Fehlercode: %{errorCode}

Planänderung in Wilhelmshaven: Sportvorstand Schmidt muss wieder an die Seitenlinie

kicker

Florian Schmidt muss an Wilhelm Busch gedacht haben. Eigentlich wollte er keinen Stress mehr, keine schlaflosen Nächte, kein Grübeln über Taktik und Aufstellung. Eigentlich! Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Frei nach dem Dichter Wilhelm Busch hat Schmidt genau das erfahren.

"Die Krux ist, dass wir nicht mehr gemeinsam an der Seitenlinie stehen wollten", gesteht der Sportvorstand des SV Wilhelmshaven. Nach zwei Jahren als Cheftrainer hatte er dieses Amt im Sommer abgegeben. Er rückte auf den Funktionärsposten, während sein bisheriger Co-Trainer David Jahdadic zum Chef befördert wurde. Die beiden sind übrigens verwandt. So weit, so gut.

El-Ali ist ein alter Bekannter

Doch kurz vor Saisonstart passierte das Unvorhersehbare. In einem abschließenden Trainingskick riss sich Co-Trainer Berton Konda beide Patellasehnen. Ein Schockmoment. Eine schnelle Lösung musste her. So entschied Schmidt, sich als Interims-Assistenztrainer wieder an die Seitenlinie zu stellen - neben seinen Schwager. Auf Dauer will er die Doppelfunktion jedoch nicht ausfüllen. "Ich ziehe mich ohne Probleme zurück", macht Schmidt klar, dass er sich sehr bald wieder voll und ganz auf seinen Job als Sportchef konzentrieren will. Zumal der Verein mit Moussa El-Ali jüngst einen neuen Co-Trainer gewinnen konnte. Noch dazu einen alten Bekannten. El-Ali trug bereits in seiner Jugend das Trikot des SVW und kehrt nun an die Jade zurück. Besonders bemerkenswert: Neben der familiären Bande kommt eine freundschaftliche hinzu. Denn El-Ali und Cheftrainer Jahdadic sind seit Jahren befreundet.

Die leichte Unruhe kurz vor Saisonbeginn hat sich für den Verein aber keineswegs negativ ausgewirkt. Im Gegenteil. "Ich bin sehr zufrieden mit dem Start", meint Schmidt. Mit drei Siegen und einem Unentschieden ist Wilhelmshaven fast perfekt in die Oberliga Niedersachsen gestartet. Zudem steht man im Viertelfinale des Niedersachsenpokals. Nicht vollends einverstanden mit der bisherigen Punktausbeute wie sein "Chef" ist Jahdadic. Ihn ärgert noch immer die Chancenauswertung beim 0:0 gegen den TuS Bersenbrück am 1. Spieltag. Und da ist man zwangsläufig beim einzigen Kritikpunkt. "Ich habe die Jungs noch nicht da, wo ich sie gerne hätte", gesteht Jahdadic. Die Mannschaft betreibe einen großen Aufwand, belohne sich aber nicht für ihre harte Arbeit. Sieben Saisontore seien zu wenig bei den herausgespielten Möglichkeiten.

Nun ist das bei der bisherigen Bilanz ein Meckern auf hohem Niveau, das weiß auch Jahdadic. Es zeigt aber, über welches Potenzial der SV Wilhelmshaven verfügt. Nicht umsonst gilt er für viele als Geheimtipp auf den Aufstieg. Prunkstück des Teams ist die Abwehr. Nur ein Gegentor in vier Spielen - Ligabestwert. "Defensiv haben wir Maschinen", formuliert es Jahdadic auf seine Art. Der Trainer, der sich selbst als autoritär bezeichnet, setzt auf ein 4-4-2-System. Die beiden Innenverteidiger Alex Chiarodia, der Bruder von Gladbachs Fabio Chiarodia, sowie Kapitän Efkan Erdogan bilden ein starkes Innenverteidiger-Duo. Beide sind erst im Sommer neu an die Nordwestküste des Jadebusens gekommen. "Die Jungs spielen einfach schlau. Sie wissen, wann sich wer absetzen muss, wer deckt dem anderen den Rücken. Die wissen schon sehr viel", analysiert Jahdadic seine Abwehrreihe und ist dabei voll des Lobes.

Die gelungene Transferpolitik des SVW ist ein Grund für die positive Entwicklung in Wilhelmshaven. "Es hat alles funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir haben einen Riesensprung in Sachen Qualitätssteigerung gemacht", zeigt sich Schmidt erfreut. Auch Yanni Regäsel, ehemaliger Bundesligaspieler, hat die Erwartungen erfüllt. Zu gerne hätte Schmidt noch einen Konterstürmer, eine Art falsche Neun verpflichtet. "Aber ich habe nicht genau das Profil gefunden, was ich mir vorstelle", erzählt Schmidt, der bis zum Ende des Deadline Days nach seinem Wunschstürmer gesucht hatte.

„Ich habe verschiedene Charaktere, aber ausschließlich Bad Boys, die alles geben, wenn sie auf dem Platz kommen.“ (Trainer David Jahdadic)

Mit dem vorhandenen Personal ist sein Schwager durchaus glücklich: "Ich habe verschiedene Charaktere, aber ausschließlich Bad Boys, die alles geben, wenn sie auf dem Platz kommen." Mit diesen "Bad Boys" will der SV Wilhelmshaven in die Regionalliga aufsteigen. Das ist das Ziel. Auch wenn Jahdadic sagt, "die Liga halten" - und dabei zu lachen anfängt. Allerdings wissen er und Schmidt auch, dass für den Aufstieg "jedes Rädchen ineinander greifen muss. Da reicht nicht nur ein guter Kader. Du brauchst auch Glück", sagt der Sportvorstand.

Aber das wäre ein Ding, sollte der Verein tatsächlich in diesem Jahr aufsteigen. Der SV Wilhelmshaven firmierte nämlich ursprünglich als Sport-Verein Wilhelmshaven Germania 1905. Und feiert somit sein 120-jähriges Jubiläum.