Aus Zürich berichtet Gunnar Meggers
Die Nacht war kurz nach der 0:1-Niederlage gegen Spanien und das Wetter am Morgen nach dem Ausscheiden passte sich der Stimmung im deutschen Quartier, dem Hotel FIVE in Zürich, an. "Natürlich ist die Enttäuschung groß", erzählt Nia Künzer. Aber die DFB-Direktorin sieht auch schon ein "Gefühl des Stolzes" im Mannschaftskreis aufkeimen. Die Mannschaft hat "Großes und Besonderes geleistet. Das verbindet die Gruppe auf lange Zeit" , betont die Schützin des Golden Goals im WM-Finale 2003 gegen Schweden.
"Wir haben vieles richtig gemacht", blickt Künzer auch noch mal auf die Zeit vor der Europameisterschaft zurück, als nicht jede Kader-Nominierung ungeteilten Beifall fand. So wie bei Carlotta Wamser oder Franziska Kett. "Sie haben die Bühne genutzt und es überragend gemacht", freut sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf.
Kett hatte in ihrem Verein Bayern München in der abgelaufenen Saison kaum Spielzeit bekommen, weil sie lange verletzt war und dann nicht besser als Konkurrentin Carolin Simon. Aber Bundestrainer Christian Wück hat ein Faible für diese Spielerin - und Kett konnte besonders im Viertelfinale gegen Frankreich am vergangenen Samstag unter Beweis stellen, wie viel Potenzial in ihr schlummert. "Die Spielerinnen waren richtig. Wir haben mutig nominiert, weil wir von ihnen überzeugt sind", unterstreicht Künzer. Sie sei optimistisch, auch weiterhin Spielerinnen zu finden, die auf höchstem Niveau Deutschland vertreten können.
Künzer: "Da können wir stolz sein"
"Wir haben den Umständen geschuldet ein richtig gutes Turnier absolviert", spielt die DFB-Direktorin auch auf das Verletzungspech und die zwei Roten Karten in den fünf deutschen EM-Auftritten an. "Wir sind unter den besten vier Mannschaften bei diesem Turnier und auch in der Nations League. Da können wir stolz sein", betont die 45-Jährige. "Ich bin von diesen Spielerinnen begeistert."
Auch Bernd Neuendorf sieht gute Perspektiven: "Mit diesem Turnier hat etwas Wunderbares begonnen. Der Zusammenhalt, den die Mannschaft hier an den Tag gelegt hat, trägt auch für die kommenden Spiele und darüber hinaus. Das stimmt uns positiv."
Mehr als 14 Millionen Zuschauer verfolgten das Halbfinale im deutschen Fernsehen. "Alles war sehr unaufgeregt und es herrschte eine sehr herzliche Atmosphäre. Aber wir haben es mir der Männer-EM 2024 auch bewiesen, dass wir es können", sagte Neuendorf mit Blick auf die deutsche Bewerbung für die Frauen-EM 2029. Im Dezember wird entschieden, wer das Turnier ausrichten darf. Neben Deutschland haben sich auch Polen, das skandinavische Duo Dänemark/Schweden, Italien und Portugal beworben.