Zuletzt tagte die Mitgliederversammlung, die in einer fast siebenstündigen Sitzung einen neuen Vorstand wählte, in dem sich drei Vertreter des alten Vorstandes wiederfinden. Das ging nicht ohne Diskussionen und Aussprache vonstatten. Verabschiedet wurde der langjährige Vorstandsvorsitzende Frank Kühne, der 13 Jahre dem Gremium vorgestanden hatte. Zudem wurde eine Vision zur Vereinsentwicklung vorgestellt, die kurz-, mittel- und langfristige Ziele zum Inhalt hat. Unter anderem will man die Mitgliederzahl von derzeit 2.548 verdoppeln und so der mitgliederstärkste Fußballverein in Leipzig werden, den Alfred-Kunze-Sportpark (langfristig) erwerben und Profifußball etablieren.
Verjüngungskur nach Klassenerhalt
Doch zuvor muss sportlich neu justiert werden. Unter Trainer Adrian Alipour und der sportlichen Leitung mit David Bergner (unter anderem Trainer in Chemnitz, Erfurt, Meuselwitz, Litauen) und Uwe Thomas gelang nicht nur der Klassenerhalt, sondern nun auch der rasante Neuaufbau eines fast komplett neuen Teams. 18 Spieler verließen die Chemiker, elf neue kamen hinzu, plus drei Kicker aus dem eigenen Nachwuchs.
Was auffällt: Es handelt sich fast ausnahmslos und sehr junge, aber äußerst solide ausgebildete Spieler. Das Durchschnittsalter beträgt 22,75 Jahre - eine Art "Leutzscher Fohlen", die in der neuen Saison an den Start geht. Zudem wurde Wert gelegt auf ein stabiles Äußeres und eine gewisse Schnelligkeit. Die Spielidee von Adrian Alipour beinhaltet viel Tempo und intensive Zweikampfführung. Zumindest die Größenwerte haben es in sich: 1,86 groß sind die 20 Spieler in Grün und Weiß.
Prominentester Zugang ist sicherlich Philipp Wendt (28). Der gebürtige Eilenburger kam aus Jena zurück, wo er sich aufgrund einer schweren Schulterverletzung nicht durchsetzen konnte. Er kickte bereits zuvor sieben Jahre in Leipzig-Leutzsch und absolvierte 160 Pflichtspiele für Chemie. Gleich dreimal bediente sich die BSG in Greifswald, von wo man die Defensivspieler Lukas Griebsch, Lorenz Hollenbach und Rudolf Sanin verpflichtete. Hinzu stieß Marc Enke aus Zehlendorf. Komplett neu stellten sich die Leipziger auch im Mittelfeld auf. Außer Valon Aliji, der bereits in der Winterpause dazustieß, baut man nun auf Fynn Seidel (Chemnitzer FC), Maxime Langner (Erfurt) und Tim Kießling (Meuselwitz).
Kapitän Janik Mäder verlängerte seinen Vertrag und wird im Sturm aufgeboten, Tim Bunge hatte noch einen laufenden Vertrag. Probleme könnte nur der Vertrag von Nationalspieler Stanley Ratifo (Mosambik) bereiten. Ein Sponsor fiel aus, der den Angreifer (zehn Saisontore) unterstützte. Im Winter wird Ratifo aber ohnehin lange ausfallen, wenn die Afrikameisterschaft in Marokko stattfindet. Ein einziger Stürmer steht neu im Aufgebot, Julius Hoffmann kam von Regionalliga-Aufsteiger 1. FC Magdeburg II.
Aus diesem bunten Konglomerat aus Neuzugängen, Jugendspielern und Verbliebenen eine verschworene Truppe zu formen, ist nun die Aufgabe von Alipour. Dafür sind einige Vorbereitungsspiele vereinbart, unter anderem gegen Eilenburg und Grimma sowie im Trainingslager in Polen gegen Banik Ostrava.