV. "Fabien ist ambitioniert, hat die U 17 in die Bundesliga geführt und dort gehalten. Er gibt uns viel Input, arbeitet akribisch und ist eine echte Hilfe", lobt Enzmann. Henning kümmert sich um Gegneranalyse, Videoaufbereitung und Trainingssteuerung. Der nächste Gegner wartet am kommenden Sonntag. Um 14.30 Uhr gastiert Ennepetal beim 1. FC Gievenbeck.